Genau das finde ich schon super schade und ich bin mir sicher, dass es Valve mindestens einmal versuchen wird, Proton an SteamOS zu binden. Jetzt ist Proton ja die Weiterentwicklung von Wine, wie wir wissen, was sich seitdem quasi nicht mehr eigenständig entwickelt.
Ich habe das Gefühl, dass du den Open Source Prozess und Proton an sich nicht so ganz verstehst. Proton ist keine "Weiterentwicklung" von Wine. Proton ist eine Sammlung von verschiedenen (open source) Tools mit ein paar extra Anpassungen von Valve oben drauf - das inkludiert Wine, aber auch Translation Layers wie vkd3d, dxvk und media en/decoder (ffmpeg, gstreamer) und VR runtimes und...
Der Vorteil von Proton ist dass all diese Teile vorkonfiguriert, spezifisch auf Spielkompatibilität geliefert werden (während zB Wine mehr allgemein "Windows Software" anvisiert). Proton an sich ist nichts "besonderes" oder "neues" und man kann mehr oder weniger dieselben Ergebnisse erhalten indem man ausschließlich die upstream Projekte verwendet (mit dem kleinen Sternchen von den paar noch nicht upstream Änderungen von Valve - aber Valve hat bisher einen guten track record diese Änderungen relativ bald in upstream zu bringen sofern sie anwendbar sind).
Die Existenz von Proton stoppt die Weiterentwicklung von den upstream Projekten nicht - Wine bekommt weiterhin Updates (mit vielen Änderungen von Valve, ja, aber bei weitem nicht nur von Valve). Worauf sich die Aussage beruht, dass Wine sich "quasi nicht mehr eigenständig entwickelt" verstehe ich ehrlich gesagt nicht.
Im Gegenteil, Wine ist ein so integraler Bestandteil von Proton dass sich die Versionsnummer (Proton 9, 10, 11, ...) direkt auf die unterliegende Wine Version bezieht. Wenn Valve Proton 11 veröffentlicht ist das nicht "der nächste Schritt mit dem Valve Wine zurücklässt" sondern im Gegenteil, Valve updated auf die neue Wine 11 Version (die bereits seit 9. Januar raus ist). Sogesehen hinkt Proton hinter Wine her, nicht umgekehrt.
Und im selben Zug kann Valve nicht einfach "Proton an SteamOS binden". Proton ist eine Ansammlung an verschiedenen Open Source Tools und ist selbst ebenso Open Source. Selbst wenn wir davon ausgehen dass Valve ab morgen Proton auf einmal hinter verschlossenen Türen weiterentwickelt (was die Lizenzen der upstream Projekte sowieso nicht erlauben) dann ist alles was sie bisher gemacht haben weiterhin offen. Valve kann niemals das was sie bisher veröffentlicht haben wieder zurücknehmen! Valve kann ebenso niemals unterbinden dass ich die öffentlich zugänglichen Dateien auf einer anderen Distribution als SteamOS runterlade und verwende. Und selbst wenn Valve irgendeinen magischen Code "der macht dass Proton nur auf SteamOS funktioniert" in Proton hinzufügt (was potentiell auch gegen die Lizenzbedingungen verstoßen könnte, aber ich bin kein Anwalt also wer weiß) kann Valve nicht unterbinden dass ich (oder, wahrscheinlicher, Distro Maintainer) diesen Code wieder entfernen. Und selbst wenn Valve magisch aus dem ganzen Internet und von jedem Computer weltweit jegliche Version von Proton löschen würden dann sind die allermeisten Änderungen und Verbesserungen der letzten Jahre nicht exklusiv in Proton, sondern größtenteils bereits im upstream wie zB Wine, dxvk, usw.
Klar, es ist immer besser wenn mehr Firmen kollaborieren weil es schon möglich ist, dass eine (oder wenige) Firmen alleine zu stark die Richtung eines Projektes angeben können in eine die ihnen hilft, aber eben nicht unbedingt der Allgemeinheit. Aber Wine hat mMn eine gesunde Bandbreite and Entwicklern auch abseits von Valve und... selbst du scheinst ja Proton als Technologie zu mögen, nur eben nicht dass es von Valve ist. Entsprechend scheint ja das Ziel (zumindest in technischer Sicht) mit "unserem" (= Spiele gut spielen zu können) zu überschneiden.
Das ist doch das schöne an Open Source - ich muss die Leute/Firmen/... die kollaborieren nicht mögen, aber ich kann daran glauben dass sie in ihrem eigenen Interesse arbeiten: "Wir verwenden Tool XY das open source ist und wollen dass es für unser Profitgeschäft besser ist. Der einfachste Weg dafür ist diese Verbesserungen zu machen und sie dem upstream zu geben weil wir sie dann nicht mal mehr Instandhalten müssen". Open Source ist die Verkörperung von Interessen aneinander ausrichten. Wir wollen bessere Software für die Allgemeinheit und die Firma will bessere Software um mehr Geld zu machen. Beide dieser Ziele werden mit derselben Aktion erreicht: Open Source Kollaboration. Ich mag Microsoft, Google, Meta, Bytedance, ... auch absolut nicht, freue mich aber wenn sie Verbesserungen in den Linux Kernel, ffmpeg, ... beitragen. Weil ich eben auch davon profitiere und selbst wenn sie eines Tages aufhören das zu tun, können sie ihre bisherigen Verbesserungen nicht mehr zurück nehmen.
Sorry für diesen super langen Text, aber ich hoffe es war doch verständlich und lesbar.