User Review - MSI GTX 1080 Aero

alfalfa

Software-Overclocker(in)
Ich schreibe dieses Review, weil ich der Meinung bin, dass es doch eine gewisse Anzahl an Nutzern gibt, die sich für diese Karte interessieren.
Zumindest kommt es mir so vor, wenn ich selber nach Tests / Reviews google und dabei so gut wie nichts finde, denn immer wieder fragen Leute nach dieser Karte, aber viel gibt das Netz nicht her.

Eins vorab:
Ich neige dazu, wirklich sehr ausführlich zu schreiben, um Rückfragen zu vermeiden bzw. jedem Nutzerprofil möglichst alle gewünschten Informationen zu liefern.
Manch einer stört sich daran - kürze ich dann nachträglich was weg, meinen andere wieder, dass sie es gut fanden, wie es vorher war.
Von daher versuche ich, Spoiler sinnvoll zu benutzen und bitte trotzdem darum, es mir nachzusehen, wenn ich doch zu weit ausgeholt habe und hoffe, dass individuell alle relevanten Informationen für jeden Einzelnen dennoch vorhanden sind.

Wie man sieht, passt diese Karte ja leider nicht in meinen Laptop, obwohl auf beiden "msi" steht.
DSC_2443.JPG


Ein Unboxing Video spare ich mir und schildere nur kurz, was man erhält.

Im Prinzip:
Einen recht schlichten Karton mit einer Grafikkarte und ansonsten fast nichts.
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Innerhalb des Kartons findet sich ein kleinerer Karton in dem auch nichts ist, außer einer CD mit mit (naturgemäß alten) Treibern und einer kurzen Installationsanleitung.
Die CD ist aber sehr edel in einer Öko-Recycling-Papierhülle verpackt.
Ansonsten gibt es nur Schaumstoffpolsterung, darin gebettet die Grafikkarte in Antistatikfolie und weiter nichts. Kein HDMI-DVI-VGA-zu-irgendwas-Adapter oder Kabel - einfach nichts.
Alle Anschlüsse der Karte (alle Ports, auch SLI und PCIE) sind mit roten Plastikkappen geschützt.
Bei den ganzen (bei mir noch ungenutzten) DP-Ports macht das sogar Sinn vong Verhinderung Einstaubens her - ich habe sie aber trotzdem entfernt, um jeder noch so kleinen Ritze die Chance zu geben, heiße Abluft austreten zu lassen, denn das ist bei dieser Karte wirklich wichtig, wie sich noch zeigt.
Wer die Vorgeschichte, die mich zum Kauf bewegte, überspringen will, der klicke nicht den Spoiler an.

Ich war bisher seit 11/2014 im Besitz einer Palit GTX 970.
Hier mit Link zum Review-Artikel auf der Main: :-)
Palit Geforce GTX 970: Test im PCGHX-Forum

Ich bin großer Verfechter des Radialdesigns und fand diese GTX 970 im genutzten Zeitraum toll.
Auf diese Geschmacksfrage will ich jetzt auch nicht näher eingehen - mir persönlich ist DHE sehr wichtig.
Nach 3,5 Jahren stieß die GTX 970 für meine Ansprüche nun an ihre Grenzen.
Dabei sind diese gar nicht sooooooo hoch.
1080p 60FPS bei höchsten Details, wenn möglich mit Downsampling.
Die GTX 970 sollte dafür eigentlich damals schon reichen, wäre da nicht das tolle 3,5 + 0,5 GB "Speicherfeature" und der steigende Anspruch moderner Spiele, die auch eine GTX 1080 in 1080p doch noch herausfordern können!
Ich wollte Pascal wirklich überspringen und fand die anfänglichen Preise in Höhe von 500 € für eine 1070 und 700 € für eine 1080 dreist und unverschämt, auch wenn die 1070 schneller als eine Maxwell Titan ist!
Nun habe ich aber einige Spiele angesammelt, die ich in schönster Grafik genießen wollte (wozu habe ich denn einen teuren PC?) und mit der GTX 970 nicht einfach nur so mit reduzierten Details durchspielen wollte.
Mit der Zeit sank der Preis der Pascal-Karten (im Gegensatz zu Maxwell damals) auch noch zusehends... und dann kam ein wirklich verlockendes Angebot von MSI...
30 € Cashback für eine 1070 und 50 € Cashback für eine 1080.
1070 lag bei um die 380 €.
1080 lag bei um die 480 €.
Durch die Cashback-Aktion reduzierte sich die Differenz zwischen 1070 und 1080 auf nur noch 80 €.
Der Unterschied bei Preis und Leistung näherte sich fast auf Augenhöhe bei ~ 20 % an.
Da musste ich nicht groß nachdenken, gleich zur 1080 zu greifen, denn das rechnet sich.

