Raptor Lake: Angeblich mit 8 großen und 16 kleinen Kernen

Im Prinzip gibt es drei Szenarien

1: Die Software nutzt 8 Threads oder weniger. Dann ist Intel, mit seinen großen Kernen, schneller.
2: Die Software nutzt zwischen 8 und 16 Threads und diese auch möglichst voll, damit die Atomkerne möglichst schlecht dastehen. Dann ist AMD besser.
3: Die Software nutzt 32Threads oder sogar mehr, dann kann Intel wiederum seine zusätzlichen Kerne voll ausspielen.

Die Software verteilt sich grob auf Fall 1 oder 3, Fall zwei ist selten. Entweder wird mäßig optimiert oder es wird extrem gut optimiert.
In Ermangelung eines besseren Begriffs würde ich das als Denkfehler bezeichnen.
Ja, selbstredend hat die Software einen Einfluss, wie heute auch schon, denn bei bspw. schlecht parallelisierender Software nützen viele Kerne nichts sondern hauptsächlich nur Takt. Der wesentliche Punkt dürfte aber sein, dass zwei kleine, langsamere Atoms (insbesondere der neuesten Generation) vermutlich mindestens genau so schnell wie ein großer Kern inkl. SMT sein werden, d. h. für einen gewissen Teil der Workloads spielt es gar keine Rolle bzgl. der Kernverteilung, solange lediglich sichergestellt wird, das ja die großen Kerne vollständig ausgelastet sind und das ist vergleichsweise trivial zu erreichen.
Beispielsweise bei Intels 8+8 kann man davon ausgehen, dass der für massivparallele Workloads min. auf dem Niveau eines 5900X rangiert, tendenziell gar bereits darüber (so bspw. zu erwarten im 3D-Rendering), d. h. es macht hier keinen Sinn pauschal von einem "schlecht dastehen" zu sprechen. Am Ende wird es sich einfach darauf reduzieren, welche konkreten CPU-Modelle relativ zueinander schlecht oder auch gut dastehen. So wie ein Vierkerner aktuell i. V. z. einem Achtkerner schlecht dasteht, natürlicherweise, wenn vorrangig MT-Workloads betrachtet werden, wird sich das mit dem Hybrid Design fortsetzen.

Und dieses von so manch anderem unterstellte "Kernkompensieren" etc. kann man ebenso ignorieren, denn am Ende wird sich der Preis schlicht an der abgelieferten Leistung orientieren (müssen) und nicht an einer irgendwie schöngerechneten Kernzahl. Wenn bspw. ein großer ADL-S 8+8 gar einen 5900X übertrifft, wird der auch in dieser Preisregion aufgehängt werden (tendenziell gar noch etwas mehr wegen Marktführerbonus, ist ja bei nVidia nicht anders; auch die können sich das erlauben).
Zudem wurden auch X+0 Design erneut bestätigt und wer das interessant finden sollte, könnte natürlich auch dazu greifen, aber derartige Überlegungen dürften ausnahmslos preisgetrieben sein und nicht etwa technischen Bedenken aufsitzen, denn bspw. ggü. einem 8+0-Design werden 8+4- oder gar 8+8-Designs grundsätzlich leistungsfähiger sein.

Darüber hinaus zeichnet sich immer mehr ab, dass die mit ADL beginnende Änderung des Designparadigmas kein Testlauf, Experiement oder eine Art "Eintagsfliege" sein wird. Das ist eine langfristige Strategie von Intel, die sich hier absehbar auch fest etablieren und damit ein fester Marktbestandteil werden wird, absehbar ebenso auf dem Desktop.
 
Bin gespannt wie das Interconnect aussehen wird. Ich vermute ja, Intel will bis man da im Bereich Skalierung und Latenzen eine zu AMD konkurenzfähige Lösung hat beim beim Ringbus bleiben und flanscht halt dann die acht Coves jeweils als einzelnes Teinehmer und die Gracemonts in Vierer- oder Achtercluster jeweils als Teilnhmer in den Ring.

So könnte Intel bei Zehner-Ring bleiben, der ja bis zu dieser Anzahl noch recht gut skaliert und die Latenzen in Ordnung sind. Ich habe nämlich den Eindruck dass das Mesh-Interconnect, welches man seit Skylake-X kennt, nicht so gut für niedrige bzw. mittlere Kernanzahlen geeignet ist wo gleichzeitig auch Effizienz und niedrige Latenzen gefordert sind.
 
Ich kann mir sogar gut vorstellen, dass auch AMD zukünftig auf ein big+little Konzept setzen muss. Zumal sie dann von der Vorarbeit von Intel+Microsoft Windows 11 seitig profitieren können. Bei der iGPU gibt es ja jetzt auch Gerüchte, wonach sie Intels Weg einschlagen und eine kleine iGPU in Raphael verbauen, welche doch sonst oft verpönt gewesen ist. Für OEMs aber der richtige Weg.

