Da die einzige Absicht von Apple klar der Gewinnmaximierung dient, würde ich es persönlich nicht freigeben. Klar, Konkurrenz ist gut, aber dann müsste es beim Endkunden auch ankommen und nicht nur die Reichen immer Reicher machen.
Wenn man in der Fertigungsindustrie arbeitet, ist es völlig normal, verschiedene Quellen für Komponenten aus der BOM (Bill of Material) zu verifizieren und in die eigene Lieferkette einzubinden. Dadurch vermeidet man Ausfälle in der eigenen Produktion wenn ein Hersteller Bauteile nicht liefern kann. Die Gründe dafür können vielfältig sein (und kommen beim lesen aus der Vergangenheit sicher bekannt vor): Globale Konflikte, Zollprobleme, Exportbeschränkungen, Naturkatastrophen, Pandemien, politische Spannungen, Qualitätsprobleme, Produktionsausfälle oder ein eingeschränkter Zugang zu Rohstoffen wie seltenen Erden. Wie in diesem Fall kann auch der Wegfall eines etablierten Herstellers, der nicht in der benötigten Stückzahl liefern kann, dazu führen, dass neue Lieferanten aufgebaut werden müssen.
Mit zusätzlichen Lieferanten macht man sich daher in erster Linie unabhängiger und erhöht die Widerstandsfähigkeit der eigenen Lieferkette.
Die Qualifizierung neuer Zulieferer dauert oft Monate oder sogar Jahre. Komponenten müssen technisch validiert, Fertigungsprozesse auditiert und Qualitätsstandards nachgewiesen werden. Unternehmen beginnen deshalb häufig bereits mit der Qualifizierung alternativer Lieferanten, lange bevor ein tatsächlicher Engpass entsteht.
Darüber hinaus stärkt eine breitere Lieferantenbasis auch die Verhandlungsposition eines Unternehmens. Sie reduziert die Abhängigkeit von einem einzelnen Hersteller und schafft mehr Flexibilität bei Preis, Lieferzeiten und Produktionskapazitäten. Gleichzeitig kann sie Innovationen fördern, da verschiedene Zulieferer unterschiedliche Fertigungsverfahren oder technische Verbesserungen einbringen.
In der Industrie ist die Realität daher meist deutlich komplexer als die Aussage: „Die wollen sich doch nur die Taschen vollmachen!“
Dass Apple als börsennotiertes Unternehmen selbstverständlich wirtschaftlich handelt und Gewinne maximieren möchte, ist sicher unbestritten. In diesem konkreten Fall dürfte die Diversifizierung der Lieferkette jedoch vor allem dem Risikomanagement, der langfristigen Versorgungssicherheit und der Produktionsstabilität dienen. Dass sich daraus gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile ergeben, ist eher eine logische Begleiterscheinung als der vermutliche alleinige Beweggrund.
Vielleicht erinnern sich viele noch an die Zeit der Pandemie. Damals waren zahlreiche Produkte über Monate hinweg nicht oder nur mit langen Lieferzeiten verfügbar, weil oft schon kleinste Cent Bauteile fehlten. Selbst einfache Komponenten wie:
Leistungsmanagement ICs (PMICs)
Spannungsregler
MOSFETs
Microcontroller
konnten ganze Produktionslinien zum Stillstand bringen, da es häufig keine alternativen Hersteller oder bereits qualifizierten Lieferanten gab. Alles Komponenten die in Milliarden Stückzahlen jedes Jahr verbaut werden und überall benötigt werden wo Strom fließt.
Genau aus diesen Erfahrungen haben viele Unternehmen ihre Lieferketten überarbeitet. Heute wird deutlich stärker darauf geachtet, kritische Komponenten von mehreren Lieferanten beziehen zu können, um die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern zu reduzieren und die Versorgung auch in Krisenzeiten sicherzustellen.