Intel wird hier zweifellos sowohl die Vorteile bei der Wafer-Flache sehen, ebenso aber auch bei den Perf/Watt, denn insgesamt gesehen können sie mit dem Hybrid-Design schlicht mehr Gesamtleistung bei gegebenem Verbrauch realisieren als nur über die P-Cores weil die wie jedes Chip-Design im oberen Leistungsspektrum zunehmend ineffizienter werden und einen eher schon exponentiell wachsenden Energieverbrauch aufweisen für die letzten paar Prozent zusätlzicher Leistung.
Mit ziemlicher Sicherheit gehe ich davon aus, dass beide Zielsetzung in etwa gleichwertig gewichtet wurden von Intel, da sie beide gleichermaßen auf das Konto Konkurrenzfähigkeit einzahlen.
Oh, Intel hat auch eine Lizenz bei Bedarf Zen3-Kerne in seinen Designs zu verbauen? Das wäre mir neu, warte ... du hast es nur nicht verstanden.

Hier ist die Betrachtung der Intel-eigenen P- vs. E-Kerne relevant, nicht gegen etwaige externe Kerne anderer Hersteller. Intel hat zwei unterscheedliche IPs zur Hand und jede hat für sich genommen in dem einen oder anderen Extremszanario ihren Vorteil und wenn man die kombiniert und sinnvoll ansteuern kann, kann man für Anwender, die ein breites Spektrum an Workloads nutzen eine optimalen Mehrwert erzielen. ***)
In den letzten Woche habe ich eine Publikation gelesen *), die sich des aufwändigen und für die Leserschaft zumeist eher weniger interessanten Themas E- vs P-Core noch mal im Detail angenommen hatte und dort konnte man nachlesen, dass ein voll ausgelasteter P-Core mit HT bzgl. der Gesamtleistung von vier E-Cores signifikant übertroffen wird und diese vier E-Cores gleichzeitig auch noch zusammengenommen deutlich weniger verbrauchen als dieser voll ausgelastete P-Core.
Für welchen Workload welches Setup oder gar welche Core-Mischung besser ist, ist ein individuelles Thema (
btw., Gaming schreit geradezu nach einer expliziten Nutzung, die btw. Intel und Microsoft auch schon in die Wege geleitet haben), aber das derartige Aufwendugen hier sinnvoll sind, steht außer Frage. Das hat nicht erst ARM bewiesen, denn derartige Analysen bzgl. asymetrischer Architekturen kann man schon kurz nach dem Jahrtausendwechsel nachlesen, lange bevor ARM mit seinem ersten bigLITTLE-Design ums Eck kam.
*) Wenn ich das dort recht gut aufgeschlüsselte Zahlenmaterial noch mal wiederfinde ergänze ich das gerne hier, letzten Endes stellt sich die Frage bzgl. der Effizienz aber auch überhaupt nicht da die außer Frage steht, Intel und auch AMD geht es hier nicht um Glauben oder Fanboyism sondern schlicht um harte technische Fakten. Die zusätzliche Dollar an Entwicklungskosten für die Entwicklung spezifischerer und deutlich differenzierter Designs wird hier nicht ohnen konkretes Ziel investiert.
**) Um deinen Gedanken bzgl. des direkten Vergleichs mal weiterzuführen ... stelle dir mal vor wie viel Glück AMD abermals hatte, dass Intel die EUV-Fertigung um 6 Monate verschieben musste. Man kann sich jetzt schon kaum gegen Raptor Lake absetzen aber bereits ein RPL in Intel 4 hätte Zen4 arg schlecht darstehen lassen (
wobei genaugenommen dafür AMD schon teilweise selbst gesorgt hat mit dem 5800X3D 
) Darüber noch die Anmerkung, dass RPL nur wegen der Verschiebung zustande kam, denn eigentlich stand für das Jahresende 2022 bereits Meteor Lake auf dem Plan, d. h. nicht nur ein Konkurrenzprodukt auf Intel 4, sondern deutlich überarbeite P- und E-Kerne (
und einer deutlich leistungsfähigeren iGPU und zudem auch noch einem spezialisierten ML-ASIC).
Was dann passiert wäre, ganz einfach ... AMD wäre gezwungen gewesen statt die kleinere Iteration Zen4 in den Markt zu bringen, direkt mit Zen5 aufwarten zu müssen und das hätten sie zweifellos gekonnt (Stichwort Plan B), denn dessen Entwicklung ist schon lange abgeschlossen. AMD hat nur das gemacht, was man Intel immer wieder vorwirft, nämlich nur das Nötigste zu tun um auch den nächsten Verkaufszyklus möglichst optional angehen zu können. Der Konkurrenzdruck war nicht allzu hoch, also reichte ein Zen4-Design aus.
***) Wie schon mal angerissen ist das Hybrid-Design bspw. geradezu prädestiniert für Game-Engines, denn hier gibt es viele kleine nebenläufige Tasks, die weitaus effizienter auf einem E-Core betrieben werden können und damit das Gesamtpowerbudget zu verringern helfen, sodass bspw. den P-Cores potentiell noch etwas mehr Energie zum Verheizen zur Verfügung steht für kritischere Prozesse.
Intel/Microsoft sehen nicht umsonst vor, dass zukünftige SW die Threads explizit flagt/marktiert und damit die Intention des SW-Enticklers ausweist, wie er/sie diesen Thread zu nutzen gedenkt. Das Hardware Guided Scheduling und der Thread Director in der CPU selbst sind nur der erste Schritt von Intel, der im Wesentlichen den holprigen Weg der SW-Migration etwas ebnen soll. So richtig rund wird die Gesichte erst in den kommenden Jahren, wenn diese Architekturen explizit unterstützt werden.
Am Ende verhält es sich hier wie in der klassichen Produktion bzgl. dem Thema Arbeitsteilung und Spezialisierung, die am Ende zu einer höheren Effizienz und einem höheren Durchsatz führt; das ist letzten Endes kein Hexenwerk, es war nur eine Frage der Zeit wann sich die zusätzliche Aufwändungen dafür und für die Umwälzung der SW-Landschaft lohnen würden.