Ich glaube auch, dass es für AMD in den nächsten Jahren schwierig sein wird, um mit Intels Entwicklungstempo mithalten zu können. Mit Zen 4 macht sich die erste Verzögerung breit, das jährliche CPU Upgrade ist Geschichte. Technologisch hängen sie demnächst schon ein wenig hinterh, ich meine DDR5 erst 1 Jahr nach Intel ist ein Dämpfer.
 
Und dieses von so manch anderem unterstellte "Kernkompensieren" etc. kann man ebenso ignorieren, denn am Ende wird sich der Preis schlicht an der abgelieferten Leistung orientieren (müssen) und nicht an einer irgendwie schöngerechneten Kernzahl. Wenn bspw. ein großer ADL-S 8+8 gar einen 5900X übertrifft, wird der auch in dieser Preisregion aufgehängt werden (tendenziell gar noch etwas mehr wegen Marktführerbonus, ist ja bei nVidia nicht anders; auch die können sich das erlauben).
Das war aber, gerade bei Intel in der Vergangenheit oft nicht der Fall. Preis/Leistung war oft (nicht immer) ein Fall für AMD.

Aber was ich wirklich lustig finde, gerade du hast doch bei jedem Bericht, wo ein 5950X und selbst ein 5900X erwähnt wurde, gebetsmühlenartig wiederholt, dass dies ja kein Mainstream mehr sei. Jetzt kommt Intel mit 24 Kernen und auf einmal ist es dies? Vieleicht hab ich deine Intention hier falsch verstanden, aber ich sehe keinen Vorteil (derzeit) in 24 Kernen. Es wird Effizienzausnahme geben, in allen anderen Bereichen wird ein 8+8 das maximal sinnvolle sein. Für Games halte ich derzeit 12 Kerne für am sinnvollsten, 8 Kerne braucht man fürs Game, 4 weitere für irgendwelche Hintergrundlasten. Alder Lake wird das Ganze mit seinen 8 schnellen Kernen genauso gut (architektonisch bedingt, vieleicht auch etwas besser) erledigen und die 8 little Kerne werden für die Hintergrundlast ausreichen, hoffentlich schafft der Windows Scheduler das, oder es wird ein Tool zur einfachen Kernzuweisung geben. Dann bin ich aber optimischtisch, dass Intel die Leistungskrone im Gaming zurückerobern wird. In Anwendungen wird ein 16 Kerner aber weiterhin vorne bleiben, da bin ich mir mittlerweile recht sicher, insbesondere wenn die XT Variante mit 3D Cache wirklich kommen sollte, dann kann es für AL auch mit dem 12 Kerner wieder knapp werden.
 
"Das war aber, gerade bei Intel in der Vergangenheit oft nicht der Fall. Preis/Leistung war oft (nicht immer) ein Fall für AMD."

Hier verstehe ich nicht ganz was der Preis mit dem zitierten "Kernkompensation"spunkt zu tun hat. Vielleicht wurde jedoch nur nicht klar, was ich damit meinte (zugegebernmaßen etwas knapp mit einem Begriff versucht zu umreißen), denn hier geht es mir um den vielfach implizit oder auch explizt in den Raum gestellten Punkt, dass es die kleinen Kerne gibt, weil Intel es nicht anders hinbekommt. Derartige Unterstellungen sind offensichtlich zu kurz gedacht, da deren Hybrid Technologie anscheinend ein fester Bestandteil der Roadmap auf mehrere Jahre hin ist und auch AMD springt gleichermaßen auf diesen Zug auf, wie Gerüchte zuvor und jetzt kürzlich ein Patent zeigte.

Zurückkommend auf deinen Preispunkt: Wenn der Markt mir als Hersteller es zugesteht, Produkt XY für 250 € anstatt 170 € zu verkaufen, dann mache ich das selbstredend. Ich wäre blöd, wenn ich das nicht täte (und meine Shareholder würde es mir übel nehmen). AMD dagegen gesteht der Markt eine derartige Preisgestaltung schlicht nicht zu und deshalb müssen sie günstiger sein.

