Bin sehr beruhigt, dass die schrecklichen Auswirkungen des Nationalsozialismus allgemein hier ähnlich negativ gesehen werden.
Und ja, leider gab und gibt es immer wieder (ideologische) Despoten/Regierungen auf der Welt, die schreckliche Verbrechen verübt werden.
Neben dem erwähnten Stalin kann man da durchaus auch Mao oder Pol Pot oder das japanische Kaiserreich in China/Korea erwähnen.
Sicherlich fallen dem einen oder anderen noch weitere Namen ein.
Ich möchte dennoch das sicherlich in gewisse Weise faszinierende Thema des "Was-wäre-wenn" in WK II aufgreifen.
Ich glaube nicht, dass die Wehrmacht, selbst in einer theoretischen Kooperation mit Japan es jemals gelungen wäre, Russland tatsächlich zu erobern.
Selbst in den "besten" Zeiten hatte das III. Reich maximal 125 Divisionen an der Ostfront und die völlig überdehnte Front hatte zum Teil Lücken über mehrere hundert Kilometern.
An eine lückenlosen Sicherung der rückwärtigen Räume war sowieso kaum zu denken.
Allein die schiere Anzahl des russischen Gegners musste zwangsläufig zu einer deutlichen Konsolidierung führen.
Durch die Rückverlegung kriegswichtiger Industrie hinter den Ural hätte es Russland selbst ohne der massiven Hilfe durch die USA irgendwann geschafft, das Blatt zu wenden.
Man darf nicht vergessen, dass die in großen Massen hergestellten Hauptkriegsgeräte (z. B. T-34) durchaus gleichwertig zu deutschen Waffen waren.
Die heute noch mancherorts nachwehende Kriegspropaganda von überlegenem Königstiger & Co. waren meist technisch sehr anfällig und in nur homöopathischen Dosen an der Front vorhanden.
Der militärische Vorstoß jenseits der groben Linie Dnepr-Kiew-Minsk-Narwa war aus logistischen wie personellen Gründen der Anfang vom Untergang.
Auch wenn ich sonst mit dir oft einer Meinung bin, muss ich dir leider hier widersprechen, rein aus militärischer Sicht gesehen!
Nach den neusten Forschungsergebnissen und unter Berufung auf Glantz, der wohl mit die wegweisenden Bücher über den Ostfeldzug in jüngster Zeit geschrieben hat, hing das Schicksal der UdSSR zwischen Juni 1941 bis Stalingrad 1942 am seidenen Faden und die UdSSR wurde hautsächlich, nur durch Lend Lease und die militärische Inkompetenz Hitlers gerettet, wobei Lend Lease entscheidender war.
Im Sommer bis Winter 1941 wurde die Wehrmacht ständig ausgebremst, durch die Unklarheit des Schwerpunktes des deutschen Feldzuges, der am Anfang im Norden lag, dann auf die Mitte verlegt wure, dann von Hitler nach Süden geworfen wurde (Kesselschlacht um Kiew, m.M. nach ein riesen Fehler), um dann wieder auf die Mitte verlegt wurde, obwohl man schon in den Vororten von Leningrad stand. Das ständige gerangel zwischen OKH und Hitler (mit seinen OKW Beratern La Keitel und Jodel), um den Schwerpunkt, führte zu ständigen unnötigen Haltebefehlen, die der Roten Armee immer wieder Verschnaufpausen und vor allen dingen die Möglichkeit zu Reorgansisation und einrichten von Verteidigungsstellungen verschaffte, weil man sich bei der Wehrmacht nicht einig über das Ziel/Schwerpunkt war.
Der zweite riesige Fehler von Hitler 1941 war sein totaler Haltebefehl am 16. Dezember 1941.
Die Truppe bewies zwischen dem 5 bis 16 Dezember das sie fähig war, plamäßige Rückzuge und Frontverkürzungen unter Mitnahme ihres Großgerätes durchzuführen (Klin ist das beste Beispiel neben dutzenden Anderen dafür), es gab überhaupt keinen schlüssigen Grund, die Truppe am 16. Dezember im offenen Gelände bei -30 Grad, in logistisch ungünstigem Gelände und weit entfernt von ihren Nachschubausgaben, festzunageln. Das Ganze hat er ja selber am 15 Januar aufgehoben, alledings war es dann logistisch zu spät das Großgerät mitzunehmen und die Divisionen waren noch wesentlich mehr (logistisch) und im wahrsten Sinne des Wortes ausgeblutet und erfroren, als sie es schon am 15 Dezember waren!
Zwei der besten Kommandeure (Guderian und Hoepner) kostete dieser Haltebefehl ihr Frontkommando, an Hoepner wurde sogar ein Exempel statuiert und aus der Wehrmacht ausgeschlossen.
Lend Lease:
Die UdSSR verlor 1941/1942 fast 50% ihrer Nahrungs Anbaufläche und war ab Ende 1941 von einem LKW Engpass betroffen, der auch nicht produktionstechnisch die nächsten 2 Jahre hätte aufgefangen werden können. (1941 Umwandlung vieler Produktionstädten zur Panzerproduktion)
Die verbliebenen Anbauflächen waren logistisch wesentlich "schlechter", da weit verstreut.