Nun konnte ich meine 970 im Freundeskreis auch noch für 130 € fair verkaufen (auch wenn es bei Ebay 150+ gegeben hätte - minus Gebühren, Aufwand, Versand lohnt nicht und so sind beide Seiten zufrieden).
Es musste ja nun wegen Cashback unbedingt eine MSI sein und da kam für mich eigentlich nur die Aero oder eine Founder's Edition in Frage. Letztere kostete im Preisvergleich aber fast schon so viel wie eine 1080 Ti. :wall:
Die MSI Aero hatte ich auch schon länger in Beobachtung neben der schnöden FE und der Asus Turbo, wobei die MSI immer den besseren Eindruck bei mir hinterließ.

Über eine Preisvergleichsplattform gab es die MSI 1080 Aero für 485 € - abzüglich Cashback und Verkauf der 970 lege ich also ~305 € drauf.
Das ist für mich nach 2,5 Jahren in Ordnung - die GTX 970 war damals im ungefähr gleichen Preisrahmen für mich und die 1080 ist in Benchmarks ungefähr doppelt so schnell und hat doppelt so viel Speicher.
Selbst ohne den Verkauf der 970 wären 435 € für die 1080 immer noch ein sehr guter Preis zum Kaufzeitpunkt.
Nicht einmal die GTX 980 gab es für sehr lange Zeit so "günstig".

So, wer die Vorgeschichte gelesen oder auch übersprungen hat, der kann jetzt zum wesentlichen kommen.
Es mag Leute geben, die niemals so eine Standardkarte im "Referenzdesign" kaufen würden.
Radial ist doof und laut... und so...

Aber:
Diese Karte ist gar nicht so "Standard"!

- MSI wirbt mit "Military Class 4 MIL-STD-810G-zertifizierten Komponenten" und "Solid Caps", die 10 Jahre halten sollen:
GeForce GTX 1080 AERO 8G OC | Graphics card - The world leader in display performance | MSI Deutschland
- Das von mir erworbene OC-Modell ist schon ab Werk leicht übertaktet (1632/1771 statt 1607/1733).
Das OC ist natürlich ein Lacher, wenn man weiß, was die Karte eigentlich bringen kann, aber für den weniger ambitionierten Nutzer kann es vielleicht ein kleiner Mehrwert sein.
- Das MSI-Logo kann über GeForce Experience / Nvidia LED Visualizer individuell angepasst werden in Sachen Helligkeit / Blinken / Atmungseffekt. Die Farbe selbst ist immer weiß (bei NV FE grün).

DSC_2448.JPG

Hier mal im Video kurz demonstriert:
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- MSI hat die Luftaustrittsöffnungen im Vergleich zur Founder's Edition großzügiger und durchdachter gestaltet, zum Vergleich zwei Bilder:
NV FE:
71wRnIY4iXL__SL1500_.jpg

MSI Aero:
227557_3.png


- Der Radiallüfter hinterlässt zumindest bei mir einen erstaunlichen Eindruck, aber mangels Vergleich zur Founder's Edition kann ich keinen realen Vergleich ziehen und mich nur auf das berufen, was ich gelesen, in Videos gesehen und gehört habe - und damit komme ich zum Thema:

Kühlung und Lautheit

Das kann ich natürlich nur subjektiv beschreiben und nur damit vergleichen, was ich selbst kenne.
Mein Testsystem hat sich kaum verändert in den letzten 4 Jahren.

