Allein folgender Absatz, trifft ja wohl zu 100% auf einige hier zu...
DiAngelo: ... Auch der Hinweis, dass ich etwas über sie wissen könnte, nur weil sie weiß sind, verursacht Verärgerung. ...
....
Auf den Druck nicht klar zu kommen, plötzlich als Weißer Mensch im Fokus zu stehen, konnte man bisher deutlich im Thread erkennen.
Da machst du den gleichen Fehler, der zumindest auch in der Anwort von DiAngelo drinsteckt (da ich grad zu faul bin, um den kompletten Kontext zu prüfen, kann ich nicht sagen, ob die ursprüngliche Aussage sinnvoller war und gehe nur auf das zitierte Wording ein). Ihr verwechselt Empörung über Kritik mit Empörung über Vorurteile. Denn genau das ist "wissen über jemand, weil er weiß" ist: Pures Vorurteil. Rassistisches Vorurteil, um genau zu sein. Und wenn man jemandem mit "ich muss dich nur 0,5 Sekunden angucken und weiß mehr über dich als du selbst" kommt, dann reagiert jeder erst einmal ablehnend, vollkommen unabhängig davon, ob die Aussage dann mehr (oder minder) zufällig stimmt. Weil man als Person ignoriert und anhand seines Aussehens verurteilt wird. Im Prinzip wird hier mit den weißen Menschen genau so umgesprungen, wie weißen Menschen vorgeworfen wird, dass sie mit PoCs umspringen. Aber erwartet, dass weiße Menschen positiv darauf reagieren...
Wir müssen sehr aufpassen, dass die Bekämpfung von Rassismus nicht zu einer Ausgrenzung von Migranten führt, weil der Kontakt mit ihnen als potentiell gefährlich angesehen wird. Ich sehe das gerade auf der Arbeit. Es gab eine Handreichung, dass die Frage "Wo kommen Sie her" bei Kolleg*innen mit Migrationshintergrund rassistisch wäre. Das führt eigentlich nur dazu, dass sie mehr ausgegrenzt werden, weil die üblichen Fragen bei jungen Kolleg*innen wie "Wo haben sie studiert?" bereits als gefährlich angesehen wird.
Und bei der Frage mag das nur Smalltalk verhindern (der aber leider in vielen Unternehmen auch schon Karriererelevant ist). Beim Sexismus hat die gleiche Überskandalisierung schon handfeste Folgen, weil männliche Führungskräfte (zu Recht) Angst davor haben, Treffen mit weiblichen Untergebenen ohne anwesende Dritte/Zeugen zu führen. Blöd nur, dass die in Deutschland (erneut: leider) üblichen individuellen Verhandlungen über z.B. Gehalt und Beförderungen in einem Sechsaugengespräch nicht funktionieren...
Ich verstehe, und eine gewisse Ambivalenz ist da auch nicht von der Hand zu weisen. Ich betrachte das ganze allerdings nicht so schwarzweiß. Bei der Herkunftsfrage, kommt es tatsächlich auf den Kontext an. Ich wurde bei einer Wohnungsbesichtigung danach gefragt und habe die Wohnung nicht bekommen - natürlich kann es andere Gründe gegeben haben, als der Migrationshintergrund, aber die Frage war mMn an dieser Stelle verkehrt. Ich denke so geht es vielen, die vielleicht eine Aversion ggü. einer, an sich betrachtet, harmlosen Frage, entwickelt haben. Da es nicht wirklich um die Frage als solche geht, sondern um die vermeintlich daran gekoppelten Benachteiligungen.
