Ich habe dietage in einer GamePro aus dem Jahr 2002 geblättert. Bei fast allen Neuerscheinungen für PS2, Xbox und GameCube steht da ein Vollpreis von 60 Euro, teilweise sogar 65 oder 70 Euro.
Konsolenspiele oder?
Da darf man aber auch nicht vergessen das die Plattforminhaber diese Preise angestrebt haben um ihre Konsolen querzufinanzieren, denn sonst wären die Konsolen bei der Markterscheinung viel teurer gewesen.
Als Konsolenbesitzer musste man also generell mit höheren Preisen für Spiele und Eingabegeräte rechnen.
Der Preis bei den Händlern lag dann zwar oft ca. 10 Euro unter der UVP, aber auch 50 € von 2002 wären inflationsangepasst heute 96 Euro, 60 € von 2002 wären inflationsangepasst heute 115 Euro.
Ja und Final Fantasy 7 von 1997 hat knapp 100 DM gekostet und das wären heute ca. 86 Euro.
Und wem nützt diese Info?
Wir haben jahrzehntelang davon profitiert, dass der Konsolenspielemarkt stetig gewachsen ist und die gestiegenen Entwicklungskosten so "auf mehr Spielerschultern verteilt werden konnten", was in stabilen Spielepreisen für Neuerscheinungen resultierte. Was in den letzten Jahren (neben DLCs und Microtransactions) auch nur noch durch Erweiterung der Zielgruppen gelang: immer mehr Multiplattformentwicklungen und Portierungen, immer weniger Exklusivtitel und Zeitexklusivität (Xbox-Spiele zeitgleich auf PC, Microsofttitel auf Switch und jetzt sogar PlayStation, Sonytitel auf PC und teilweise sogar auf Switch...).
Der Konsolenhardwaremarkt stagniert seit Jahren bzw. ist sogar rückläufig:
PS2 + Xbox = zusammen 193 Mio. Konsolen
PS3 + Xbox 360 = zusammen 173 Mio. Konsolen (plus 80 Mio. PSPs)
PS4 + Xbox One = zusammen 175 Mio. Konsolen (plus 13 Mio. Vitas)
Wii + DS = zusammen 255 Mio. Konsolen
WiiU + 3DS = zusammen 90 Mio. Konsolen
Switch 1 + Switch 1 lite = (bisher) 150 Mio. Konsolen
Du vergisst dabei aber, dass die Reichweite der Spieleentwickler ennorm gestiegen ist.
Damals (TM) gab es das Spiel XY nur auf der Konsole XY. Heute bekommt man fast jedes Game auf fast jeder Plattform und Crossplay verbreitet sich auch immer mehr.
Dazu kommen noch die neuen Vertriebswege. Man muss nicht mehr zu release in den Laden rennen und sich ein Exemplar des neuen Spiels sichern.
Heute gehen die Leute in die Online Shops und laden sich das Spiel runter. Oder die Spiele werden gestreamt.
Es ist nicht mehr nötig 250.000 Exemplare eines Spiels auf eine Scheibe zu brutzeln und diese dann durch die Weltgeschichte zu karren. Lager- und Transportkosten sind damit auch rapide gesunken. Die Zwischenhändler Margen ebenso.
Ein Weiterverkauf der Spiele ist auch nicht mehr möglich. Der Gebrauchtwarenmarkt für Spiele ist somit auch dünner geworden. Viele Spieler kaufen sich sowieso keine physischen Medien mehr und haben alles nur noch in der Online Bibliothek.
Da sind mittelfristig Preiserhöhungen für Neuerscheinungen kaum zu vermeiden und die Ungeduldigen müssen eben etwas mehr für Neuerscheinungen zahlen. Abseits von den wenigen Nintendo-First-Party-Spielen pro Jahr fallen dann in den Folgemonaten aber auch die Preise immer schneller... ein erdrückendes Überangebot an konkurrierenden Spielen (die aufgrund langsamerer Hardware-Entwicklungen auch nicht mehr so schnell veralten) sorgt dafür.
Man darf aber auch nicht vergessen das die Produktion von Spielen heute viel einfacher geworden ist.
Es gibt Spiele die nur von einer Person oder von einem kleinen Team entwickelt wurden und das nebenbei zum eigentlichen Job.
Klar gab es das damals auch schon. So sind schließlich Codemasters und andere Studios entstsanden, aber während man damals noch mühevoll Texturen erstellen musste und 3D Modelle entworfen werden mussten, hat man heute riesige Bibliotheken mit Assets und Models. Heute werden Spiele in einer Echtzeitumgebung entwickelt. Ein Knopfdruck und man sieht das Ergebnis.
Und nur weil die Entwicklung eines Spiels teuer war, heißt es noch lange nicht das es gut ist.
Es gibt Spiele wie GTA und RDR2, die einen ennormen Detailgrad aufweisen. Denen kaufe ich die Entwicklungskosten ab.
Aber es gibt auch AAAA Spiele wie Skull & Bones. Diese Spiele haben einen haufen Geld gekostet und sind es dennoch nicht Wert gespielt zu werden.
Was ich damit schlussendlich sagen möchte.
Man kann nicht einfach sagen das Spiele heute die Summe X Wert sein müssen.
Es gibt zu viele Faktoren die eine Spieleentwicklung heute angenehmer machen. Arbeiten von zu Hause aus. Zugriff auf riesige Libarys. Entwicklung in Echtzeit. Entwicklung mit KI Unterstützung. Leichtere Vertriebswege. Etc. pp.
Man kann nicht einfach die Preise von damals nehmen und inklusive Inflation zur heutigen Zeit übertragen. Man muss auch den Fortschritt berücksichtigen und wie einfach heute vieles geworden ist.