Ich glaube, Du gehst davon aus, dass ein System auf alle User passen muss.
Eine stabile, verlässliche Betriebssystembasis – die dann auch mehr kommerzielle Anwendungen ermöglichen würde – schließt Customization überhaupt nicht aus.
Nur gehören solche Anpassungen ins Package-Management und nicht in 800 verschiedene Grundsysteme. Erst muss ein Standardprodukt existieren, in dem alles maximal sauber und zuverlässig funktioniert.
Nebenbei bemerkt: Ich wollte heute Nacht spaßeshalber CachyOS auf eine freie SSD installieren. Der Installer war ein schlechter Scherz.
Sobald man bei der Partitionierung von btrfs auf ext3 wechselt, steigt der Installer aus – und man darf wieder komplett von vorn beginnen.
Als Installationsort für GRUB & Co. wird nicht die SSD gewählt, auf der Linux installiert werden soll, sondern irgendeine Platte aus einem RAID-Verbund. Hätte ich nicht genau hingesehen, hätte das meinen RAID-0-Verbund zerstört. Das ist absurd.
Die Partitionierungsoptionen sind alles andere als intuitiv. Ich hatte selten derartige Schwierigkeiten mit Installern und Partitionierungstools. Das soll die Speerspitze aktueller Linux-Entwicklung sein? Der FreeBSD-Installer der 90er war dagegen ein "Glöckchen". Sah zwar weniger bunt und schick aus, tat aber genau das, was er soll, und es war zu jeder Zeit genau ersichtlich, was man da zum Zwecke der Partitionierung einstellte.
Genau darum geht es: ein gut gepflegtes Basissystem. Etwas, das sich intuitiv bedienen lässt, nicht schon bei der Installation aussteigt, keine widersinnigen, gefährlichen Einstellungen vornimmt und bei wichtigen Schritten wie der Partitionierung nicht mehr Fragen erzeugt als es löst.
Im CachyOS-Live-System fiel zusätzlich auf, dass grundlegende Bedienelemente nicht funktionierten. Fenster ließen sich nicht wie gewohnt schließen; das [X] rechts oben tat schlicht nichts – selbst Firefox ließ sich so nicht beenden. Und versuch mal, damit Kunden im Support zu helfen. Wenn selbst Standardfunktionalitäten nicht wie gewohnt funktionieren, damit wird jede Supportanfrage zur Tortur.
Das ist das Problem an 800+ Distributionen. Jede kocht ihr eigenes Süppchen, jede verbastelt etwas anders, und jeder tritt in dieselben oder auch andere neue Fettnäpfchen, die sich neu auftun, sobald man anfängt, Komponenten beliebig zu mischen. Statt die Kräfte zu bündeln und ein System wirklich nach vorne zu bringen, wird alles immer weiter verbastelt und fragmentiert.
Welche Anwendungen man später nutzt oder wie man das System den eigenen Bedürfnissen anpasst, ist doch im Anschluss an eine solide Basisinstallation jedem selbst überlassen, und hier könnte man eine Menge über das Package-Management regeln.
Kurzum: die Basis muss einfach funktionieren. Sie hat nicht jedem zu gefallen, sie muss einfach und zuverlässig sein. Ohne das bleibt Linux eine Bastelbühne statt einer Plattform, auf die man sich wirklich verlassen kann.
Solange wird es auch weiterhin einen Mangel an professionellen kommerziellen Applikationen geben.
Das ändert auch diese Distri nicht.
Es handelt sich um die grundsätzliche Aufstellung von Linux im Desktop Segment.
Aber auch im Serverbereich zeigt sich, dass große Hersteller keinem anderen Hersteller bzw. einer anderen Distribution über den Weg trauen. Ich denke da an RedHAT für Ihre Produkte (JBoss, Veritas File System) oder auch Oracle.
Und das kann’s einfach nicht sein, das ist keine professionelle Vorgehensweise.
Es kostet auch viel zu viel Zeit, sich mit diesen ganzen Unterschieden auseinandersetzen zu müssen.
Ich wiederhole es noch einmal: Betriebssystem ist kein Selbstzweck.