Wenn Du einen schwulen oder lesbischen Charakter in einer Story hast, ist ein zweiter nicht weit... was nicht verwundern sollte, denn man sucht und findet sich
Nö. Wenn sich die Story nicht um Sexualität oder sexuelle Beziehungen dreht, muss der Autor auch keinen passenden Partner vorsehen. Und wenn der (Kern-)Cast klein ist, dann stehen die Chancen für eine zufällige Anbahnung halt auch eher schlecht:
In der durchschnittlichen mitteleuropäischen Gesellschaft unserer Tage identifizieren sich den hier gemachten Aussagen nach 1/10 als nicht klassisch hetero. Der Einfachheit gehe ich mal davon aus, dass die darunter befindlichen, leicht vermittelbaren Voll-Bisexuellen maximal eine gleich große Rolle spielen, wie die Summe aus Asexuellen, Objektophilen, etc. und an keiner dauerhaften nicht-hetero-Beziehung interessierten bi-curious sowie dem transvestitischen Spektrum und rechne mit 1/20 Schwule + 1/20 Lesben. Das heißt man muss 30 Charaktere in einer Story haben, ehe ein 50:50 Chance besteht, dass sich darunter ein schwules oder ein lesbisches Paar findet.
Das ist VERDAMMT viel. Klar, explizite Gesellschaftsdramen und Lovestorys haben manchmal einen so großen Cast, aber die sind dann aus sexueller Sicht auch zielgruppenspezifisch. Bei Filmen scheidet alles andere schon aus, weil man in einen Action-Film/Thriller/Horror/... halt nicht 3 Stunden Zwischenmenschliches hat. Bei Büchern wird es auch knapp. Obwohl ich hier sicherlich ein halbes Dutzend Regalmeter stehen habe und in meinem Leben locker nochmal die 3-4 fache Menge gelesen haben muss, fällt mir spontan nur der Herr der Ringe ein, der so viele Personen detailiierter vorstellt. (Der enthält neben drei Heteroliebespäärchen zzgl. einem Flirt immerhin drei verdächtig enge Männerfreundschaften, zwei weitere Männer die sich zumindest nur mit Männern umgeben und einen freiwilligen Einsiedler der entweder aromantisch oder dendrophil sein muss. Nicht schlecht für ein Buch das geschrieben wurde, als Homosexualitätsbekundungen noch strafbar waren und das ganz sicher nicht den Anspruch hat, eine durchschnittliche mitteleuropäische Gesellschaft des 21. Jhd. zu repräsentieren.)
Damit Ende in den Impfausflug als Vergleichsbeispiel...
Sprich, es kommen ähnliche Mechanismen der Ablehnung und Vorurteile ins Spiel, die dir als Schwuler (so nehme ich an) tagtäglich begegnen mögen.
Da gibt es noch unzählige andere Beispiele. Man kann wegen seiner Kleidung, seiner Frisur, seinem Musikgeschmank, Essens- und Getränkevorlieben oder -abneigungen, Bildung, Körperbau, politischer/religiöser/sozialer Weltanschauung,........ in Schubladen gesteckt, gemobbt, ausgeschlossen, benachteiligt,... werden. Eigentlich sollte jeder schon mal Erfahrungen dieser Art gemacht haben, auch wenn "ich mag kein chinesisches Essen" sicherlich leichter zu verbergen und deswegen seltener ein Thema ist, als z.B. ein phänotypisch klar erkennbarer Migrationshintergrund.
Okay, dass diese beiden Aussagen widersprüchlich rüberkommen kann ich verstehen. Was ich meine ist folgendes: Heterosexualität als "Norm" ist in der Öffentlichkeit überall verbreitet und sichtbar,
Mal so ne Frage: Was ist mit dieser immer wieder geäußerten Floskel eigentlich gemeint? Mir persönlich begegnet Sexualität in der Öffentlichkeit quasi nie. Das häufigste wären noch indirekte Hinweise in der Werbung für familien-mit-kindern-bezogene Produkte, aber da ist Reproduktivität halt eine Grundvoraussetzung. Alles andere? Selbst klassisches "sex sells" zeigt fast immer nur ein Geschlecht und kann sich mit einer weiblichen Figur genauso gut an Lesben wie an heterosexuelle Männer richten.
Im Deutschen gibt es aber leider keine anderen Worte für "Geschlecht" wie im Englischen mit "sex" und "gender". Womöglich müssten andere Bezeichnungen eingeführt werden, die eine einfachere Differenzierung ermöglichen, aber das würde wahrscheinlich auch mit vielen heftigen Diskussionen einhergehen...
Glaube ich nicht. Wer über etwas neues redet und dafür ein neues Wort prägt, kriegt eigentlich nie Ärger. Anfangs wird er halt nicht verstanden - aber das wird er ja noch viel weniger, wenn er ein Wort nimmt, dass es schon gibt und das eine ganz andere Bedeutung hat. Niemand wäre zum Beispiel auf die Idee gekommen, ein Smartphone als "Speisekarte" zu bezeichnen, nur weil es das Wort "Smartphone" noch nicht gab. Hat man halt neu eingeführt und das wurde auch akzeptiert war. Klar macht es einem die deutsche sprache nicht ganz einfach, die "Rollenbilder" "Herrlichkeit" und "Dämlichkeit" zielgerichtet zu differenzieren, aber stattdessen von den "Geschlechtern" "Mann" und "Frau" zu reden funktioniert ganz offensichtlich noch viel schlechter und sorgt für reichlich Verärgerung. Menschen mögen es halt nicht, wenn man ihnen vorwirft, ihr bisheriger, lebenslanger Sprachgebrauch wäre "falsch" und sie müssten sich wegen jemand anderem, der was neues will, umstellen und ihr altes aufgeben.