Gehäuse: Sharkoon T9, ein 120'er Lüfter vorn, ein 120'er Lüfter hinten
Netzteil: BQ E10 500W CM
Mainboard: Asrock Z77 Pro4
CPU: Intel Core i5 3570K @ 4,6 GHz (geköpft, Flüssigmetall zwischen DIE und IHS)
CPU-Kühler: Scythe Mugen 3, ein 120'er Lüfter
RAM: 16 GB DDR3-1866 CL9
Soundkarte, Card Reader, SSD und HDD sowie ODD sind zu vernachlässigen (aber vorhanden :-) )
BS: Win7 64 Bit (konnte mich auf diesem Rechner noch nicht zu Win10 durchringen)

Eine Sache musste ich beim Einbau auf jeden Fall ändern - das Blech zwischen den Slots störte sehr, weil es einen Großteil der Luftaustrittsöffnung blockiert hätte.
Ich musste es somit kurzerhand entfernen - kein Problem, an diese Stelle kommt sowieso immer nur eine Grafikarte, die Stabilität des Gehäuses leidet nicht nennenswert.

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Ich hatte in diesem System eine GTX 460 1 GB mit Axiallüfter, der zumindest fast die Hälfte über die Slotblende aus dem Gehäuse pustete.
Ich hatte danach die GTX 970, die so gut wie alles per DHE entsorgte.
Und nun habe ich die GTX 1080 Aero, die es so wie die Palit 970 macht.

Die GTX 460 war relativ leise, das Geräusch war hauptsächlich ein Rauschen, im Idle hat sie nicht sehr gestört.

Die GTX 970 von Palit war im Werkzustand nervtötend und ließ sich nur per BIOS-Mod dazu überreden, im Idle mit unhörbaren 6% Drehzahl zu arbeiten. Bei allem darüber kam ein nerviges, sirenenartiges Surren zum Rauschen des Lüfters hinzu - beim Spielen mit Sound war es mir aber egal.

Und nun diese GTX 1080 Aero - ich habe es kaum für möglich gehalten, aber diese Karte ist wirklich eine Wohltat für meine Ohren!
Im Idle lege ich sehr viel wert auf "silent" - ich habe einen großen Kühler auf der CPU (Mugen 3), den Lüfter per Speedfan so geregelt, dass er stillsteht, wenn er nicht leise vor sich hindreht und die Gehhäuselüfter ebenso geregelt.
Nun kommt diese MSI Aero so daher, dass sie schon im Standardprofil so leise ist, dass ich sie trotz 33 % Lüftergeschwindigkeit (weniger geht nicht) überhaupt nicht höre - Temperatur steigt so auf max. 39°.
Bei Last dreht sie natürlich auf und die steile Lüfterkurve habe ich von der 970 einfach übernommen und nur leicht angepasst, aber selbst bei 100 % Last ist sie "gefühlt" (gehört) nur halb so laut wie die Palit vorher.
Ich kann das kaum fassen - ein Radiallüfter der einfach nur angenehm rauscht und keinerlei sirenenartiges Geräusch von sich gibt.

Vielleicht habe ich einfach nur Glück gehabt, denn ich kenne es zwar so (z.B. von meiner alten Zotac GTX 9800+ AMP) aber eben auch anders von der Palit...
Da ich die GTX 9800+ für einen Tag übergangsweise mal wieder im System hatte, kann ich aber sagen, dass die MSI Aero damit verglichen noch einmal wesentlich leiser ist.
Ich kann für mich persönlich sagen, dass die MSI Aero die leiseste DHE-Karte ist, die ich jemals hatte.

Es gibt aber auch immer eine Kehrseite der Medaille!
Viele Karten erkaufen sich ihre geringe Lautstärke über geringe Lüfterdrehzahlen in Verbindung mit höheren Temperaturen.
Nun, die MSI Aero macht das nicht - sie dreht "volle Pulle" und hat trotzdem hohe Temperaturen!
Ich habe diese Karte nie mit Standard-OC genutzt - ich wollte gleich alles rausholen und mit meinen Settings läuft die Karte in Benchmarks auf bis zu 91° heiß, trotz 100 % Lüfter.
Das soll bitte hier erwähnt sein.
Sie bleibt damit zwar genau 1° unter dem erhöhten Temp-Target und taktet dabei auch immer zwischen 2000 - 2100 MHz, aber sie ist damit nahe am Limit.

