Hast du dir Picard angeschaut dann wüsstest das er nicht auf einer Reise war ein Krimi zu lösen sondern zu möglichst vielen Leuten zu sagen "I´m Sorry" Ob es nun für den Mars Vorfall war oder einfach nicht angerufen hat (ob es nur einseitig ginge.....). 90er geschah das nicht. Ausserdem auch wird einem Ständig an der Nase vorgekaut wie man sich fühlen soll in Szenen, ist auch ein Teil davon. Sozusagen du denkst falsch wenn du anders Fühlst
Von "He-Man" zu Picard ist es jetzt allerdings ein seeehr weiter Stretch. Wenn du alle Geschichten, in denen ein alter Mann mit seinen zurückliegenden Entscheidungen hadert, unter "Wokeness" ablegst, kann ich dir gerne ein ganze Reihe Werke antiker oder mittelalterlicher Autoren nennen, die so "woke" waren, das du sie auf jeden Fall vermeiden solltest.
Jean-Luc Picard war schon zu TNG-Zeiten als stark selbstreflektierende Figur angelegt. Dass das jetzt krankhaft überhöht wird, weil schlechte Autoren meinen, damit billig Dramatik und Pathos zu erzeugen (Was, wie wir uns sicher einig sind, nicht im Geringsten funktioniert ...), kann man sicherlich politisieren. Muss man aber nicht.
Mein Eindruck ist, dass die Gegner von "Wokeness" (Was immer diese konkret darunter verstehen, denn das bleibt ja auch hier im Thread nach wie vor eher schwammig ...) mehr missionarischen Eifer an den Tag legen als diejenigen, denen sie eine solche unterstellen. Manchmal ist der Untergang eines Franchise im Speziellen und ein Hang dazu, Serien mit Gewalt auf kaputte Charakter zu trimmen genau das: eine augenblickliche - wie ich finde - Fehlentwicklung auf dem Unterhaltungsmarkt.
Serien in den 80ern und 90ern hatten auch ernste Themen und ambivalente Charaktere, aber dennoch insgesamt eine Leichtigkeit, die den meisten heutigen Serien abgeht. Das Ziel war Eskapismus und es gab ein paar Dinge, auf die man sich verlassen konnte: Protagonisten berappeln sich, sie versterben nicht unvermittelt und am Ende wird alles gut. Viele heutige Serien versuchen eher, kaputte Realitäten nachzuerzählen, was ich persönlich - Verzeihung - Scheiße finde, denn mit der beschissenen Realität setze ich mich bereits jeden Tag beruflich und manchmal auch im persönlichen Alltag auseinander, das brauche ich nicht auch noch , wenn ich mich vor der Glotze davon erholen will.
Kurz gesagt: Ich streite nicht ab, dass es gewisse "erzieherische" Tendenzen gibt und manche Franchises entsprechend umgemodelt werden. Aber man muss deswegen nicht paranoid werden und jede (Fehl-) Entwicklung darauf zurückführen, dass damit eine Agenda geschubst werden soll. Manchmal sind eine schlechte Story, schlechte Charakterentwicklung und lahme Dialoge auch einfach nur handwerkliche Unvermögen, gelegentlich in Tateinheit damit, dass Leute mit der Durchführung betraut werden, die den zugrunde liegenden Stoff wenig bis gar nicht verstanden haben.
Um mal die Kurve zurück zu Star Trek zu nehmen: in Das Fanchise wurden schon Sargnägel reingeschlagen, bevor auch nur irgend jemand wusste, was "woke" ist und sich Sorgen machen konnte, ihm würde das Hirn gewaschen werden.
Das Hauptproblem ist aus meiner Sicht die Tendenz der Vermarktung um jeden Preis und kurzzeitige Gewinnerwartungen. Auch Medienunternehmen haben heutzutage einfach keinen langen Atem mehr, um ein Franchise zu pflegen und es vorsichtig zu modernsieren, sollte es zu bräsig werden. Und, machen wir uns nichts vor, Star Trek hat schon, bevor es von Abrams, Kurtzman und Co. aus verschiedenen Stoßrichtungen beschädigt wurde, leicht den Anschluss verloren.
Ich bin allerdings der Meinung: Wenn sich mit einer grundlegend positiven Vision der menschlichen Zukunft, in der es um Forscher- und Entdeckerdrang und dann und wann einen Konflikt, den man aber bevorzugt ohne Phaser lösen kann, kein Geld mehr verdienen lässt, sollte man das Franchise lieber in Würde sterben lassen, statt es mit Action, Effekten und/oder Pathos zu überfrachten und damit zu versuchen, ein neues Publikum anzusprechen, dass die Aufmerksamkeitsspanne einer Stubenfliege und das Hintergrundverständnis eines Plattwurms hat.
Ende des Rants eines alten weißen Mannes.
