Beratung und Diskussion zu eigenem Homeserver

Dyfcom

PC-Selbstbauer(in)
Hallo Community,

ein Freund hat mir heute sein eigenen Homeserver vorgestellt und ich war leicht beeindruckt. Ich überlege mir deshalb auch so ein Projekt anzufangen. Er hat viele verschiedene Sachen darüber laufen gehabt (Mailserver, Plex, Sealife, Ts3-Server, etc). Da mein Vater und ich schon eine ganze ewigkeit eine eigene Mailadresse haben möchten, würde sich das doch anbieten. Dazu hat mein Vater eine ganze weile einen NAS stehen gehabt, der aber schon etwas länger nicht mehr Funktioniert.

Das hier soll noch keine Hardware beratung werden, möchte hier lediglich Fragen wie die Ansicht von erfahrenden Forummitglieder ist und hoffe dann auch eine gute beratung :)

Also mein Plan sieht wie Folgt aus:

-Mailserver mit eigener Mailadresse.
-Plex
-eine eigene Cloud über Sealife oder Nextcloud
-Backup Server für Windows Rechner
-eventuell TS3 Server und hin und wieder mal ein Minecraft Server
-keine eigene Webseite

Es sind schon 2 WD Red 4TB vorhanden aus dem alten NAS, wo mein Vater all seine Bilder und Daten gespiegelt hat. Sowas sollte er naturlich auch wieder können. Sollte auch kein Stromfresser sein, lautstärke ist egal, da er in den Keller verbannt wird, wo man dann mit Fernzugriff drauf zugreifen kann :)

-Wie sieht es mit dem Betirebssystem aus? Mein Kumpel hat alles mit Windows Server realisiert.
-Ist das überhaupt an einem Kabel deutschland anschluss möglich? Sonst kommt er zu mir in die Wohnung.

Gruß
Dyfcom
 
-Wie sieht es mit dem Betirebssystem aus? Mein Kumpel hat alles mit Windows Server realisiert.
-Ist das überhaupt an einem Kabel deutschland anschluss möglich? Sonst kommt er zu mir in die Wohnung.
Es kommt halt darauf an, ob der Server von außen erreichbar sein soll. Wenn er das nicht muss, dann ist der Anschluss vollkommen wumpe. Aber wenn er es sein soll, kann es bei Kabel-Anbietern durch deren CGN (Carrier Grate NAT) zu Problemen kommen. Denn die Kabelanbieter haben sich schon recht früh auf IPv6 gestürzt, machen aber wegen dem Netzübergang Probleme. Bei Unitymedia habe ich das mal erlebt. Ob das heute immernoch so ist, weiß ich nicht.

Was den Server angeht:
1. Eigene Mailadresse:
Wenn du einen E-Mailserver verwendest, kannst du so viele Mailadressen anlegen und verwalten, wie du möchtest. Um das ganze zu personalisieren, solltest du natürlich auch eine Top-Level-Domain mieten. Die Mailaccounts haben grundsätzlich immer nur einen einfachen Benutzernamen. Du kannst es dir so vorstellen: USERNAME@(unter)DOMAIN.TLD
Verfügt euer Server über keine TLD, so lauten die E-Mailadressen immer USERNAME@ANSCHLUSS_IP z.B. dyfcom@12.34.56.78
So etwas auf dem Homeserver zu installieren, rate ich persönlich ab. Ein Mailserver schluckt kaum Ressourcen. Ich würde es auf einen vServer installieren. Der kostet einen gerade einmal 2,50 € im Monat reicht für ein paar Mailadressen dicke aus. Dafür hat man aber je nach Anbieter auch eine DDoS-Protection. Außerdem sind die Mailadressen bei einem Anschlussausfall weiterhin erreichbar und man kommt, wenn der Anschluss das Forwarding nicht mitmacht, auch von Unterwegs ran. SMTP wird zum Versand benötigt und ist zugleich Angriffsfläche für DDoS-Attacken und Spambots.

2. Plex:
Dieser sollte abgeschottet vom Internet betrieben werden. Streaming nach draußen sollte man definitiv lassen, da man dadurch eine Urheberrechtsverletzung begehen kann (je nach angebotenen Werk). Selbst wenn der Dienst geschlossen betrieben wird, muss man aufpassen, das durch Sicherheitslücken das ganze nicht unfreiwillig geöffnet wird. Plex gibt es auch für Linux. Dazu benötigt man also auch keinen Windows-Server.

