Eine Quelle ist immer nur so gut wie derjenige der sie benutzt.
Fachbücher werden von Menschen geschrieben die (Gott bewahre) Fehler machen. Genauso ist es mit Wikipedia-Artikeln. Der große Unterschied: Bei Wikipedia arbeiten viel mehr Menschen daran und das, was die Wissenschaft als "peer reviewing" bezeichnet findet dort laufend statt. Dafür hat man den Nachteil, dass theoretisch auch jeder irgendwelchen Quatsch zum Besten geben kann.
So oder so ist Wikipedia (oder ähnliche Systeme) die Form in der Wissen in Zukunft gemanaged werden wird. Man muss schon sehr blind sein um das nicht zu sehen. Jeder der häufiger mit Bibliotheken zu tun hat, der weiß, dass die Vorteile etwas schnell auf Wikipedia nachzuschlagen IMMENS sind gegenüber der Vorgehensweise in einer Bibliothek:
1. hingehen oder im Online-Katalog der Bibliothek nach Schlagwörtern/Autoren/usw. suchen um möglichst Buchtitel zu erraten die mitunter mit dem Thema zu tun haben - außer man kennt sich schon aus in der Materie und weiß über mögliche Autoren / einschlägige Werke Bescheid
2. Bücher auswählen
3. Bücher ausleihen / an der Bibliothek kurzlesen (meist ToC) um festzustellen ob das Buch überhaupt wirklich das gewünschte Thema beinhaltet
4. Buch wirklich ausleihen lesen und nach den gewünschten Informationen durchfiltern
5. Buch zurückgeben
Das ganze wird noch komplexer, wenn es gewünschte Bücher nicht gibt, dann darf man Fernleihe betreiben und das wird mitunter sogar recht teuer.
Einzig wenn man den typischen wissenschaftlichen Text vorliegen hat in Papierform und man könnte ihn stattdessen als elektronisches Dokument haben, mit der Möglichkeit der Suche (Suchbegriffe), Hyperlinks für die einzelnen Kapitel usw. ist das schon eine extreme Steigerung der Arbeitseffizienz als in 500 Seiten Büchern blättern zu müssen.
Bezüglich der Universitäten:
Klar gibt es einige Professoren / Institute die glauben, dass nur in Büchern die Wahrheit stehen könne und nur was auf Papier gedruckt wurde, eine seriöse Quelle sein kann. An und für sich gerade für Wissenschaftler eine geradezu aberwitzige Vorstellung, denn Wissenschaft steht genau nicht für auf Papier gedruckte Dogmen.
Ebenso gibt es aber Institute / Professoren die sehr wohl elektronische Quellen inklusive Wikipedia zulassen. Wieso auch nicht? Ich hatte schon genug mit wissenschaftlichen Publikationen zu tun, um zu wissen, dass was so alles an 'Fachliteratur' veröffentlicht wird, oftmals viel weniger Kontrolle unterliegt als der typische Wikipedia Artikel, der nicht als "unvollständig, mangelnde Quellen usw." gekennzeichnet ist.
Vergleichbarkeit ist übrigens auch eine der Voraussetzungen für Wikipedia Artikel. Gibt es mehrere Theorien sind die bei ordentlichen Artikeln auch angeführt und es wird auch entsprechend auf weiterführende Quellen verwiesen.
Abschließend sei noch gesagt, dass "Wikipedia copy+paste" ein völlig anderes Problem ist. Ein Plagiat hat nämlich erstmal überhaupt nichts mit der Richtigkeit der Quelle zu tun, sondern lediglich mit einer falschen (weil nicht vorhandenen) Zitierweise. Wenn ich aus Fachliteratur abschreibe ist das genau dasselbe.
Auch das harte und strenge wir müssen mindestens 2 Quellen angeben usw. hat nichts mit der Glaubwürdigkeit von Quellen zu tun, sondern ist eine Arbeitsweise die eigentlich an jeder Universität üblich ist. Ob diese 2 Quellen dann zwangsweise Bücher sein müssen ist eben eine andere Diskussion die für mich ganz klar mit nein zu beantworten ist. Was neu ist, ist halt erstmal böse, aufzuhalten ist der Trend mit Sicherheit nicht und an den paar Instituten die ich kenne, ist gerade für Lehrende und auch Professoren Wikipedia ein unheimlich beliebtes Tool um Dinge nachzuschlagen.
An alle die glauben an ihren Unis würde das nicht benutzt werden:
Fragt mal die IT beauftragen der Uni wieviele Wikipedia-hits das Bediensteten Netzwerk so generiert....