@PCGH_Torsten du sagst also AMD hat in einer Lagerhalle noch etliche fertige cpus, die beim Qualitätstest weder 8 aktive Kerne noch die notwendigen Taktraten für eine der 6c cpus geschafft haben? Ich hätte erwartet sowas landet direkt in der Verwertung, wenn es die Qualitätskriterien für das kleinste mögliche Produkt im Portfolio nicht erfüllt... Zumindest kenne ich es so aus der Herstellung minderwertiger Produkte
Nein, eine Lagerstufe zwischen Binning und Verwertung ist bei Halbleitern ganz normal. Insbesondere inaktive Bereiche kann man sehr früh in der Produktion feststellen und packaged dann nicht einmal, aber auch eine fertig auf Taktraten geprüfte CPU nimmt kaum Platz ein. Nehmen wir mal inklusive Halterung 50 × 50 × 10 mm als Maximum für einen Ryzen an, dann finden bei zwei Metern Stapelhöhe 80.000 pro Quadratmeter Platz. Also eine Million oder mehr in einer kleinen Abstellkammer. Selbst wenn man nur die Hälfte davon später tatsächlich verkauft bekommt und auch nur zu je 50-100 Euro Stückmarge im weiteren Vertrieb, sind das 8- bis 9-stellige Gewinne gegenüber "direkt wegschmeißen", denen relativ überschaubare Lagerkosten gegenüberstehen.
Man kann daher getrost davon ausgehen, dass jeder einzelne Chip, der sich überhaupt einschalten lässt und der nicht direkt auf ein bestehendes Produkt passt, erst einmal zur Seite gelegt wird. Es sind ja auch nicht unbedingt riesige Stückzahlen – bis die Zen-3-Epycs vor ein paar Jahren EOL gingen, konnte AMD selbst Single-Core-CCDs mit niedrigem Taktpotenzial direkt verwerten. Erst seitdem die Generation auf den Low-Price-Ryzen-Sektor zusammengestrichen wurde, hat AMD ein Problem mit der Verwendung von weniger guten Exemplaren, weil es im ursprünglichen Line-Up an passenden Salvage-SKUs mangelt. Solche CCDs dürften seitdem auf Halde gehen. Vielleicht gehen sie das auch noch immer und die Produktion läuft doch noch – aber es fällt schon auf, dass der 5800X3D gestrichen wurde, der 5700X3D seit bald einem Jahr nicht mehr im Preis fällt, sondern steigt und dass neu eingeführte Modelle schlechtere Specs haben. Bei laufender Produktion würden weitere Optimierungen eher Verbesserungen erwarten lassen (=> XT-Modelle), das hier riecht nach Abverkauf von Restbeständen.
Das Einlagern gilt übrigens auch im Guten: Ich weiß von Fällen, in denen besonders gut laufende Exemplare aussortiert wurden für ein späteres Modell mit höherem Takt, dass dann aber nie erschien. Auch hier gilt "Einlagern belastet den Gewinn kaum. Den guten Kram direkt zum Normalpreis zu verhökern, reduziert den Profit dagegen möglicherweise deutlich". Halbleiter sind einfach kleiner und viel wertvoller als zum Beispiel Plastik-Spritzgussteile. Einen deformierten PE-Kanister schreddert man natürlich sofort, zumal man das Granulat direkt wieder in den Extruder schmeißen kann.