"Intention" ... ja hast du definitiv, aber das bin ich gewohnt, wobei du zumindest noch hinterfragst, denn andere folgen da gleich ihrem Bias und meinen festzustellen. ;-)
Deine Beobachtung ist unzutreffend oder zumindest unzutreffend widergegeben, da hier der Kontext komplett außen vorgelassen wird.
Und nicht ich erwähne etwas immer wieder gebetsmühlenartig, sondern dieses wird immer wieder hier und da von Fanboys gebetsmühlenartig angeführt, wenn reguläre Argumente nicht mehr in ausreichendem Maße zu greifen scheinen und man ein vermeintliches Totschlagargument hervorzaubern muss (ungeachtet der Relevanz).
Und entsprechend war bei mir auch schon in diesem Post hier zuvor zu lesen:

"Darüber hinaus besteht gar zweifellos ein Rückstand bzgl. der absoluten Kernzahlen im Consumer-Markt, nur dürfte die Relevanz [von ADL 8+8] noch vergleichsweise gering sein, da der Consumer-Markt sich gerade auf Achtkern-CPUs einzuschießen beginnt."

Würde Intel hier auf Marge verzichten, könnte die die Relevanz für den Markt insgesamt sicherlich betröchtlich erhöhen, aber vermutlich wird der Marktdruck für ein derartiges Handeln weitehrin zu gering sein, sodass sich die CPUs weiterhin preislich an der abgelieferten Leistung orientieren werden, egal ob diese über bspw. 12 große oder über 8+8 Kerne zustande kommt.

Es gibt eine Vielzahl an Workloads für den Mainstream für die hochkernige CPUs schlicht Overkill bzw. im schlimmsten Fall gar unnötig ausgegebenes Geld sind, das in bspw. einer GPU besser investiert gewesen wäre. "Lustig" ist bestenfalls, dass einige für eine Bekäftigung der "absoluten Makrtdominanz/Weltherrschaft" (warum habe diese Leute so etwas überhaupt nötig zu behaupten? ;-)) von AMD immer den 16-Kerner hervorzuzaubern versuchen und erklären, dass das Intel im Consumer-Markt derzeit nicht parieren kann. Wie erklärt, zweifellos korrekt, ebenso unzweifelhaft für den Consumer-Markt insgesamt jedoch auch nur von geringer Relevanz und damit auch für die absoluten Absatzzahlen. ;-)

Und wenn sich die Diskussion um derartige Mainstream-Workloads dreht, spielt der Hersteller oder der Modellname auf dem CPU-Package da auch selbstredend keine Rolle. Etwas anderes habe ich übrigens auch nirgends impliziert, d. h. hier folgst du eher deiner eigenen Erwartungshaltung bzw. meinst irgendeinen Widerspruch finden zu müssen, der meinerseits jedoch nicht existiert. Wenn ich derartige Punkte anführe, dann nur im Kontext des allgemeinen Marktverhaltens. Was dagegen eine konkrete Einzelperson macht, ist ein komplett anderes Thema und kann durchaus sinnvoll oder auch vollkommener Unsinn/Overkill sein; die Relevanz insgesamt hängt davon ab, wie groß der Anteil dieser abweichenden Einzelentscheidungen in Bezug auf den betrachteten Markt ist.

Kerne, 12, 16, 24, hin oder her sind auch irrelevant in der Betrachtung *), denn am Ende kann man die Formel viel einfacher darstellen und einfach auf das abgelieferte Leistungsniveau blicken, wie auch immer das realisiert wird, denn daran wird sich der Preis orientieren und der wird am Ende bestimmen wie schnell oder langsam sich was im Markt durchsetzen wird, vorausgesetzt, dass es auch entsprechende Workloads gibt.

Bezüglich des Gamings muss man einfach abwarten, wie sich das entwickeln wird, denn die (Markt)Abhängigkeiten hier sind komplex und hier gilt zweifellos nicht pauschal ein "Mehr ist Besser". Beispielsweise MLiD geht davon aus, dass sich Intel mit ADL die "Gaming-Krone" (wenn man auf dem Begriff unbedingt rumreiten will) zurückholen wird, was vorrangig an den beträchtlichen IPC-Zugewinnen liegen dürfte, die weiterhin von ihm mit +20 % angegeben werden im Vgl. zu Tiger Lake/Willow Cove. Darüber hinaus ist aber die Frage, welche Ressourcen zukünftige Games überhaupt überwiegend nutzen werden, denn ebenso absehbar werden hochkernige CPUs vorerst nur vereinzelt und dann auch nur für optionales "Gedöns" in diesen Engines verwendet werden, was schlicht daran liegt, dass sich kein Hersteller seinen Absatzmarkt künstlich verkleinern will. Ein weiterer Punkt rein bzgl. dem Gaming bleibt, dass die Konsolen gerade mal über acht langsame Zen2-Kerne verfügen und das lassen aktuell verfügbare CPUs schon deutlch hinter sich (gar selbst die von Intel). Mit ihrer Marktmacht werden die Konsolen jedoch über die nächsten Jahre hinweg auf einen Großteil der Games entscheidenden Einfluss nehmen und die Entwickung wieder ausbremsen, d. h. selbst wenn AMD bspw. den 24-Kerner mit Zen4 im Consumer-Segment bringen sollte oder auch ein Raptor Lake-24-Kerner kommt, werden die absehbar Overkill sein.
Die vermutlich wesentlichere Frage bzgl. dem Konsumermarkt und hohen Kernzahlen wird die Frage nach den Fertigungskosten sein. Beispielsweise Intels Atom-Kerne sind deutlich kleiner und ermöglichen mehr Kerne pro Wafer-Fläche. Abschätzungen liegen bei 4 Gracemont-Kerne pro Golden Cove-Kern (ich würde eher ein 3:1-Verhältnis annehmen), was natürlich Fläche einzusparen hilft und potentiell günstigere Produkte ermöglicht. Bei Intel ist aber natürlich auch die Frage, ob der Markt sie dazu zwingen kann diese durchzureichen oder ob die weiterhin unverändert ein so komfortables Polster haben, dass sie sich das Delta als Margenzugewinn einverleiben können. Für AMD dagegen wird es erneut teuer, denn wenn der Zen4-Ryzen mit drei CCDs tatsächlich kommen sollte, wird das ein beträchtlicher Anteil im teueren N5 werden, dazu der neue IOD und dann das komplexe Packaging.
Als Konsument kann man von der sich weiter verschärfenden Konkurrenzsituation jedoch weiterhin profitieren, denn AMD muss zwangsweise mit dem günstigeren Preis aufwarten (bei vergleichbarem Leistungsniveau) und mit ein Wenig Glück wird der Druck auf Intel hoch genug sein, sodass sich das Preisniveau insgesamt in Grenzen hält.