Bei meiner letzten Wohnungssuche haben sich fast alle Vermieter/Makler nach meiner Herkunft auch jenseits des direkt vorangehenden Wohnorts erkundigt, obwohl ich keinerlei Migrantenmerkmale aufweise. Ausgenommen war nur eine Bruchbude, die ich das gesamte folgende Jahr nicht vermietet gesehen habe (= die hätten eh jeden genommen) und eine Massenbegehung mit iirc 10-12 Interessetenparteien, bei der überhaupt kein detailliertes Gespräch geführt wurde (und bei der die Maklerin auch mit Fragen wie "es gibt keine Heizungszähler -wie werden da die Nebenkosten abgerechnet?" überfordert war). Als weißer, nicht ganz so alter Mann kann ich natürlich nicht sagen, ob die ""falsche"" Antwort einem die Wohnung gekostet hätte, aber die Frage an sich ist (leider) üblich. Zumindest in einigen Städten - von weiter zurückliegenden Suchen kann ich mich an gar keine derartige Frage erinnern. (Dafür hat zu Studentenzeiten mal zwischen Unterzeichnung des Mietvertrages und Einzug der Vermieter "Eigenbedarf" angemeldet, mir also gekündigt ohne je mehr als meinen Migrationshinweis-freien Namen und meine Tätigkeit gesehen zu haben.)
Meine Frage war halt, wie sie sich auf ihren Standpunkt festlegen kann, wenn wirklich jeder nach einem kurzen Gespräch festellen kann, das Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, das empfand sie halt auch diskriminierend.
Was hat die Muttersprache damit zu tun, wo man herkommt? Wer fragt "wo kommst DU wirklich her?" unterstellt nicht nur, dass die erste Antwort falsch war ("wirklich") sondern fragt nun einmal auch nach dem Ursprung der Person selbst. Da die von dir beschriebene Person 25 Jahre ab dem Alter von 5 Jahren (vor dem man normalerweise keine nennenswerten Bezüge zur Welt außerhalb des Elternhauses hat) in Deutschland gelebt hat, kommt sie natürlich "wirklich" aus Deutschland. Sie wurde in Deutschland sozialisiert - nur halt nicht von (kulturell) Deutschen, weswegen sie die Sprache nicht 100%ig gelernt hat. Wer darüber näheres wissen will, müsste mit "und deine Eltern?" nachbohren (was, zu Recht, als unhöflich bei Erstkontakten jeglicher Herkunft gilt).
Und hier liegt eben auch die Krux, und der Punkt auf den Sparanus m.M nach hinaus will, sprechen viele oder die Meisten der hier geborenen Migrantenkinder, oder in sehr frühem Alter immigrierten Kinder aus dem nicht türkischen und arabischen Raum, perfekt Deutsch, was ungemein hilft, bei der Frage nach Diskriminierung!
Und es ist eben auffällig, das es da teilweise bei Migrantenkinder aus dem türkischen und arabischen Raum, eben nicht der Fall ist, selbst bei Kindern mit Migrationshintergrund geboren in der 2. und 3. Generation.
Und das hat rein gar nichts mit antimuslimisches Denken zu tun, sondern mit gemachten Erfahrungen.
Die Beobachtung ist Erfarung, die Assoziation mit "muslimisch", die hier vertreten wurde, ist aber Interpretation und offensichtlich antimuslimisch. Da die Zuwandererfamilien aus Italien mittlerweile auf die 4. Generation zugehen und die Balkanflüchtlinge zu relativ großen Teilen wieder zurückgegangen sind, wäre erstmal festzuhalten, dass Türkischstämmige die mit Abstand größte Gruppe in der 2./3. Generation sind. Frage wäre also erstmal: Fällt euch wirklich ein höherer ANTEIL von schlecht deutsch Sprechenden im Vergleich zum ANTEIL in anderen Gruppen auf oder sind es nur absolut mehr, weil die ganze Gruppe größer ist? Zweite Frage, wenn es Anteile sind: Womit vergleicht ihr und woher wisst ihr überhaupt, die wievielte Generation es ist? Im Gegensatz zu den Nachfahren türkischer Gastarbeiter aus den 80ern kamen die große Welle aus der arabischen Welt nämlich erst in den letzten 10-20 Jahren. Die sehen für viele Europäer ähnlich aus, sind aber in der 1. Generation und sprechen dafür teilweise schon erstaunlich gut, aber selten akzentfrei Deutsch. Umgekehrt kann ich ehrlich gesagt nicht behaupten, dass ich unter [Personen, deren Vorfahren mehrheitlich in Subsaharaafrika gelebt haben] einen besonders hohen Anteil perfekten Deutschs bemerkt habe und auch bei Leuten, deren Muttersprache Russisch ist, gibt es oft Auffälligkeiten. Die einzigen, die positiv hervorstechen, sind 2nd gen Asiaten, welche aber als Migrantengruppe auch überdurchschnittlich hohe Bildungsniveaus haben, und europäische Binnenmigranten, die zusätzlich oft den Vorteil einer des Deutschen viel ähnlicheren Ursprungssprache genießen oder schon als Schüler Deutsch als Fremdsprache hatten.
