@cryon1c: Sorry, aber du machst den gleichen Fehler wie so viele Leute in allen möglichen Bereichen: Du gehst immer nur von deiner Sicht & deinen Erfahrungen aus. Traurig, dass die Fähigkeit sich in andere hinein zu versetzen so wenig verbreitet ist in der heutigen Zeit.
Nur mal so aus der Praxis als IT-Service in den vergangenen Monaten:
Haufenweise verzweifelte Anrufe von Kunden (größtenteils ganz normale Leute die weder eine Ahnung haben was Windows 10 ist oder gar was der Unterschied zwischen 7, 8.1 und 10 sein soll. Das sind ganz normale Menschen die das Gros der Bevölkerung stellen und einfach nur einen PC wollen der funktioniert um damit ins Internet zu gehen, Briefe zu schreiben, etc.
Deren Systeme sind für gewöhnlich mit den Standard-Vorgaben von Microsoft konfiguriert, sprich Automatische Updates sind eingeschaltet und oftmals auch die Option angehakt, dass "Empfohlene Updates" auf die gleiche Weise bereitgestellt werden wie "Wichtige Updates".
Diese User bekamen also anfangs erst das GWX mit den Meldungen. Ob sie nun Windows 10 wollen bzw. brauchen wussten die Wenigsten (und ja, das ist völlig in Ordnung, da man einfach nicht erwarten kann, dass jeder sich mit PCs & Software beschäftigen will/kann).
Irgendwann begann MS also auch ohne explizite Reservierung im GWX-Tool Windows 10 über die Automatischen Updates auszuliefern (und dabei ist mir völlig egal, dass manche meinen das würde nicht passieren, da ich es live miterlebt habe). Panische Anrufe von Kunden waren die Folge ala "Hilfe, mein Notebook macht irgendwas und es geht gar nichts mehr!". Nicht wenige davon haben vor Schreck das Gerät während der Win 10 - Installation ausgeschaltet, was teilweise zu heftigen Problemen führte.
Doch auch bei denen, die sich bewusst für ein Upgrade entschieden haben gab es in ~ 30% der Fälle Probleme mit dem Upgrade. Manches von eher geringerer Auswirkung (unwichtige Programme funktionierten nicht, usw.), manche aber auch schwerwiegender. Kleine Auswahl gefällig?
1) Ein Kunde nutzte sein Notebook geschäftlich und hatte dazu eine Software, die mit Windows 10 nicht mehr lief und für die es auch keine Alternative gab. Das Roll-Back auf Windows 7 brach mittendrin ohne irgendeine Meldung ab. Notebook startete neu und es ging nichts mehr. Alle Versuche eines der beiden OS wieder lauffähig zu machen scheiterten. Selbst die Recovery-Partition war so beschädigt, dass sie nicht mehr weiterhalf. Manuelle Rekonstruktion des MBR, der Partitionstabelle, usw. alles wirkungslos. Einfach komplett zerschossen. Backup wie bei 90% der Otto Normalverbraucher nicht vorhanden oder schon Monate alt.
2) Bei sehr vielen funktionierte das Upgrade erst gar nicht (0x80200053 & Co. lassen grüßen). Auch die tollen Lösungsvorschläge von Microsoft direkt sowie von anderen Betroffenen (AV-Software sauber entfernen, alle Updates für Win 7 zuvor installieren, Windows-Update + zugehörige Dienste wie BITS & Konsorten deaktivieren, jede einzelne DLL händisch neu registrieren, SoftwareDistribution und Co. & manuell leeren, Dienste wieder starten, diverse Registry-Änderungen, Hardware alles weg was nicht zwingend gebraucht wird, Installation direkt per Win Updates/Media Creation Tool direkt und per USB-Stick und was es noch so alles an Lösungsansätzen gibt) brachten nur teilweise Erfolg.
Ich selbst habe hier noch einen privaten kleinen Backup-Server neben mir der sich seit Monaten weigert (Intel C2D e8400 auf nem ASUS P5Q). Nicht mal eine saubere Clean-Installation von Win 7 Pro 64Bit darauf (mit und ohne allen Updates) lässt sich upgraden. Der Fall wurde bei MS eskaliert, doch auch die sind völlig ratlos inzwischen und kommen nur noch mit "Probieren Sie es noch einmal."
3) Eine Kundin hat das Upgrade gemacht und war mit Win 10 auch ganz zufrieden bis auf ein kleines Problem: Sämtliche private Dateien sind seit dem Update nur noch als Verknüpfungen zu sehen, die ins Nichts verweisen. Schaut man sich mit professionellen Datenrettungstools dann mal die im Untergrund schlummernden Dateien an stellt man erstaunt fest, dass auch diese plötzlich nur noch als Hardlinks existieren, welche wiederum auf die sichtbaren Verknüpfungen verweisen. Eine Endlosschleife. Die eigentlichen Dateiinhalte wurden beim Upgrade komplett von der Platte geputzt und in Windows.old sind die Ordner quasi leer. Rollback brachte daher auch nichts. Zum Glück hatte die Kundin drei Wochen zuvor noch ein Backup gemacht, so dass nicht alles verloren war. Aber wie oben schon angemerkt ist es eher die Ausnahme, dass ein gewöhnlicher User regelmäßig Backups macht. Das ist eben die Realität, völlig egal was irgendwo von Experten so empfohlen wird.
Fakt ist, das Upgrade läuft nicht in allen Fällen reibungslos ab, egal ob es in erster Linie erwünscht ist oder durch irgendwelche (mehr oder minder moralisch verwerflichen) Tricks dem Kunden untergejubelt wird. Der normale Verbraucher ist dabei in der Regel überfordert.
Abseits dieser Problematik gibt es dann natürlich noch die üblichen Probleme mit neuer Umgebung, diversen Treibern und nicht mehr funktionierendem Zubehör.
Was ich sagen will: Windows 10 ist an und für sich nicht schlecht, wenn es denn funktioniert. Die Datenschutz-Geschichte klammere ich hier mal absichtlich aus, da es dazu unterschiedliche Ansichten gibt. Nur die Standard-Einstellungen (quasi alles wird erst mal gesendet / erlaubt) ist wie man es dreht und wendet nicht gerade die feine Art.
Wenn es Probleme gibt ist der Normalo oftmals aufgeschmissen.
Und so leid es mir tut, aber deine Aussage "[...] man sollte nicht alles und jeden ernst nehmen." zeugt mMn von Arroganz, Ignoranz und eingeschränkter Sichtweise und trifft wenn dann wohl auf dich zu.
Und bevor du mir jetzt mit Hater & Troll ankommst: Ich sehe Vor- und Nachteile in Win 10. Allein schon aus beruflichen Gründen betreibe ich hier diverse PCs mit allen möglichen Betriebssystemen und muss mich mit jedem davon sehr gut auskennen. Daher komme ich auch nicht auf die Idee so einseitige Aussagen wie "Alles Schrott!" oder "Alles super!" zu treffen und andere Benutzer mit anderen Erfahrungen mal eben so pauschal zu diffamieren.