AW: Assassin's Creed: Odyssey - Mehrheit der Spieler wählt männliche Spielfigur
Ich spiele natürlich auch Kassandra, bin aber etwas genervt, dass man gerade
am Anfang so oft kämpfen muss und Situationen nicht anderes lösen kann.
Es finden sich verblüffende Sätze, oder? Ich bin selber gerade etwas überrascht.
Klingt das nicht ein wenig nach "Kassandra", aber lies es selber:
"...Diese für Sparta charakteristische und notwendige Arbeitsteilung zwischen den
Geschlechtern bestimmte auch das für griechische Verhältnisse außergewöhnliche,
auf Gleichheit gerichtete Verhältnis von Mann und Frau. Denn in einer Gesellschaft,
in der alle in gleicher Weise „gebraucht“ wurden, konnten sich gar keine geschlechts-
spezifischen Vorstellungen und also auch keine Geringschätzung der Frauen herausbilden...."
Die spartanische Gesellschaft Die verklaerteste Stadt der Antike - wissenschaft.de
"...Plutarch schließlich schreibt ihr den Satz zu, dass spartanische Frauen die einzigen
seien, die über ihre Männer herrschten, weil sie alleine die Mütter wahrer Männer seien...."
Gorgo – Nachrichten ueber eine Spartanerin – Lakedaimon.de
"...Dass Spartanerinnen in Olympia als Siegerinnen im Wagenrennen in Erscheinung
traten, weist ebenfalls kaum auf eine allgemein große Selbständigkeit von Frauen hin,..."
[Anm.: Die Frauen waren die Besitzer der Pferde, nicht die Wagenlenker]
"...So haben wir Kunde, dass im 4. Jh. an 2/5 des Landes in Händen von Frauen als
Erbträgerinnen war. So waren natürlich diese Frauen wirtschaftlich nicht nur selbst-
ständig, sondern auch verantwortlich...."
Die kaltherzige Sachwalterin des Staates – Lakedaimon.de
Spartanische Frauen besaßen im gesamten antiken Griechenland auch mit den größten Status und "realen" persöhnliche Freiheiten, wohingegen Frauen im als Wiege der Demokratie gelobten Athen, aber auch den meisten anderen Stadtstaaten, im Vergleich dazu kaum mehr Status und Freiheiten besaßen als der Tisch oder Stuhl im eigenen Haus.
Das dies in Sparta letztlich auch primär aus einem gewissen Pragmatismus heraus ruhte liegt schlicht an der gesellschaftlichen Struktur in Sparta, welches eine durchmilitarisierte Gesellschaft mit oligarchisch-aristrokatischen Strukturen war.
Man darf halt entsprechend nicht vergessen das Spartiaten (welche im Grunde die quasi ausschließliche politische Macht besaßen und Vollzeitsoldaten waren), also spartanische Vollbürger, nur eine sehr geringe, aber herrschende, Minderheit der Bevölkerung ausmachten, die große Mehrheit stellten die Periöken, welche zwar auch spartanische Bürger mit diversen Rechten waren (den Alltag in Sparta führten Händler, Künstler, Handwerker, ect. waren und ggf. auch Kriegsdienst leisteten) aber nur über eingeschränkte Bürgerrechte (weitestgehend frei, aber z.B. keinen Einfluss / Mitsprache auf die Außenpolitik Spartas) im Vergleich zu den Spartiaten verfügten und dann gab es noch die Heloten, welche im Grunde nur Sklaven (als Diener im Haushalt der Periöken und Spartiaten arbeiteten, oder Landwirtschaft betrieben und andere niedere Tätigkeiten ausführten, gelegentlich, vor allem in späterer Zeit, auch fürs Heer zwangsrekrutiert wurden) ohne jegliche Bürgerrechte waren.
In Athen hingegen gab es faktisch keine Vollzeitsoldaten (wenn man von einigen Seesoldaten und Stadtwachen absieht), sondern wurde fast nur zeitlich begrenzt und nach Bedarf eingezogen, so das Männer auch die Zeit hatten dem wirtschaftlichen und politischen Leben nachzugehen.
In Sparta hingegen waren die Spartiaten auch außerhalb von Feldzügen, während sie Daheim waren,einen großen Teil der Zeit damit beschäftigt zu trainieren, religösen und Gesellschaftlichen Anlässen, oder aber politischen Angelegenheiten nachzugehen (z.B. in der Apella, was quasi einer Volksversammlung entspricht, die aus wehrfähigen (also männlichen) Spartiaten bestand).
Spartiaten hatten also garnicht die notwenidige Zeit um sich um die Dinge des Alltags, zivile Arbeit, bzw. eigenen Besitz, zu kümmern und auch war die Chance groß das männliche Spartaner im Krieg fallen konnten (auch ohne männlichen Erben) und männliche Nachkommen ggf. noch nicht einmal, durch die harte militärische Ausbildung das Erwachsenenalter erreichen viel höher als z.B. in Athen und anderen griechischen Stadtstaaten, weshalb eine gesteigerte wirtschaftliche Verantwortung und die Vererbung von Besitz auch an die Frauen von Spartiaten durchaus Sinn machte (dieses System allgemein, gepart mit den vielen Konflikten in denen Sparta bis hin zum peleponesischen Krieg kämpfte war auch der Grund warum es irgendwann nicht mehr funktionierte, da die hohe Abwesenheit der Spartiaten gepart mit dem über die Zeit hohen Blutzoll einfach zu einer zu starken Ausdünnung spartanischer Vollbürger, bzw. Spartiaten führte).
Entsprechend sollte man halt auch nicht vergessen das spartanische Frauen trotzdem politisch auch in Sparta nahezu völlig Rechtelos waren (offiziell eigentlich nicht mal im Gegensatz zu Spartiaten als Frau als Bürger galten, was aber allgemein für die griechische Welt zu der Zeit nicht ungewöhnlich war) und auf politische Entscheidungen nahezu keinen Einfluss nehmen konnten / durften, was auch in Sparta nur den Männern (Spartiaten, Ältesten) vorbehalten war.
Auch waren spartanische Frauen vom Militärdienst ausgeschlossen, trotzdem konnte ein Teil der spartanischen Frauen durchaus auch mit Waffen (Schwert, Speer) umgehen (die Selbstverteidigung von Heim und Familie mit einer Waffe war da durchaus auch für Frauen im Fall der Fälle vorstellbar) und auch regelmäßige körperliche Ertüchtigung war bei Frauen erwünscht (es galt, nur eine gesunde und körperlich ertüchtigte Frau kann Sparta viele starke männliche Spartiaten gebähren).
Sparta mag daher sicher einer der fortschrittlichsten griechischen Stadtstaaten gewesen sein, wenn es um die Rechte und Freiheiten der Frauen ging, auf der anderen Seite aber war das eben nicht der Fall weil Sparta da soviele liberale Sympathien für seine Frauen hegte, sondern weil es schlicht die beste Lösung dafür war überhaupt die Vorraussetzungen dafür schaffen zu können das diese spartanische Vollzeitkriegerkultur und durchmilitarisierte Gesellschaft in der Form überhaupt eine Zeit lang funktionieren konnte.