Nein, baut eine dazu. Im Islam wird nicht getrennt. Jeder Mensch darf da rein und seine Gottesschuldigkeit begleichen.
Aber Araber verstehen kein Türkisch und umgekehrt. Die Gebete sind zwar Arabisch. Aber die Übersetzungen werden in die entsprechende Landessprache übersetzt.
Abgesehen davon, dass die Landessprache hier weder arabisch noch türkisch ist: Ich kenne in den meisten Fällen eher die Unterteilung in "türkische Moschee" und "Moschee für ALLE anderen, ungeachtet der Sprache". Erstere kann man schlicht areligiös mit Ditib/dem türkischen Staat erklären und für letztere gilt, dass das hocharabische im Islam ähnlichen Status wie das Latein im Christentum hat. Man nimmt es halt als gemeinsamen Nenner, obwohl 95% der Betenden es sowieso nicht versteht/schlechter als Deutsch oder Englisch.
Erstmal Danke und ein like dafür, dass du den Thread hier inhaltlich und im Niveau wieder steil anhebst. So fällt es mir auch enorm leichter, den anderen Offtopic-Spam, als Inhalt: stupides Muslime-Bashing auf AfD-Stammtisch-Niveau, auszublenden.
Ich geb zwar gerne hart kontra und kann auch ziemlich fest an Meinungen kleben, die ich mir im Laufe der Jahre aufwendig angeeignet habe, aber prinzipiell mache ich bei solchen Diskussionen immer noch wegen der Inhalte mit und um Wissen auszutauschen

. Auch wenn das in Anbetracht mancher Zeitgenossen trotz Ignore-Funktion nicht immer ganz einfach ist...
Was hattest du konkret an der Max versus Murat Studie auszusetzen?
*nochmal nachles*
Ich gebe ehrlich zu, dass ich die Modelierungsversuche und daraus gezogenen Schlüsse nur bedingt nachvollziehen kann. Aus naturwissenschaftlicher Sicht riechen sie nach "ich mach soviel statistische Tests, bis irgend einer das gewünschte Ergebnis liefert" (allein, dass sie ausdrücklich etwas anderes als die Null-Hypothese annehmen ist befremdlich, wenn auch menschlich

), aber ich habe keine Ahung, wie sozialwissenschaftliche Modellierung läuft. Von daher konzentriere ich mich mal auf den experimentellen Teil bis hin zu den direkten Untersuchungsergebnisse. Der leidet eigentlich nur unter zwei Aspekten: Relativ extremes Ausgangsmaterial (ein Diktat fast im 1er Bereich, eins im 5er) und scheinbar mangelnde Selektion der Probanden (es wurden allgemein Lehrer genommen, scheinbar nicht gezielt Grundschul- oder Deutschlehrer). Man hat also eine eher schwierige Benotungsaufgabe an Leute gestellt, die z.T. vermutlich gar keine Ahnung hatten, wie man so etwas benotet. Bezeichnenderweise wurden im Schnitt auch zu lasche Noten vergeben, also weder das sehr gute Diktat sehr gut noch das mangelhafte im Schnitt als mangelhaft bewertet. Die resultierende Unsicherheit der Benotenden lässt eine hohe Streuung erwarten, die Gymnasialsportleherer mussten halt raten, wie man 3. Klasse Diktate wertet. Aus dieser Streuung folgt dann die einzige Kritik am (Zwischen-)Ergebnis: Die einzigen signifikanten (und zwar hoch signifikanten) Unterschiede wurden zwischen den unterschiedlichen Diktaten gefunden. Schlechte Arbeit wurde also schlecht benotet, gute Arbeit gut, was ja Sinne der Sache ist. Aber es gab !keine signifikaten Unterchiede! zwischen "Max" und "Murat".