*) Dass du darin keinen "Vorteil" siehst, zeigt doch, wie unterschiedlich hier die Meinungen im Forum sind. Beispielsweise wenn ich im Bereich 3D und Videoschnitt unterwegs bin, kann ich durchaus ein paar mehr Kerne gebrauchen , wenn ich dagegen programmiere, komme ich mit deutlich weniger aus. Es hängt halt vom konkreten Anwendungsszenario ab und auch wie man dieses anwendet, denn es ist noch mal ein Unterschied, ob man das machen muss, bspw. (semi-)professionell oder ob man nur etwas gerne hätte (weil nice-to-have oder hipp?). Gerade letzterer Punkt kommt zumeinst in einer realen Marktbetrachtung zur Anwendung, denn wenn es darum geht die neue Plattform für bspw. einen teueren 16-Kerner mit passendem MB und Speicher auszulegen, schaut der typische Konsument, wenn es keine triftigen Gründe gibt, dann doch eher auf das, was am Ende unter dem Strich steht und kommt derzeit überwiegend zu dem Schluss, dass es ein Sechs- oder bestenfalls Achtkerner doch eigentlich auch tut. ;-)
Psychologisch kommt dann immer noch in Hinterkopf die "und ich könnte ja auch später/irgendwann noch einen 16-Kerner nachrüsten"-Überlegung hinzu, die ihr Übriges dazutut, in der Summe jedoch weitaus weniger Gewicht für den Markt haben dürfte, als man gemeinhin annehmen dürfte, denn in 2022/23 werden die neuen Produkte bereits wieder ganz andere Begehrlichkeiten wecken und dann wird oftmals dennoch komplett neu gekauft.

**) Weiterfürhende Überlegung zu "12 Kernen fürs Gaming am sinnvollsten". Auch das hängt wieder von den persönlichen Präferenzen ab. Wenn Geld keine Rolle spielt und/oder man die maximal möglichen Fps über alles wertet, stellt sich natürlich so einiges anders dar.
Man kann bspw. aber eine Perf/Watt-Betrachtung aufspannen und da schneiden die 2-CCD-Chips deutlch schlechter ab, sodass man durchaus argumentieren könnte, dass der zudem günstigere Achtkerner eher der Sweetspot ist. Beispielsweise in Borderland 3, Sot Tomb Raider, WD Legion und FC New Dawn schneiden der 5900X und 5950X diesbezüglich deutlich schlechter ab. Die CPUs "verbrauchen" real 35 - 50 % mehr Watt i. V. z. einem 5800X und liefern dafür nur zwischen 3 - 10 % mehr Fps, was man durchaus als ein schlechtes Verhältnis ansehen könnte.
Am Ende muss das jeder für sich selbst entscheiden und mit seinem eigenen Geldbeutel ausmachen, da würde ich keinem reinreden wollen, denn das ist letzten Endes Ansichtssache ... keine Ansichtssage oder Meinung ist dagegen, was der Markt insgesamt macht und wie er auf derartige Produkte schaut und die entsprechenden Konsequenzen daraus, d. h. wie viele Produkte umgesetzt werden, wie viel Umsatz das einem konkreten Hersteller beschert oder zu welchen Marktanteilen das führt.
 
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