Als Battlefield-Spieler der alten Schule muss ich sagen, dass die BF6 Beta für mich sehr durchwachsen ist.
Ich vergleiche aber auch nicht mit Battlefield 1 oder V (die sind für mich keine Maßstäbe), sondern eher zu Battlefield 3, Battlefield Bad Company 2 und Battlefield 2 und, weil es die letzte Inkarnation war, Battlefield 2042.
Deswegen sehe ich bei mir keine Erinnerungen aufblitzen, wie sie Jacqueline in ihrem Text beschrieben hat. In meinen Erinnerungen an ein richtig gutes Battlefield hatte der Assault den Defibrillator und die Medic-Kiste, der Engineer hatte Zugang zu mehreren Raketenwerfern, Minen, Repairtool (das war in BF3 auch schon kein Schraubenschlüssel mehr) oder EOD-Bots. Der Support hatte halt die Munitionskiste und der Recon hatte - leider - das Spawn Beacon.
So gut wie BF3 damals funktionierte, sehe ich es aber auch heute nicht mehr so verklärt wie damals.
Ich wage es kaum auszuschreiben, aber in der Beta waren jetzt einige Dinge anders, als es noch die Playtests von BF6 vorgemacht haben, und die meines Erachtens nach einen Schritt in die richtige Richtung darstellen:
1. Ich finde es, gegenüber BF3, zum Beispiel gut, dass der Assault nicht mehr der Medic ist. In BF3, gerade mit eingespielten Squads, waren die sogenannten "Medic Trains", also Squads bestehend aus 4 Assault-Spielern, eine echte Gefahr. Feuertechnisch anderen, gemischten Squads haushoch überlegen, und solange auch nur einer überlebt hat, wurden alle anderen wieder aufgehoben - mit vollen HP. Eine wahre, todbringe Welle, wenn die Spieler gut waren.
2. Der Assault hat nur noch wenig Munition dabei. Das finde ich gut. Er hat 3 krasse Waffen dabei (Assault Rifles sind die stärksten Waffen, dazu eine One-Hit Waffe auf kurze Distanz mit der Schrotflinte und dazu noch den Granatwerfer, um Gegner hinter Deckungen zu zermürben). Da ist es nur fair, dass der Assault weder Zugang zu Heilkisten oder Munitionskisten hat und durch die Munitionsknappheit auf Spieler der anderen Klassen angewiesen ist.
3. Die Recon-Klasse wird das Spawn Beacon verlieren und an die Assaultklasse weitergeben. Absolut richtige Entscheidung. Vorbei sind dann die Zeiten, in denen Sniper am Allerwertesten der Map irgendwo in der Pampa rumliegen und dank Spawnbeacon dort immer wieder spawnen können, ohne erneut dorthin latschen zu müssen. Absolut richtige Entscheidung, denn jetzt am ersten Betawochenende war das noch der Fall.
Gegenüber BF2042 sind die folgenden Dinge besser:
1. Keine Specialists mehr. Die Readability finde ich bei BF6 nicht wirklich gut (BF3 war da um Welten besser), man ist häufig immer nur auf die roten Marker über den Gegnern angewiesen, um zu erkennen, ob das jetzt Freund oder Feind ist. Aber wenigstens sind nicht mehr 1:1 identische Skins auf beiden Seiten... Das hat mich bei BF2042 wahnsinnig gemacht, vor allem weil die hässlichen Clownskins die ohnehin schon recht maue Atmosphäre komplett zerstört haben, wenn z.B.
Samurai-Boris 1 gegen
Samurai-Boris 2 gekämpft hat, während
Roboter-Irish und
Roboter-Paik eingemischt haben. Diesen Schwachsinn will ich nicht in einem Battlefield haben. Punkt. Lasst es weg.
2. Erlegte Gegner lassen keine Allerweltsmunition mehr fallen, mit der man quasi (wenn man gut war) nie in Bedrängnis kam, dass einem die Munition ausgegangen wäre. Dadurch ist der Support in BF2042 dazu verkommen, nur noch für sich selbst Munition hinzuwerfen, denn jeder konnte ja einfach überall auf dem Schlachtfeld Munition von Gegnern und sogar Verbündeten aufheben, die das Zeitliche gesegnet haben.