Die absoluten Unterschiede im Durchschnitt waren einfach zu klein, um mit nur 50 Leuten pro Gruppe eine Aussage zu treffen. 0.16 Punkte beim guten Diktat sind gar nichts, da bekamen Max und Murat beide eine "2", beim schlechten Diktat steht es im Schnitt "4+" zu "4", aber jeweils mit einer Standardabweichung von "3+" bis "5" respektive "3" bis "5". Das heißt es wurden sowohl in der "Max"- als auch der "Murat"-Gruppe sogar "2"er und "6"er für diese Arbeit vergeben.
Nun ist "nichts gefunden" nicht das gleiche wie "belegt, dass es nichts zu finden gab", aber insgesamt belegen die direkten Befunde halt auch keine Diskrimnierung, sondern bestenfalls einen leichten Trend dazu. Zumindest bei dem besseren Diktat wäre ich aber auch damit vorsichtig, denn die Zahl der gefundenen Fehler weicht in gleicher Richtung ab (es wurde also eingermaßen angemessen zur Fehlerzahl benotet) und bei der verwendeten Testgröße reicht es, wenn 2-3 Lehramtsantwärter in der "Max"-Gruppe zufällig selbst zu blöd waren, um die Fehler zu finden, und schon hat man diesen insignifkanten Unterschied im Datensatz. Etwas spannender ist die im Trend größere Notendifferenz bei weiterhin ähnlichen Fehlerzahlen für das schlechte Diktat. Aber das liegt im Grenzbereich zwischen 4 und 5, in dem unterschiedliche Lehrer sehr stark unterschiedliche Hemmungen haben, die versetzungsverhindernde Note zu vergeben, sodass eine noch stärkere Zufallsstreuung zu erwarten ist.
Spannend fände ich eine Wiederholung der Studie nur unter Grundschullehrern und mit einem "3+" vs einem "3-"-Diktat, idealerweise mit doppelter Teilnehmerzahl. Und idealerweise zusätzlich noch eine Mathearbeit. Wenn der "3+ Murat" dann im Schnitt schlechtere Noten als der "3- Max" bekommt, hätte man eine deutlichere Aussage. (Schade, dass man es nicht mit den Namen nochmal machen kann. Kudos an die Autoren, dass sie selbst diese sorgfältig ausgesucht haben.)
Welche Cofaktoren hätte man denn in einer Studie über ungleiche Noten trotz gleicher Leistung bei türkischen Namen beachten müssen?
Bei der Max+Murat-Studie: Keine. Das ist der Vorteil eines experimentellen Setups, da kann man alle Cofaktoren ausschließen, wenn man sauber arbeitet (hier kann ich als Fachfremder keine systematischen Versäumnisse erkennen). Leider bekommen Sozialwissenschaftler derartige Untersuchungen in ausreichender Größe noch seltener finanziert, als Biologen, sodass sie entweder keine signifikanten Unterschiede finden (s.o.) oder auf andere Untersuchungsformen ausweichen. Das meiste, was mir begenet, sind qualitative Untersuchungen über Interviews von Betroffenen, die natürlich extrem leicht subjektiv verfälscht sein können oder statistiche Analysen von ohnehin anfallenden Daten. Zum Beispiel gibt es mehrere, die die tatsächlichen Noten eines Jahrgangs mit dem tatsächlichen Migrationshintergrund abgleichen. Da muss man dann zwangsläufig auch den ökonoischen Status des Haushalts, Lebensbedingungen, Muttersprache und gegebenenfalls noch weitere Faktoren wie Schulweg, Freundeskreis, etc. berücksichtigen und das geschieht (aus offensichtlichen Aufwandsgründen) praktisch nie.
Zu meiner Verteidigung habe ich auch nicht behauptet, dass nur rassistische Diskriminierung stattfindet. Viele Bevölkerungsgruppen werden natürlich auch diskriminiert.
Weiß ich. Du lässt dich auch darauf ein, dass ganze nicht nur als "alte, weiße Männer" vs. "PoC" zu berachten, sondern differnzierter anzugehen

.
