Warum SteamOS schlechter ist als ihr denkt.
Dass SteamOS für einen PC-Besitzer keine gute Wahl ist, da gebe ich Dir natürlich Recht.
SteamOS ist für Valve aber die rationalste Entscheidung. So rational, dass es schwer zu verstehen ist, dass außer Valve noch niemand auf die Idee gekommen ist. Vielleicht ist es ein Vorteil, wenn eine Firma nicht an der Börse gehandelt wird und ihr Besitzer ein wenig weiter denkt als bis zur nächsten Aktionärsversammlung.
Dass Valve eigene wirtschaftliche Interessen hat, überrascht hier sicherlich niemanden. Ich habe mal eine Tabelle erstellt, die die beiden Systeme miteinander vergleicht.
[table="width: 1000"]
[tr][th]Aspekt[/th][th]Linux (SteamOS)[/th][th]Windows[/th][th]Kommentar[/th][/tr]
[tr][td]Treiberbereitstellung[/td]
[td]Treiber für Standardhardware direkt im Kernel integriert[/td]
[td]Treiber oft separat nötig (OEM, Windows Update, Drittanbieter)[/td]
[td]Ein Linux-basiertes System wie SteamOS kann sofort auf unterschiedlichster Hardware zugreifen – ein großer Vorteil für Konsolen-ähnliche Nutzung.[/td][/tr]
[tr][td]Treiber- und Peripherieunterstützung[/td]
[td]Gut – Valve investiert in Mesa, Proton & Co.[/td]
[td]Sehr gut – aber oft mit Installation von Zusatzsoftware verbunden[/td]
[td]Ziel von SteamOS ist möglichst breite PC-Kompatibilität mit Linux-Mitteln.[/td][/tr]
[tr][td]Systemanpassung[/td]
[td]Vollständig anpassbar (Open Source)[/td]
[td]Nur eingeschränkt anpassbar (Closed Source)[/td]
[td]Ein riesiger Vorteil für Valve.[/td][/tr]
[tr][td]Lizenzmodell[/td]
[td]Kostenlos, quelloffen, keine Lizenzkosten[/td]
[td]Kommerziell, Lizenzgebühren notwendig[/td]
[td]Spart Valve extrem viel Geld.[/td][/tr]
[tr][td]Containerisierung & Isolation[/td]
[td]Vollständig integriert (Namespaces, cgroups etc.)[/td]
[td]Nur über WSL2, keine nativen Namespaces[/td]
[td]Linux erlaubt flexible Softwareverteilung und Sandbox-Konzepte – unter Windows nur mit Umwegen.
Essentielle Funktion für SteamOS![/td][/tr]
[tr][td]Entwicklerfreiheit[/td]
[td]Sehr hoch, auch im Kernel-nahen Bereich[/td]
[td]Stark eingeschränkt, besonders im Systembereich[/td]
[td]SteamOS profitiert von anderen freien Linux-Entwicklern.[/td][/tr]
[tr][td]Plattformkontrolle[/td]
[td]Volle Kontrolle durch Valve möglich[/td]
[td]Abhängig von Microsoft und dessen Updatepolitik[/td]
[td]Linux ermöglicht es Valve, langfristig eine unabhängige Gaming-Plattform aufzubauen.[/td][/tr]
[tr][td]Zielsetzung[/td]
[td]Eigene Plattform mit PC-Offenheit kombinieren[/td]
[td]Nicht als konsolenartige Plattformbasis geeignet[/td]
[td]SteamOS soll Nutzer binden, ohne sie wie bei Konsolen komplett einzusperren.[/td][/tr]
[/table]
Die Containerisierung & Isolation muss man noch einmal besonders hervorheben, weil Windows diese schlicht und ergreifen gar nicht nativ beherrscht. Windows unterstützt nur VMs, besitzt aber keine leichtgewichtige Containerisierung wie die Linux Namespaces. Da kannst Du Spielen sogar ihre eigne Systemuhr geben. Falls Du ein Game hast, dass ein Jahr 2000 Problem oder etwas ähnliches hat. So kann man Spiele eben auch konservieren, indem man nicht nur das Spiel archiviert, sondern auch die Laufzeitumgebung, in der es ausführbar ist.
Die Frage ist ja auch, was hätte Valve davon ein Äquivalent zu Windows zu entwickeln, wo Steam denn gar nicht benutzt werden muss und wieder auf Alternativen zurückgegriffen wird?
Was Du ein bisschen übersiehst: Valve ist zu 100% von Spieleverkäufen abhängig, während es bei MS keine 10% mehr sind. Das verschiebt bei MS angesichts der heutigen Möglichkeiten einfach die Prioritäten. Freunde Dich schon mal damit an in spätestens 15 Jahren entweder bei Linux oder in der Cloud zu sein. Windows on premise wird Dich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überleben, außer Du bist schon jenseits der 70.