3. Fahrzeuge können nicht mehr an einer beliebigen Position gespawnt werden. Dazu muss man glaube ich gar nichts weiter zu sagen. Fehldesign in BF2042 par excellence.
4. Maps sind nicht mehr leere, flache Testmaps (sorry, das war ein Großteil der BF2042 Maps, die viel mehr auf Fahrzeuge ausgelegt waren als auf Infanterie).
Gegenüber den Playtests war der Netcode er Beta schon deutlich, deutlich besser. Wer in alten Playtests dabei war, der weiß, wovon ich rede und warum ich äußerst skeptisch gegenüber BF6 war aufgrund der Playtests.
Zudem kann ich mich nicht dazu bewegen, mit freier Waffenwahl zu spielen. Es fühlt sich einfach falsch an und die Balance der Klassen entsteht ja auch durch die Einschränkungen in der Waffenwahl. Closed Weapons fühlt sich tatsächlich schon ganz gut an und sollte der default-Spielmodus sein (mag aber auch durch die letzten Jahre mit BF2042 deutlich besser erscheinen, als es vielleicht gegenüber alten Teilen ist, weil in BF2042 eben einfach gar keine Balance mehr vorhanden war). Das Ganze wieder ad absurdum zu führen, nur damit Solospieler wieder mehr im Egomodus rumeiern können, während sie null auf den Ausgang des Matches geben, erscheint mir da einfach nicht schlüssig. Wenn die Community nach der Rückkehr des Klassensystems schreit, dann meint sie es in den allermeisten Fällen eben auch mitsamt der Begrenzung der Waffenwahl. Punkt. Bewahrt die Balance. Gebt doch nicht 'nem Support mit endlos Munition auczh noch Zugang zu einem Scharfschützengewehr, damit dieser am Ende der Welt rumlümmelt, nur um zu nerven. Die "Penalties", wenn man Waffen einer anderen "Klasse" verwendet, sind halt lächerlich. Wenn die Genauigkeit in dem hier beschriebenen Fall mit Support + Sniperrifle z.B. gedrittelt werden würde, so dass man kaum noch etwas treffen kann, why not. Aber die "Nachteile" sind so dermaßen vernachlässigbar, dass man sie gar nicht bemerkt. Sorry, das ist Quatsch und einfach nur ein Catern der "Fans" von BF2042.
Im kommenden Battle Royale Modus können sie sich mit einem offenem System so sehr austoben, wie sie wollen. Den Modus werden alte Battlefield-Veteranen eh nicht spielen, wenn sie schlicht Battlefield spielen wollen. Das ist ein Modus für Streamer mit Egotrips, lagert das offene System doch dahin aus, wenn das okay ist.
Ansonsten bleibt noch viel abzuwarten. Sie haben gegenüber BF2042 einige Schritte in die richtige Richtung gemacht (zurück zu den alten Teilen) und dabei sogar ein paar Details (oben beschrieben) besser gemacht als in alten Teilen, aber leider nicht alles Negative von BF2042 abgeschüttelt.
Dass es bereits jetzt Skins mit großen, lilafarbenen Akzenten gibt (nur damit die Twitch-Farben auch als solche erkennbar sind, wo die Skins herkommen) lässt mich nur Böses erahnen... Die Clownskins sind einfach ein zu gutes Ding, als dass sich EA/DICE das entgehen lassen wird. "Grounded" und "realistic" werden die Skins nicht bleiben, das haben die bereits jetzt verfügbaren Twitch- und Vorbestellerskins bereits bewiesen. Und ich glaube, um Unterschiede sichtbar zu machen, werden die kommenden noch viel, viel clowniger und bunter. Und das finde ich, milde gesagt, sch*****.
Dass kein Serverbrowser vorhanden ist... Dazu muss ich gar nichts schreiben. Fehlentscheidung, mal wieder. Sowohl was den Spielspaß angeht, das Management von Squads mit Freunden sowie im Kampf gegen offensichtliche Cheater. Setzen, 6.
Ich werde das weiter beobachten. Meine Kumpels aus den frühen 2000ern schauen es sich auch ganz genau an. Wir sind noch nicht restlos überzeugt, ob wir es uns zulegen werden. Dafür hat es aktuell leider noch ein paar Macken.