Naja, wenn ich sage, ich spreche für alle Menschen mit Migrationsgeschichte, wenn ich behaupte, dass diese Gruppe von Menschen nicht diskriminiert werden möchte, dann ist das von mir inhaltlich bewusst so grob gehalten, sodass ich nicht glauben kann, dass jetzt eine Gruppe aufsteht und sagt "Sprich nicht für uns - wir wollen diskriminiert werden!" ^^ aber gut, ich gebe zu, dass es sehr anmaßend klingen mag. Ich entschuldige mich an dieser Stelle bei all den diversen Gruppen mit verschiedenen Migrationsgeschichten, die sich angesprochen fühlten, aber nicht inhaltlich richtig abgebildet sahen.
Ich geb zu, dass ich in die diversen migrantischen Gruppen nicht genug Einblicke habe, um einschätzen zu können, wie gut sie sich zu "einer" Vertretung zusammenschließen lassen. (Also rein inhaltlich. Dass sich selbstbezeichnende "Türken" nicht von einem "Kurden" und umgekehrt vertreten lassen, selbst wenn sie beide genau gleich diskriminiert werden, ist klar

)
Aber im oft ähnlich gelagerten Bereich Sexismus gibt es jede Menge Spannungsfelder, sie so ein vereinnahmendes Auftreten eigentlich unmöglich machen. (Z.B. ist es höflich oder sexistisch, einer Frau den Vortritt zu lassen? Werden TT*I+ angemessen gewürdigt, wenn man sie als drittes Geschlecht ausdrücklich anspricht oder sollte man "postgender" anstreben? Ist die Erwähnung von Aktivitäten einer Transfrau/eines Transmanns unter alter Identität "dead naming" oder ist es eine angemessen Würdigung der Tatsache, dass er/sie eben in fortgeschrittenem Alter kein unbeschriebens Blatt ohne Vorgeschichte ist? Da gibt es massiv unterschiedliche Meinungen, aber trotzdem maßen sich viele hervorstechende Persönlichkeiten an, für alle zu sprechen, teilweise sogar im globalen Sinne. Und international sind sich die Feministinnen der Welt nicht einmal einig, ob Frauen vor Herren genannt werden müssen oder ob Ladies so stark sind, dass auch von zweiter Position aus den Ton angeben.)
Guter Punkt, wobei es, wie oben erwähnt, beim Themenkomplex Rassismus bei allen Vereinen, Aktivisten, NGOs, usw. im Kontext Migration eine Überschneidung gibt. Alle finden Diskriminierung ihrer Gruppe scheissse. Inhaltlich und in den Methoden mag es dann auseinander gehen, aber dass ist dann auch der Punkt, wo jede Gruppe für sich sprechen soll und ja auch tut.
Jein. Viele dieser Gruppen sind so klein, dass sie mehr oder minder zu Recht untergehen würden, würden sie nur für sich sprechen. Aber anstatt sich zu größeren Einheiten mit identischem Interesse zusammenzuschließen, erheben sie oft nur den Anspruch, für viel mehr zu sprechen, weil ja alle diskriminiert werden (stimmt so weit). Wenn ihnen dann tatsächlich jemand unter die Arme greifen will, haben sie (naheliegenderweise) nur auf sich selbst bezogene Vorschläge. Dass das für kritisch eingestellte Beobachter dann wie Vorteilsnahme unter Vortäuschung falscher Tatsachen erscheint, ist offensichtlich. Siehe auch das Eingangsbeispiel dieses Threads: LGBTTI*QA+-Künstler machen darauf aufmerksam, dass es ihnen wegen Corona scheiße geht und dass der Staat Maßnahmen ergreifen soll. Wie das tatsächlich gemeint war, habe ich immer noch nicht herausgefunden (weil der Eklat die ursprüngliche Kampagne komplett verschüttet hat), aber angekommen ist bei den Zuschauern jedenfalls, dass LGBTTI*QA+-Personen gefördert werden sollen, was ja eine relativ kleine Gruppe ist. Die beklagten Probleme resultieren aber daraus, dass es Künstler sind, was eine viel größere Gruppe Hilfsbedürftiger wäre. Bild beim Beobachter: Ein paar very special Snowflakes wollen sich von der Gesellschaft den Arsch vergolden lassen, während Menschen in gleicher Situation, aber mit heterosexueller Orientierung, sehen sollen, wo sie bleiben. Ergebnis: Gemotze, Ablehnung, keine Hilfe für Niemanden und gesteigerter Argwohn für alle künftigen LGBTTI*QA#-Initiativen, auch da wo tatsächlich und zu Recht LGBTTI*QA+-Belange anstehen.