Und damit komme ich auch zu den Limits.

GPU Boost 3.0 ist für die einen eine "feine Sache", für die anderen aber "zu kompliziert".
Ich bin mir da bisher noch unschlüssig, welchen wirklichen Nutzen man aus den neuen Möglichkeiten ziehen kann.
Einerseits kann man den MSI AB einfach so wie früher nutzen.
Power Limit, Core Voltage, Temp Limit ganz nach rechts.
Core Clock 200 MHz, Memory Clock 200 MHz nach rechts - läuft.
Ob ihr es glaubt, oder nicht, aber genau mit diesen Werten erziele ich die besten Ergebnisse im 3dMark Firestrike auf Standardeinstellung der Demo-Version:
16477 gesamt
23860 Graphics
8338 Combined

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Nun liest man ja auch in letzter Zeit viel über Undervolting.
Und ja - man kann damit manchmal verblüffende Ergebnisse erzielen!
Mein Notebook z.B. (siehe Sig) läuft kühler damit, bringt aber nicht mehr Leistung.
Das neue Asus Notebook meines Kumpels mit i7 und GTX 1070 läuft tatsächlich schneller damit - weniger warm - kein Thermal Throttling = höherer Takt.
Bei meiner GTX 1080 funktioniert das so nicht...

Ich habe sie über die Kurve im MSI AB so undervolted, dass sie bei 1,025 V 2025 MHz bringen soll und die Spannung darüber nicht ansteigen soll. Sie boostet trotzdem höher...
Bringt mir im Firestrike um die 400 Punkte weniger und die Temperaturen sind auch nicht viel (3°) geringer.
Das Feature ist nett, aber man kann wahrscheinlich Tage damit verbringen, entweder den Sweetspot oder den Punkt zu finden, an dem alles noch absturzfrei läuft.
Ich habe daher meine angepasste Kurve als Kompromiss gewählt, denn 16000 Punkte im Firestrike reichen mit der CPU und die Temperatur ist etwas niedriger. Core Voltage +100 soll laut Nvidia ja außerdem die Lebenszeit extrem verringern...
Mit dem OC, was der Durchschnittsuser (zu denen ich mich zähle) auf sehr schnelle Art und Weise ohne Kurvenanpassung vornehmen kann, erziele ich unterm Strich jedoch die besseren Ergebnisse in Benchmarks und Spielen.
Das ist ja nun auch nicht die "MEGA-OC-Karte" mit 3x8-Pin Anschluss (sie hat nur 1x 8Pin), aber ich frage mich, wie sehr es sich lohnen kann, xx € draufzulegen, um vielleicht für wenige € unter einer 1080Ti zu landen und dann eine Karte zu haben, die einem per maximalem Stromverbrauch 5 % mehr Leistung bietet als diese Karte, wenn sie auf das Maximum übertaktet ist.

Speicher-OC bringt bei meiner MSI nicht wirklich etwas.
Geht man zu hoch, läuft es zwar, aber man verliert sogar Punkte in Benchmarks. Im Falle dieser Karte wirken sich beim Speicher +200 noch positiv aus, bei +300 wird die Leistung im Benchmark jedoch geringer.
Ich weiß nicht zu 100% genau, woran das liegt, es liegt aber sehr nahe, dass die Karte mit schneller taktendem Speicher mehr Strom verbraucht und dadurch dann schneller ins Powerlimit läuft.
Das Powerlimit kann man bei der MSI Aero übrigens nur auf 115 % erhöhen (bei den meisten anderen gehen wohl 120 %). Ich weiß jedoch nicht, ob MSI das Powerlimit im BIOS schon auf 105 % erhöht hat, weil diese Karte ja schon ab Werk übertaktet ist.

An den Mod des Widerstandes (siehe Anleitung von der8auer) wage ich mich noch nicht ran (ich gehe davon aus, dass es sich um ein Referenz-PCB handelt, weiß es aber nicht sicher).
Wie viel das wirklich bringt, ist bei dieser Karte fraglich, da das Temperaturlimit auch jetzt schon sehr nahe ist.