3. Die Cloud
Das machen sich die meisten eigentlich viel zu komplimziert. Klar sind Lösungen mit Webinterface wie OwnCloud und Co. angenehm. Aber am Ende speichert man ja doch nur Dateien. Da würde ich einen WebDAV-Server einrichten. Es gibt für alle mobilen Plattformen passende Apps für WebDAV. Und dank SSL lässt sich auch der Trafic verschlüsseln. Außerdem kann man damit die "Cloud" als eigenes Laufwerk in Windows oder Linux oder Mac direkt ohne weitere Software einhängen und direkt verwenden. Das funktioniert übrigens auch mit FTP ;)
Gibt es auch für Linux. Auch kein Windows-Server nötig.

4. Backups
Ist eine Konfigurationssache der Windows-PC's. Wenn ihr WebDAV oder FTP laufen habt, könnt ihr den Backup-Tools sagen, das sie diese dort ablegen sollen.

5. TS3-Server
Ein Online vServer hat auch dafür genug Leistung. Dafür musst du dann auch keine Leute in euer eigenes Netzwerk lassen. Es sei denn du brauchst den nur zu Hause. Dann kannste das natürlich machen. Aber wenn fremde oder Freunde, Bekannte wie auch immer da mit rauf sollen, packs mit auf den vServer. Der für 2,50 €/Monat hat dafür auch noch genug Leistung.

6. Minecraft
Für die Familie ok. Für allgemeines Online zocken ist das blöde. Man muss wieder Leute von außen ins Netzwerk lassen. Außerdem ist Minecraft recht trafficlastig, da die Chunks/Karten synchronisiert werden müssen. Das kann sich bei vielen Spielern schnell negativ auf Latenzen und Bandbreiten des Anschlusses auswirken. Das würdeich mir auch zweimal überlegen. Dann lieber einen vServer für 5,50 € mieten. Dann hat er auch für Minecraft genug Leistung.

7. Betriebsystem
Da musste ich eben schon etwas lachen, als du geschrieben hast, das dein Kumpel Windows Server einsetzt. Denn das macht eigentlich überhupt keinen Sinn. Ich gehe davon aus, das er als Mailserver kein Exchange einsetzt, sondern eine OpenSource-Lösung. Und auch alle andern beschriebenen Dienste laufen mit freien Varianten. Das kann man auch mit einem ganz normalen Windows 7 machen. Einfach alle nicht benötigten Dienste abschalten, unnötige Software penibel entfernen, die Dektop-Umgebung aufs Minimum runterschrauben, automatische Updates aus und alle Server, die man benötigt installieren. Die Firewall von Windows 7 lässt sich über die Computerverwaltung ebenfalls easy einrichten (und ist fast genauso umfangreich wie IPTables auf Linux). Windows-Server wird nur gebraucht, wenn man Serverdienste nutzt, die es vorraussetzen wie ActiveDirectory, Office 365 Cloud, Sharepoint, IIS mit aktueller ASP-Version etc. Für alles andere reicht ein normales Desktop-Windows aus. Aber ich würde überhaupt kein Windows verwenden. Ich würde bei einem Server eher auf Linux setzen. Warum? Darum:
Skizze.png
Mein vServer verbraucht (aktuell im Idle) um die 16 MB RAM und die Kerne langweilen sich. Aber es läuft der TS3-Server, NGINX, PHP 7.1 im FastCGI und PostgreSQL zeitgleich drauf. Selbst ein bis auf die Grundmauern runtergebrochenes Windows 7 verbraucht das 10 - 15 fache! an RAM und die Last auf der CPU liegt ebenfalls deutlich höher. Mit Windows verschenkst du einfach zu viel Performance! Und das wirkt sich (nur einmal so nebenbei ;) ) auch auf den Stromverbrauch aus.

Die Betriebsystemwahl ist sehr wichtig. Denn sie bestimmt auch, welche Hardware du benötigst. Für deine Zwecke reicht ein billiges einfaches System mit vllt. 1 GB RAM. Mit Windows würde ich mindestens 2 GB RAM nehmen. Das gleiche gilt für die CPU. Denn die Sparsamkeit bekannter Serverdienste nutzt einem nichts, wenn die Bibliotheken unter Windows größer und hungriger sind.
 
Vielen vielen dank für diese Antwort :)

Welchen hoster würdest du denn empfehlen?
Also werde ich mich um einen neuem NAS kümmer und denn Rest auf einen vServer installieren.