Du meinst das biologische, bei der Geburt erhaltene Geschlecht, richtig?
Ich meine das Geschlecht, ja. (Respektive ich meine Aussagen, die über dieses getroffen werden. Aber ich denke, ich habe klar gemacht, dass ich die nicht so ganz nachvollziehbar finde.)
Die Sexualität von Kindern beginnt bereits im Kleinkindalter durch Entdecken des eigenen Körpers.
Da haben sie aber keine Referenzpunkte, gegenüber denen sie Unstimmigkeiten feststellen könnten. Sie kennen nur ihren eigenen Körper und auch wenn sie sicherlich die primären Geschlechtsmerkmale an diesem bemerken, wissen sie weder wie die beschaffen sein sollten (unter welcher Prämisse auch immer) noch wofür die gut sind. Erst wenn man sein eigenes Geschlecht mit dem Geschlecht anderer in Bezug bringen will, also *** will, gibt es so etwas wie eine gewünschte Funktion die halt entweder passt oder nicht.
Dass es beim Aufwachsen keine Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen gibt dürfte für die allermeisten Kinder die absolute Ausnahme sein. Alleine durch Rollenbildern in Kitas, Schulen, durch Spielzeug, Bücher, Kinderfilme und -serien werden klassische Rollenbilder ja immer noch sehr stark reproduziert.
Ja. Und das ist ein massives Problem. Aber keins das man löst, in dem man sich durch ggf. lebenslang einschränkende Operationen das andere von zwei verkackten Rollenbildern zuzuschreiben versucht, was dann aber in den Augen der Gesellschaft, um deren Rollenzwang es letztlich geht, gar nicht klappt.
Ich sehe, dass meine Aussage mindestens unglücklich war, danke für das Feedback!
War provokant geantwortet: Natürlich ist Sex für die meisten Leben wichtiger als Füße. Allerdings ist einer der Aspekte der LGBTATAQNO*...-Diskussion ja auch die Frage, wie detailiert die Gesellschaft solche Aspekte differenzieren und honorieren soll? Ich würde mich nicht wundern, wenn es mehr Fußfetischisten als aromantische, crossdressende, Bi-curious Transfrauen gibt. Aber bei ersteren beschwert sich niemand, dass ihre Sexualität in der Öffentlichkeit zuwenig präsent wäre.
Ich stimme dir weitestgehend zu. Ich bin sehr dafür, dass Eigenschaften nicht einem bestimmten Geschlecht zugeordnet werden, davon würden vermutlich alle profitieren. Aber bis dahin ist es noch ein verdammt weiter Weg.
Um ehrlich zu sein halte ich diesen Weg für weitaus kürzer als den Weg zur allgemeinen Akzeptanz von Transpersonen als vollwertige Mitglieder des anderen Geschlechs in den Augen aller Gesellschaftsmitglieder. Vor 1,5 Jahrzehnten feierte eine Postgender-Partei große Erfolge. Vor 2,5 Jahrzehnten waren Herrenröcke auf jedem Laufsteg zu sehen (und ja, ich habe sowas auch in freier Wildbahn gesehen. Und es hat ungefähr 10 Sekunden Augenbrauen hochziehen geerntet und das wars). Vor (über) 3,5 Jahrzehnten tauchten Frauen in den letzten "Männer"berufen auf. Die Akzeptanz für genderegalen Umgang miteinander ist meiner Meinung nach weitaus stärker gegeben als für die Beachtung wie auch immer geartete, neue Geschlechtsdefinitionen. Einfach weil ersteres nur ein "lass andere halt machen" bedeutet, letzteres dagegen eine aktive Auseinandersetzung und Anpassung an die Vorstellungen anderer bedeutet. Und darauf reagieren Menschen nicht ohne Grund widerwillig.
Die Veränderungen des eigens Körpers geschieht ja aber nicht mit der Absicht, der Gesellschaft etwas zu beweisen, sondern weil sich diese Personen in ihrem eigenen Körper nicht wohlfühlen. Operationen und Anpassungen werden für sich selbst durchgeführt, nicht um andere zu beeindrucken oder zu beeinflussen.
Das ist halt die Frage. Soweit ich das mitbekomme, sind gezielte Veränderungen im Brustbereich zum Beispiel weitaus häufiger als an den primären Geschlechtsorganen. Teils sogar nur prosthetisch. Dabei definieren letztere das Geschlecht, während ersterer vor allem nach außen sichtbarer ist. Auch bei der gesamten rechtlichen Debatte geht es nur um Punkte mit Außenwirkung: Eine Person weiblichen Geschlechts will auf der Straße wie ein Mann aussehen, "Mann" im Pass stehen haben und als Mann angesprochen werden. Kurz: Die Frau will das klassische Rollenbild "Mann" in der Öffentlichkeit ausfüllen. Einen *** zu haben scheint dagegen in nahezu allen Berichten, die mehr begenen, sekundär zu sein.