"Denn die deutschen Atomkraftwerke sind wirklich vorbildlich was ihre Sicherheit angeht."
biosat_lost
Die deutschen AKWs sind auf dem technischen Stand der 60er und 70er Jahre,
haben zumindest ein Containment, aber verglichen mit aktuellen Reaktoren sind sie völlig unzureichend.
"Vor allem wenn man sie mit einem RBMk 1000 Reaktor vergleicht, der 2020 in Planung oder im Bau ist."
biosat_lost
Es wird seit den frühen 90ern kein RBMK Reaktor mehr gebaut - warum wohl
Die aktuellen russischen Reaktoren (VVER 1200) sind moderne Druckwasser-Reaktoren samt Containment
und sehr guten Sicherheitseinrichtungen, inklusive passiver Notkühlung und Kernfänger.
Was auch der Grund dafür ist, warum aktuell dutzende davon in Russland
und anderen Ländern im Bau oder geplant sind.
Die verbliebenen RBMK wurden seit 1990 mehrmals nachgerüstet
und die letzten werden bis Mitte der 2030er abgeschaltet.
"Kohlekraftwerke erzeugen mindestens genausoviel Radioaktivität dazu noch Co2."
biosat_lost
Kohlekraftwerke erzeugen Kraftwerksasche und manche Kohlevorkommen enthalten sehr viele Schwermetalle,
inklusive Uran und Thorium. "Dreckige" Kohlekraftwerke ohne Filter blasen das Zeugs in die Umwelt,
unsere in AT und DE z.B. halten die Asche zurück.
Die Asche ist (radioaktiver) Sondermüll und wird i.d.R. in alten Bergwerksstollen eingelagert.
Pro Jahr fallen durch Kohleverbrennung weltweit etwa 10.000 Tonnen Uran und 25.000 Tonnen Thorium an.
Theoretisch könnte man also aus der Asche weltweit sehr viel Uran gewinnen.
Entsprechende Bestrebungen gibt es bereits in einigen Ländern.
"Was kostet denn die Endlagerung des Atommülls?"

Threshold
In Finnland wurden 3 Milliarden veranschlagt,
die teilweise durch die Rücklagen der AKW-Betreiber abgedeckt sind.
Die Kosten liegen bisher nur geringfügig höher, die Anlagen für den hochradioaktiven Müll
sind aktuell in der letzten Bauphase und sollen 2021 in Betrieb gehen.
Das Lager für Mittelaktive Abfälle hingegen ist bereits in Betrieb.
Und im Nachbarland Schweden wurden dieses Jahr erste Bauplanungen gestartet.
"Wir verkaufen sehr viel Strom ins Ausland."
Sparanus
Ja. Und wenn es mal nicht so gut läuft mit den Erneuerbaren,
werdet ihr in Zukunft Strom aus dem Ausland importieren
und im Fall einiger eurer Nachbarländer wird auch Atomstrom darunter sein.
Machen wir hier in Österreich seit Jahrzehnten so, auch wenn das bei uns gerne verdrängt wird.
Und leider kommt bei dem Thema in Österreich eine gewisse Heuchelei und Scheinheiligkeit zum tragen:
Wir brüsten uns einerseits mit einem hohen Ökostromanteil, empören uns moralisch
über unsere bösen östlichen Nachbarn weil diese Atomstrom erzeugen,
aber andererseits importieren wir eben diesen, weil es bei uns leider sonst nicht reicht.
Dazu kommen auch noch "lustige Zivilklagen" gegen unsere Nachbarländer,
weil diese ihre alten AKWs (Sowjet-Bauten, ineffizient, kein Containment)
endlich gegen moderne Anlagen ersetzen wollen.
Natürlich sind bisher alle Klagen gescheitert - was zu erwarten war. Zuletzt gegen das UK:
Urteil noch ausständig, das EU-Gericht hatte Nichtigkeitsklage gegen Staatshilfen 2018 "zu Recht abgewiesen"
www.derstandard.at
Ja. Österreich hat tatsächlich gegen ein britisches AKW geklagt... Kann man nicht erfinden.
"Und der radioaktive Abfall, welcher am besten auf den Mond oder in die Sonne geschossen gehört."