Ne, eigentlich nicht. Wir können es ja mal gerne zusammen aufbröseln, von gröbster zur detaillierter Bezeichnung. Schwarzer, gilt als die Selbstbezeichnung für alle mit einer schwarzen Hautfarbe. Afro-Amerikaner ist der Schwarze in den USA, Afro-Deutscher ist der Schwarze aus Deutschland. Afrikaner sind alle Menschen vom Kontinent Afrika (captain obvious in action) und dann gibt es natürlich die verschiedenen Nationen und dann in den Nationen die zig Bevölkerungsgruppen.
Und je konkreter du wirst in der Ansprache, umso wertschätzender ist es, weil du auf die individuelle Ebene gehst. Ich meine, einem intelligenten Menschen wie dir, ist das doch schon alles bewusst. Es geht eigentlich nur um paar Begriffe, die rassistisch sind; das allen bekannte N-Wort, Mohr und Farbiger. Daher: so kompliziert ist es nicht, wie du es hier dargestellt hast. Die Begriffe ändern sich auch nicht alle paar Jahre. Die Schwarzen in USA nennen sich zum Beispiel seit eh und je Black People und wollen auch so genannt werden, wenn es denn überhaupt nötig ist, die Hautfarbe zu nennen.
Ja, Schwarze.
"Schwarze" und alle Erweiterungen von "Afrikaner" (außer "Afro-Amerikaner" wegen der einheitlichen Sklaverei-Vorgeschichte mit beschränkten Herkunftsregionen) passt leider in vielen Kontexten nicht, weil zum Beispiel Touareg auch Afrikaner sind und weitaus dunklere Haut haben als die Mehrheit der Bevölkerung in Subsahara-Afrika. Aber arabische statt afrikanischer Kultur, komplett andere Lebensweise und im Zuge dessen auch ganz andere (und weitaus unproblematischere) Erfahrungen mit Kolonialismus. "Afrikaner" umfasst auch noch den gesamten restlichen nordafrikanische Raum einschließlich Nachkommen der Kolonialisten und "Schwarze" passt umgekehrt vom Wort her gar nicht auf viele [Personen, deren Vorfahren überwiegend in Subsaharaafrika lebten], da diese Ethnien oft braune Haut haben. Ich habe es in der Übergangsphase nach "***" trotzdem benutzt, weil die meisten Deutschen weder die tatsächlichen Hautfarben in Subsahara-Afrika noch die Touareg kennen und somit trotz sachlich falscher Bezeichnung an den Personenkreis dachten, von dem ich sprechen wollte. Aber heute denken ja alle nur noch "Rassist".
"Mohr" scheidet, abgesehen vom biblischen Alter, sowieso aus, weil die dunklen Mauren ebenfalls Bezug zum arabischen Raum haben und "Farbiger" ist wortwörtlich das (von stramm-)deutsche(n verunstaltete) Wort für "of colour". Umfasst also alle von den Andamanen bis Zulu (und Rassismus obendrein). Von der Bedeutung her treffend war "***", aber weil die englische Verballhornung mit i als reines Schimpfwort geprägt (wenn auch mitlerweile von einem Teil der Beschimpften angenommen und umgedreht) wurde und weil es für sämtliche deutschen Rassissten DER Begriff der Wahl war, kann man nicht einmal mehr Schoko-Schaumspeisen damit bezeichnen, ohne schief angeguckt zu werden. Als Ein-Wort-Habitus-Beschreibung für jemanden, der halt diesen Habitus hat, also auch keine gute Wahl.