Würde mich da gerne langsam rantasten
 
Ich habe meine vServer alle bei noez.de
Bei denen ist der große Vorteil, das sie ihre Server als Prepaid anbieten. Im Grunde ohne feste Vertragslaufzeit. Du zahlst die Laufzeit im vorraus und kurz vor Ablauf verlängerst du einfach. Vollkommen unkompliziert. Der Server auf dem Screenshot haben sie gerade im Angebot für 95 Cent im Monat. 100 GB HDD, 3 vCores und 1,5 GB RAM. Darauf habe ich Ubuntuserver 14.04.4 LTS am laufen. Das Teil läuft absolut geschmeidig und hat Anbieterseitig eine gute DDoS-Protection. Die Frage ist halt immer nur, ob man mit dem Fairuse-Traffic einverstanden ist. Überschreitet man einen gewissen Wert (bei meinem vServer 1TB im Monat) wird entschieden, was gemacht wird (z.B. drossel). Aber das haben nach langer Recherche so gut wie alle Hoster. Sonst könnten sie ja keine Root-Server mehr verkaufen und auch nicht solche Preise anbieten :lol:

NAS wäre da wirklich für Zuhause die bessere Lösung. Da ist schon alles vorinstalliert und mit wenig Konfiguration für den Einsatz fertig. Im übrigen kann man auch ein gewisses Kontingent an Platz auf seinem vServer auch für Dateien reservieren, falls man doch unterwegs etwas speichern will, um zu hause direkt am PC dran zu kommen. Mit einem WebDAV-Server (Apache mit WebDAV-Modul, NGINX mit WebDAV-Modul oder Lighttpd mit WebDAV-Modul - wobei letzteres kompliziert ist), OpenSSL und einem entsprechenden Zertifikat kann man sich das schon recht gut zurecht machen. Für solche Schweinereien sind vServer echt spitze :D
 
Danke :)

Was würdest du als Mailhost programm verwenden?

Und wenn man das Fragen darf, was genau machst du alles mit dem Server?

Und wie sieht das mit eigener Domain aus, muss man die Zusätlich kaufen oder wird das dann alles über IP-Adresse gemacht?

nochmal vielen Dank für die schnelle und Ausführliche Hilfe ^^
 
Ich halte mich da überwiegend an den Informationen des Ubuntu-Wiki's. Es gibt sehr viele Serverdienste für Linux. Nicht nur Mail. Einarbeiten muss man sich aber in alle. Mailserver verwende ich momentan garnicht. Habe momentan nicht einmal eine TLD-Domain. Aber ich finde die Artikel im Ubuntuwiki schon sehr gut geschrieben: Mailserver-Einfuhrung › Wiki › ubuntuusers.de

Aber auch für Debian gibt es viele Ressourcen: de/Network - Debian Wiki

Ich würde also, wenn ich jetzt einen aufsetzen würde, Dovecot2 und Postfix nehmen.

Ich bevorzuge bzgl. den Ressourcen und der Übersicht den Ubuntuserver. In der Minimal-Installation ist er genauso schlank wie jeder andere auch und wenn du ein wenig im Ubuntuwiki stöberst wirst du selbst bei dir merken, das dir die Angst davor genommen wird. Ich war schon immer ein Windows-Kind. Aber Windows-Server passen nie zu meinen Anforderungen. Deswegen musste ich mich damit auseinandersetzen

Domains muss man zusätzlich dazu kaufen. Die gibt es aber schon für ein paar € im Jahr. Bei Noez bekommste die auch. Eine normale .de-Domain kostet dort im ersten Jahr 7,99 € und jedes weitere Jahr 6,99 €. Und es läuft ebenfalls alles über Prepaid ab. Man zahlt immer für ein Jahr direkt vom Guthaben und fertig ist die Marie. Ohne Domain läuft alles über die IP.

Mit meinem Server mache ich verschiedenes. Teamspeak ist soweit klar. Da ich aber momentan wieder viel Programmiere und vor habe, ein Browserspiel auf Basis von WebGL, Websocket und einem selbst geschriebenen Socketserver (in Maschinencode kompiliert) zu entwickeln, benötige ich halt auch zum Test mehr als nur einen normalen Webspace. Deswegen der vServer. Da kann ich im Grunde alles laufen lassen, was ich will. Auch den Socketserver. Außerdem ist ein Webserver (NGINX) und eine PostgreSQL-Datenbank installiert, die ich auch beides für mein Spielchen brauche. Und natürlich PHP im FastCGI.
 
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