Dadurch das die USA seit Dezember 1941 im großen Maßstab Weizen und Essensrationen lieferte, die direkt zentral über das Eisenbahnetz verteilt werden konnten (Armee und Produktionsstädten), sowie bis September 1942 80000 LKW lieferten, machten sie die Rote Armee überhaupt operationfähig!
Diese beiden Faktoren bedingen sich untereinander, da ohne den Weizen und Essenrationen, hätte die UdSSR große Mengen LKW von der Roten Armee abziehen müssen, um die Ernte einzubringen und vor allen dingen an die Bahnhöfe zu transportieren , um sie dann zu verteilen.
Der Weizen, die Essenrationen und LKW Lieferungen waren 1942 absolut entscheidend, darüber hinaus bestand 80-90% der Führungsmittel der Roten Armee und VVS 1942 aus USA Funkgeräten und Feldtelefonen.
Ohne Lend Lease wäre Operation Uranus (Stalingrad) und Mars überhaupt nicht möglich gewesen, weil nur Lend Lease ermöglichte diese operativen Reserven auszurüsten.
Das 1. Moskauer Protokoll wurde am 1.10.1941 in höchst bedrängter Lage für die Rote Armee unterzeichnet. Der deutsche Vormarsch auf Moskau wurde wieder aufgenommen, Anfang Oktober führten die Kesselschlachten von Wjasma und Brjansk eine der größten militärischen Katastrophen für die Rote Armee herbei.
Die Zusagen des Protokolls für den Zeitraum Okt41 bis Juni 1942, also für 9 Monate (bis zum erforderlichen Anschlußprotokoll):
1,5 Mio. Tonnen Weizen (Weizen-Bruttoernte UdSSR 1942 12,5 Mio Tonnen)
sowie Waren für 1 Milliarde $, darunter:
1.800 Flugzeuge (Gesamtbestand der Roten Armee 1.1.42: etwa 12.000 Kampfflugzeeuge)
2.250 Panzer (Gesamtbestand der Roten Armee 1.1.42: 7.700)
1.000 Flugabwehrgeschütze, darunter 152 90mm und 756 37mm ((Gesamtbestand der Roten Armee 1.1.42: : 7.900)
5.000 Jeeps
85.000 Lastkraftwagen (die Gesamtproduktion der SU 1941-45 betrug 205.000 LKW, davon 150.000 für das Militär) (Gesamtbestand der Roten Armee an Fahrzeugen aller Art 1.1.42: 318.000)
108.000 Feldtelefone
562.000 Meilen Feld-Telefonkabel
9.000 Tonnen Panzerplatten (Gegenwert etwa 300 T-34)
30.000 Tonnen Sprengstoff Toluol und TNT
15.000 Tonnen Chemikalien
max. mögliche Anzahl Werkzeugmaschinen (industrielle Dreh-, Fräs-, Bohr- Pressmaschinen etc.), geliefert: 3.253 Stück
1.6 Mio. Paar Militärstiefel (für die Mobilisierung und den Neuaufbau der Roten Armee)
1 Mio. yards. Militärstoff
dazu kamen noch unvereinbart:
624 PSW,
rd. 100.000 MPi, (Gesamtbestand der Roten Armee 1.1.42: 173.000)
rd. 1000 Traktoren,
45.000 Tonnen Stacheldraht etc.
Die vereinbarten Waren wurden in den 9 Monaten fast sämtlich geliefert, abzüglich einiger Kriegsverluste auf dem Transport.
Zusammenfassend:
Ich bin mit dir einer Meinung, dass es miltärisch gesehen wohl unmöglich gewesen wäre die UdSSR auch nur teilweise zu erobern oder gar dauerhaft zu besetzen, im Norden war aus logistischen Gründen am Wolchow schluss und in der Mitte und im Süden bildet wohl die Wolga eine logistische Grenze. Allerdings hätte der Feldzug für die Rote Armee wesentlich katastrophaler ausgehen können und inwieweit, dann die russische Bevölkerung und vor allen dingen die rusischen Soldaten ihrer Führung noch gefolgt wären, ist zwar spekulativ, aber die Aussichten auf eine Totalverweigerung haben nach seriösen Historikern und Quellen bestanden.
Militärisch rettete die Rote Armee Lend Lease und zum Teil Hitlers katastrophale militärische Fehlentscheidungen, politisch versauten sich die Nazis mit ihrer Untermenschenpolitik und ihren grausamen Verbrechen und Verhalten im rückwärtigen Raum jegliche Symphatie der Leute (am Anfang des Feldzuges wurde die Wehrmacht teilweise als Befreier empfangen und gefeiert), so das sie nur die Wahl zwischen Pest (Hitler) und Cholera (Stalin) hatten und sie entschieden sich, nachdem sie gesehen haben, wie SD, SS und teilweise auch die Wehrmacht im rückwärtigen Raum bei der Zivilbevölkerung wütenden, für Stalin.