Die Karte hat auf jeden Fall Potenzial, wenn man auf die Gewährleistung keinen Wert legt und das Powerlimit erhöht und gleichzeitig die Kühlung optimiert.
Ich werde das auch eines Tages machen...

Auf jeden Fall differieren die Ergebnisse in Benchmarks ziemlich stark, auch mit gleichen Einstellungen. Pascal scheint ziemlich intelligent zu sein und boostet mal so und mal so - wie es gerade möglich ist, von vielen Faktoren abhängig und teilweise unabhängig von den getätigten Einstellungen.
Obwohl man durch die Kurvenanpassung mehr Möglichkeiten hat, scheint man dennoch weniger direkten Einfluss zu haben.
Bei Maxwell war das anders - ich musste das Powerlimit anheben, Temp-Limit verhindern und dann war der Boost stabil beim Maximum für meine Karte auf 1469 MHz.
Die Pascal-Karte macht jedoch trotz Anpassungen mehr oder weniger was sie will.
Lasse ich den Heaven mit meiner angepassten OC-Kurve laufen, taktet die Karte ziemlich stabil bei über 2 GHz:

curve.jpg

Die 2012 MHz sind mehr oder weniger der Standard in den meisten Spielen, die ich laufen lasse.
Manchmal boosted die Karte höher, aber im Schnitt pendelt es sich dann bei 2012 MHz ein und bleibt stabil.
Das ist eigentlich beachtenswert für diese Karte.

Wie gesagt - ich wollte eigentlich gar keine GTX 1080 (bzw überhaupt keine Pascal) kaufen und habe nur durch den verlockenden Preis von 435 € dann doch zugeschlagen.
Ich dachte mir dabei, dass die allerbilligste GTX 1080 immer noch besser ist als die allerbeste GTX 1070, die mindestens genauso viel kostet.
Von daher will ich mich jetzt auch nicht großartig darüber beschweren, was man an dieser Karte noch verbessern könnte.
Aber wenn ich einmal darüber nachdenke, dass dieses Stück PCB mit Chips und Kühler momentan ca. 500+ € kostet, dann fällt mir doch auf, wie sehr die Preispolitik NVs auch bei mir wirkt und ich mich an so einen Preis für eine brauchbare Grafikkarte schon gewöhnt habe...

Ich habe bisher noch nie so viel Geld für eine Grafikkarte ausgegeben, das ist Fakt!
Und umso mehr ärgert es mich, zu wissen, "viel Geld" in meinen PC inverstiert / "versenkt" zu haben, obwohl man für diesen (trotz aller Reduzierungen und Cashback ohne das ich die Karte nie gekauft hätte) Preis eigentlich gewisse Dinge erwarten könnte, aber dann doch etwas enttäuscht wird!

Es ist wie bei den kommenden Intel CPUs... es wird nicht mehr verlötet, um pro CPU ein paar Cent zu sparen, was sich auf Masse aber etwas rechnet.
Meine Palit GTX 970 musste ich ziemlich stark optimieren. Aber diese Karte hat mich auch weniger als 300 € kostet, obwohl ich sie nur ein knappes halbes Jahr nach Release kaufte.
Die Bodenplatte des Kühlers war aus Kupfer, aber sehr riefig - mit viel Mühe plangeschliffen, die WLP durch Flüssigmetall ersetzt und dadurch die entscheidenden Grad gewonnen, die einen konstanten Boost auf 1469 Mhz ermöglichten.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auch die MSI Aero ohne zu großen Aufwand optimieren könnte, indem ich genau dasselbe mache und zusätzlich die Slotblende dahingend optimiere, einige Stege zu entfernen und die Öffnungen zu vergrößern. In Anbetracht des vergleichsweise hohen Kaufpreises und der bestehenden Gewährleistung mache ich das aber jetzt noch nicht.
So ein Radiallüfter braucht eben auch eine entsprechende Öffnung, um die heiße Luft abzuführen.
In diesem Zusammenhang würde ich am liebsten auch den DVI-Anschluss entfernen wollen, aber das ist mehr Arbeit, als man denkt und daher schrecke ich davor ebenso zurück wie vor der Demontage der Kühlerabdeckung / Polieren des Kühlers / Austausch der WLP gegen Flüssigmetall, obwohl ich davon überzeugt bin, diese Karte durch diese einfachen Maßnahmen entscheidend optimieren zu können.
MSI weiß natürlich (ebenso wie andere Hersteller auch), dass man diese Karte leicht optimieren könnte und nutzt das eben, um teurere Modelle verkaufen zu können, bei denen schon optimiert wurde.
Klar setzt man dort dann auf größere Kühler mit 3 oder mehr Lüftern, zusätzliche Stromanschlüsse, anderes BIOS usw. und verkauft diese Modelle dann entsprechend teuer.
Umso ärgerlicher ist es dann, dass man weiß, dass man auch diese "Standardkarte" ohne großen Aufwand / Aufpreis hätte besser machen können, was man dann aber einfach nicht bezahlt bekommen hätte.