RyzA
Mit der aktuellen Raketentechnologie? Bitte nicht!
Schon die kleinen Mengen Plutonium, die die Marsroboter der NASA an Bord haben,
könnten bei einem Raketenunfall mehrere Quadratkilometer verdrecken.
Über Kanada kam einmal ein sowjetischer Militärsatellit mit einer solchen
Plutonium-Radionuklidbatterie runter, aber zum Glück in der Pampa.
"Das Lustigste am Atomstrom sind übrigens bullige SUVs, die in deutschen Innenstädten parken
und einen "Atomstrom, nein danke!"-Aufkleber an der Heckscheibe haben. Realsatire pur."
Mahoy
Ja, sowas habe ich Wien gesehen. Ein Porsche Cayenne Hybrid im Bobo-Viertel hatte den draufpicken.
Das sind die "modernen, urbanen Grün-Wähler" aus der oberen Mittelschicht.
Heuchelei muss man sich halt auch leisten können.
"Es gibt gute Gründe, warum wir in diesem Land keine Kernkraftwerke mehr wollen."
DAU_0815
Wir?
Sorry, aber es gibt weder in Deutschland, noch in der Schweiz und auch nicht in Österreich
100% Ablehnung der Kernenergie in der Bevölkerung.
Und Merkel hat die Aktion nach Fukushima auch nur geliefert,
weil wichtige Landtagswahlen anstanden (BaWü und Hessen)
und die Grünen plötzlich einen Umfrage-Höhenflug hatten.
Denn eigentlich wollte man die Laufzeiten einige Wochen vorher noch verlängern.
Oder um Volker Pispers zu zitieren:
"Die Frau ist promovierte Kernphysikerin.
Die hatte keine Angst vor der Kernschmelze in deutschen AKWs,
die hatte Angst vor der Kernschmelze an der Wahlurne."
"Kurz: Kernkraft bleibt ökologischer und im Falle Deutschlands sogar ökonomischer und strategischer Schwachsinn im Quadrat."
Mahoy
Du weist schon das ihr wegen des Ausstiegs eure Kohlkraftwerke bis in die 2030er Jahre weiterlaufen lassen müsst?
Dazu kommt noch Gas als Backup für alle Fälle.
Wenn schon "Energiewende", dann zuerst die Drecksschleudern abschalten und danach die AKWs.
Denn mit Klimaschutz hat die aktuelle Energiewende bei euch bisher nichts zu tun.
Apropos Backup:
Dieses Wärmekraftwerk steht 12km von mir entfernt und ist offenbar Teil eures Backups.
de.wikipedia.org
Wird mit mit Erdgas, Heizöl und zur Not auch mit Kohle befeuert.
"Und die ist wann? Aha in unbestimmter Zukunft."
Sparanus
Wenn es bei ITER in dem Tempo weiter geht, frühestens in den 2040er Jahren.
Diese Anlagen werden Anfangs aber nicht mehr Strom erzeugen, sondern wohl weltweit alle
AKWs, die in Betrieb sind langsam aber sicher ersetzen.
Kommt also zu spät für das 2°C Ziel.
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Meine persönliche Conclusio punkto Kernenergie:
Die deutschsprachigen Länder sind raus - aus diversen Gründen.
Aber andere Länder können, oder wollen nicht darauf verzichten.
Und damit werden wir leben müssen.
In China z.B. geht aktuell, trotz des gigantischen Ausbaus Erneuerbarer Energien,
alle 6 Monate ein neuer Reaktor ans Netz und das wird sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern.
Wir hier werden unseren Ökostrom-Überschuss, falls nötig,
in die Nachbarländer exportieren und wenn es mal nicht gut läuft,
werden wir hingegen deren (Atom)Strom importieren.
Trotzdem könnte man meinen, die deutschsprachigen Länder hätten,
aufgrund der teilweise recht ausgeprägten Radiophobie der Bevölkerung,
ihre Atomstromproduktion quasi ins Ausland verlagert...
In Schweden, Finnland hingegen
ist die Bevölkerung der Kernenergie gegenüber
Großteils positiv eingestellt.