AW: Apple MacBook Pro Retina im Test: hoher Preis und mäßige Spieleleistung, aber ansonsten gut
An sich müsste man eh zwischen den Aliasing-Effekten unterscheiden. Neben den hier ja meist angesprochenen Treppeneffekten an kontrastreichen Kanten gibt es ja noch die Alias-Effekte durch Unterabtastung, bei der die Sehschärfe des Betrachters keine Rolle spielt. Hier würde prinzipiell ja eine doppelt so hohe Monitorauflösung im Vergleich zur dargestellten Struktur benötigt. Aber das ist ja eh weniger interessant.
Vielleicht lieber noch einmal zur Definition des Retina-Displays, da die Frage gerne mal aufkommt. Apple hat sich den Namen ursprünglich beim iPhone ausgedacht, da die Pixel des iPhone-Displays
bei üblicherweise zu erwartendem Nutzungsabstand von 30cm kleiner sind als die kleinste Struktur, die ein durchschnittlicher Mensch erkennen kann. Entscheidend ist für die Erkennung also der Winkelabstand zweier Punkte, der eben nicht nur von der Objektgröße, sondern auch dem Betrachtungsabstand abhängt. Deswegen hat das Retina-Display beim iPhone auch eine Pixeldichte von 327 ppi, das Retina-Display bei diesem MacBook aber "nur" 220 ppi. Denn das wird üblicherweise aus größerem Abstand betrachtet als das iPhone.
Ebenso bedeutet das, dass ich den Schärfeeindruck eines Retina-Displays mit jedem anderen Bildschirm erreichen kann, wenn ich nur einen ausreichend großen Abstand einnehme. Mein Bildschirm z.B. (23", 1920x1080) hat etwa 96 ppi, nur 1/3,4 des iPhones. In einem Abstand von 30cm*3,4 = 102 cm habe ich also gewissermaßen ebenfalls ein "Retina-Display" auf meinem Schreibtisch. Selbst der alte Gameboy könnte so mit ausreichend Betrachtungsabstand zu einem "Retina-Display" werden (auch wenn bei dem die Farbwiedergabe, Helligkeit usw. wohl schlechter wären

). Irgendjemand hatte es zudem auch schon geschrieben: Es gibt bereits Notebooks mit 13" bei FullHD-Auflösung (z.B. Asus Zenbook Prime), die damit ähnlich hohe Pixeldichten erreichen wie dieses MacBook.
Ich will hier keinesfalls Apple, das MacBook oder das Display schlecht reden oder Vorteile hoher Auflösungen leugnen. Nur sollte der Marketingausdruck "Retina-Display" und das teils übertriebene Gieren nach hhoen Auflösungen oder Pixeldichten manchmal etwas genauer betrachtet werden.