Folgende Fragen zu dieser Karte muss ich zum jetzigen Zeitpunkt leider noch unbeantwortet lassen:
- Kann ich das Powerlimit erhöhen und der Karte zu insgesamt mehr Leistung verhelfen, indem ich den Flüssigmetall-Trick von der8auer anwende?
- Kann die Karte dann überhaupt noch von diesem Mod profitieren, weil sie dann gewiss ins Temperaturlimit laufen wird?
- Kann ich das Temperaturlimit umgehen, indem ich die Kühlung dadurch optimiere, dass ich die Auflagefläche des Kühlers planschleife und die WLP durch Flüssigmetall ersetze und den Luftaustritt, ggf. durch Entfernung von DVI und einiger Stege / vergrößere?
- Kann ich der Karte zusätzlich zu mehr Strom verhelfen, indem ich an den vorhandenen, ausgesparten Stromanschluss einfach einen zusätzlichen Connector für die Stromversorgung anlöte?

Diese Fragen bleiben offen, aber selbst wenn man wohlwollend alle diese Maßnahmen ergreift, holt man aus dieser an sich schon leistungsstarken Karte vielleicht noch geschätzte 5 - 8 % Mehrleistung raus.
Ist es das wert?
Für Freaks (und da nehme ich mich nicht aus), die den letzten Rest der geht rausholen wollen - bestimmt.
Für normale User (auch da nehme ich mich nicht aus) - in einem bestimmten Moment, wo man auf 60 Hz VSync spielt, weil man eben nicht GSync (wesentlich günstigeres Freesync geht ja nicht) gegen hässliches Tearing nutzt und dann auch nur kurz die FPS auf 58 sinken und es eben einen Ruckler gibt - ja, genau in solchen entscheidenden Situationen kann OC dieses Quäntchen herausholen, um ein tolles Spielerlebnis beizubehalten oder eben doch zu zerstören.

Mein größtes "Problem" ist jetzt jedoch, dass der i5 3570K trotz OC mit dieser Grafikkarte in einigen Spielen fast schon auf dem letzten Loch pfeift bzw. gerade noch so ausreicht, um diese Grafikkarte noch auszulasten.
Ich glaube, ich bin jetzt mal in der seltenen Situation, dass alles einigermaßen harmoniert. Die CPU reicht noch aus - meistens kommt ob der genutzten Grafikoptionen doch noch das GPU-Limit, aber je nachdem, wie das betreffende Spiel programmiert ist, kann auch mal die CPU zum limitierenden Faktor werden. Mein PC schreit nach Win10 und DX12 - da muss ich mich mal ran wagen, zumal das mein letzter PC ist, der noch auf Windows 7 läuft.
Ein paar wenige, aber manchmal auch entscheidende Prozente kann der Umstieg bringen, wenn CPU-Leistung gefragt ist.
Jetzt habe ich ja doch wieder viel zu weit ausgeholt...

