Du hast dir den Inhalt der Listen aber schon angeschaut?
Natürlich und du weißt aber schon was Dual-Use Güter sind, bzw was da so alles schönes darunter fällt?
Da sind so einige Dinge bei die auch von Deutschen "Zivil"-Unternehmen produziert werden und jetzt nicht mehr nach Russland exportiert werden dürfen, um dir mal einen Überblick zu verschaffen was da so alles in diesen Bereich fällt solltest du vieleicht mal hier reinschauen:
Anlage 1 AWV - Einzelnorm
Um es dir einfacher zu machen: Nicht die EU blockiert die Ausfuhr von bspw. landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Nope. Es ist ein Importverbot seitens Russlands. Die besagte Retourkutsche.
Ach und nur weil es nicht irgend eine diktatorisch regierte Südseeinsel ist deren Wirtschaftssanktionen niemanden jucken, sondern ein Staat der eben auch groß genug ist eine Retourkutsche zu fahren die auf der Gegenseite schmerzt gehört sie nicht dazu, oder wie? Gegenmaßnahmen sind genauso ein Teil dieser Sanktionspolitk und wie man sieht scheinen die Sanktionen europäische Unternehmen durchaus zu treffen, während die Sanktionen gegen die russische Ölindustrie und das Establishment mehr oder weniger im Sande verlaufen. Wie sollte es auch fruchten wo Russland sich halt einfach sanktionierte Güter über China reinholen kann (die ja nicht mit sanktionieren), während unsere Firmen den weggebrochenen russischen Markt nicht mal eben einfach ersetzen können?
Darum geht es doch am Ende.
Zwei Namen, eine Fiktion. Wo die NATO an der Grenze Russlands steht, hatte ich ja geschrieben (551 Kilometer Beruehrungsflaeche mit 4.600 Soldaten auf der einen und 300.000 auf der anderen Seite vom Zaun). Und was fuer den Einen ein "Heranruecken", ist fuer den Anderen ein Schutzsuchen in einem Militaerbuendnis.
Du kannst es aber eben auch genau andersrum sehen, das ist doch der Punkt, sehen kannst du es auf beide Arten und was am Enden nun zutrifft weißt weder du, ich, noch irgend eine andere Person die nicht Zugriff auf die streng geheimen Unterlagen der NATO und Russlands hat.
Man darf aber mit Sicherheit davon ausgehen das die NATO ihr aktives werben von neuen NATO-"Partnern" nach Ende des kalten Krieges im ehemaligen Ostblock nicht aus reiner Nächstenliebe gemacht haben wird, sondern auch weil dahinter ein langfristiger militärischer Gedanke / Nutzen / Ziel steckt.
Es ist also naiv davon auszugehen das Russlands Handlungen und Reaktionen nur reine Paranoia wären und die NATO nicht auch eigennützige Ziele verfolgt und sich eine solche Reaktion Russlands, wie in der Ukraine, nicht einkalkuliert hat.
Ob es die Handlungen die Russland damit in der Ukraine losgetreten hat rechtfertigt steht hingegen nochmal auf einem anderen Blatt Papier, wäre aber auch nur wieder wirklich umfassend abwägbar wenn man konkrete Einblicke in die Gedankengänge / Pläne beider Seiten hätte.
So ist es für den Laien natürlich einfach, auf Grund der augenscheinlich klar negativen Auswirkungen der russischen Reaktion für die Ukraine und deren augenscheinlich für Außenstehende vertretbaren Ziele Position gegen die Reaktion Russlands zu beziehen.
Fakt ist aber wie immer, in der Geostrategie und Politik ist nichts so einfach wie es auf den ersten Blick scheint, das lernt spätestens der der sich mal mit 40 Jahren Geostrategie und Politik im kalten Krieg eingehender beschäftigt hat und zudem leiden dabei halt, wie schon im kalten Krieg, immer zuerst die die zwischen den Stühlen beider Machtblöcke sitzen um die sich die beiden Großen "zanken".
War noch nie anders, wird auch nicht in absehbarer Zeit jemals anders sein.