Also mein Fazit in weniger Worten:
Pro:
- die Karte ist mit 435 € durch die Casback-Aktion von MSI sehr günstig (wenn man sich an die NV-Preise gewöhnt hat)
- die Karte ist im Idle sehr - eigentlich unglaublich - leise, unter Last lauter, das Restsystem aber kühler und dann doch wieder leiser als ohne DHE
- die Karte ist ab Werk schon leicht übertaktet und weiteres OC im Bereich um die 2+ GHz ist möglich
- das LED-Logo ist ein nettes Gimmick, hat nicht jede Grafikkarte

Contra:
- die Kühlung ist nicht optimal und bringt den Chip bis kurz unter sein Limit
- der in meinen Augen überflüssige DVI-Anschluss blockiert unnötig einen Großteil der Luftaustrittsöffnung (siehe GTX 1080 Ti - da hat man es begriffen)
- ein Teil der Luftaustrittsöffnung wird in Standardgehäusen vom Blech zwischen den Slotblenden blockiert (das dürfte meiner Meinung nach aber bei der Founder's Edition auch so sein)
- Powerlimit lässt sich nur auf 115 % statt 120 % wie bei anderen Karten erhöhen, wobei ich nicht weiß, ob dieses nicht schon auf 105 % erhöht ist, weil die Karte ab Werk schon übertaktet ist

Würde ich diese Karte wieder kaufen?
Also für diesen Preis auf jeden Fall! Nicht, dass ich 435 € jetzt irgendwie besonders günstig finde - aber verglichen mit der GTX 1070 und rückblickend mit der GTX 980 und zu AMD schielend, wo es aktuell noch nichts mit dieser Leistung gibt, geht das doch irgendwie noch in Ordnung...
Ich bereue den Kauf überhaupt nicht.

Je nachdem, wann es mich packt, die Garantie zu vernachlässigen, werde ich den Kühler demontieren und ggf. Optimierungen vornehmen und hier auch bebildern (wie bei meiner 970 damals).
Momentan traue ich mich da aber noch nicht ran, weil mir die Karte noch zu "neu" und vor allem zu teuer ist.

Insgesamt erhält man für diesen Preis eine wirklich gute Grafikkarte, die für 1080P / 1440P mit maximalen Details und sehr guter Kantenglättung / wahlweise Downsampling ausreichen kann.
Auf Spiele- und synthetische Benchmarks gehe ich jetzt nicht weiter ein - die Ergebnisse sind (nicht zuletzt) unter anderem durch PCGH bekannt - in diesem Review kann ich nur darauf eingehen, dass die Karte mit ein paar Softwareanpassungen ihre 2+ GHz Boost schafft und auch halten kann - wie die meisten, teureren und mit mehr Lüftern ausgestatten OC-Modelle mit teils saftigem Aufpreis eben auch.

Wenn jemand Anmerkungen / Kritik / Verbesserungsvorschläge hat - gern her damit!
Ich hoffe, dass dieses Review jemandem hilft, der über den Kauf einer GTX 1080 nachdenkt und sich noch nicht schlüssig ist, welches Modell er kaufen möchte bzw. dieses spezielle Modell einfach noch nicht auf dem Radar hatte.
Die MSI Cashback-Aktion läuft noch bis 30.06.2017.


Update 29.10.2017:

Ich habe die Karte nun schon seit 5 Monaten und bin immer noch sehr zufrieden.
Heute hat es mich aber gepackt, die Karte mal zu zerlegen und etwas zu modifizieren.
Der Hintergrund ist, dass ich weiß, dass man an solchen Karten immer mit relativ wenig Aufwand etwas verbessern kann, weil der Hersteller an einer Stelle einen geringfügigen Betrag eingespart hat.
Ich weiß nicht, wie viele Cent es MSI hochgerechnet gekostet hätte, die Kupferplatte des Kühlers nicht als Buckelpiste auszuliefern, sondern vor der Montage (wenigstens etwas!) plan zu schleifen!

Die Plastikabdeckung lässt sich mit 6 Schrauben schnell und leicht entfernen.
Danach blickt man auf den Kühlblock.
DSC_3311.JPG

Man sieht auch gleich das größte Problem dieser Ausführung - der DVI-Port blockiert einen erheblichen Teil der Luftaustrittsöffnung und stört das DHE-Design.
DSC_3312.JPG

Diesen Port zu entfernen ist leider mit erheblichem Aufwand verbunden und auch nicht unbedingt ungefährlich, daher spare ich mir das zunächst auch weiterhin.

Der Kühlblock selbst wird von 4 Schrauben mit Federn gehalten.
An einer der Schrauben hat MSI den Garantieaufkleber angebracht. Der Austausch des Kühlers ist scheinbar nicht gewollt (als Hinweis für die Leute, die diese Karte kaufen, um eine WaKü zu montieren).

Nach Abnahme des Kühlblocks war ich ziemlich enttäuscht, wie schlecht die fett aufgebrachte Wärmeleitpaste verteilt war.
Irgendwie überall, nur nicht flächendeckend auf dem Chip:

DSC_3313.JPG
DSC_3314.JPG

Man erkennt auf dem oberen Bild, dass die Spannungswandler direkt im Luftstrom liegen und somit gut gekühlt werden.

Gut finde ich außerdem die massive Ausführung der Grundplatte aus Metall, die die Plastikabdeckung hält, die Speicherbausteine mit Wärmeleitpads kühlt und direkt mit dem Alukühlblock verbunden ist und dahin die Wärme abgibt.
DSC_3316.JPG

Nicht gut finde ich die tiefen Furchen in der Kupferplatte des Kühlblocks.
DSC_3319.JPG

Beginnend mit 400er Schleifpapier, dann 600er nass, 1000er, 1200er, 1500er, 2000er und im letzten Schritt Polierpaste habe ich das Ding an der Auflagefläche in gut 1,5 Stunden blank gemacht.
DSC_3326.JPG

Die WLP habe ich durch Liquid Pro Flüssigmetall ersetzt.

Bei Wolfenstein 2 auf 4K 2160p und Ultra Details lief die Karte vor der Modifikation ziemlich schnell ins (schon erhöhte) Temperaturlimit bei 92° und taktete sich von 2000 auf manchmal weniger als 1700 MHz runter.
Mit der Modifikation bewegt sich die Karte im Spiel nun meistens bei 83° und selbst bei einer Stunde 99% Auslastung habe ich bis jetzt noch nicht mehr als 88° gesehen, wobei der Takt konstant nicht mehr unter 2000 MHz sank.
Das hat sich auf jeden Fall gelohnt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Danke für das Review. Sehr ausführlich und an viele Aspekte gedacht. Bin zwar kein İnteressierter der 1080, hat mir aber trotzdem Spaß gemacht zu lesen.
 
Danke für das Review.

Kurze Anmerkung zum Overclock: Mehr als 2100 MHz sind sowieso nicht drin, daher würde ich die Sache mit dem "Wiederstandsmod" sein lassen. Sie läuft schon an der Grenze des machbaren einer Pascal-Karte.
Wenn du sie unter Wasser setzen würdest, wäre vielleicht mehr drin, aber in der Praxis (Spiele) würdest du davon gar nichts mehrken.
 
Schönes Review, mir macht mein 435€ msi 1080 Aero schnapper ebenfalls viel Spaß, hatte sogar doppelt Glück - gab sogar noch destiny 2 oben drauf :D

Bin auch überrascht wie gut die Kühlung funktioniert: idle für mich nicht zu hören unter volllast hörbar - aber nie störend.

Das 1080 seahawk bios läuft übrigens auch tadellos auf der Karte :)

Gesendet von meinem SM-G950F mit Tapatalk
 
Hast du Details / einen Link für mich?
Was genau bringt das BIOS? Höheres Powerlimit (als mehr als 115 %) möglich?
Die Taktfrequenzen lasse ich ja per Curve im MSI AB setzen.

mit dem seahawk bios hast du einfach ohne Hand an zu legen höhere taktraten
VGA Bios Collection: MSI GTX 1080 8192 MB | TechPowerUp

mit dem standardbios lagen bei mir 1600 bis 1800 mhz an, mit dem seahawk bios sinds nun 1800 bis 1900.

wenn du gerne selber Hand anlegst kannst du das aber auch ohne bios-Flash mit dem afterburner erreichen.
 
Zuletzt bearbeitet:
@TE Also so ganz verstehe ich dich nicht, DHE um die Abwärme nicht ins Gehäuse zubringen, aber dafür schwitzt die GPU bei über 90°C. Und gerade Grakas haben ja ein Haltbarkeitsproblem.
 
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