Wobei das de facto in Deutschland auch unterlaufen werden konnte. Ab Mitte der 60er liefen in jedem Bahnhofskino "Aufklärungsfilme" mit Laiendarstellern, von denen einige tatsächlich unter 18 Jahre alt waren oder zumindest explizit den Anschein erwecken sollten, sie wären es. Dass schmuddelige Kinos nicht unbedingt die Orte sind, die sexuell aufzuklärende Personen aufsuchen, muss vermutlich nicht diskutiert werden. Den "Schulmädchen-Report" goutierten der Manni vom Bau und der Herr Oberstudienrat von und zu Blasewitz gleichermaßen.
Und wer späterhin Aufnahmen von unbekleidet posierenden Minderjährigen sehen wollte, musste nur die "Bravo" und deren Nachahmer kaufen. Ebenfalls unter dem Deckmäntelchen der Aufklärung wurden dort Minderjährige seitenfüllend abgebildet und durften in bunten Textkästchen berichten, wie es um ihr Liebesleben bestellt ist. Keine Ahnung, ob das heute noch der Fall ist.
Wohlgemerkt, ich will nicht moralisieren und finde es jetzt auch nicht unbedingt sinnvoll, auf 18 Jahre als Alter zu pochen - so nach dem Motto: "Bis 23:59 Uhr illegal, danach Hoppsassa", allerdings sehe ich da eine Diskrepanz zwischen dem Buchstaben des Gesetzes und der Realität. Und wenn der Eine verknackt werden kann, weil er Fantasiegeschichten mit fiktionalen Anscheins-Minderjährigen produziert und verbreitet, während gleichzeitig prominente Zeitschriften mit hoher Auflage Full-Frontal-Shots von echten (oder zumindest explizit behaupteten) Minderjährigen drucken, sehe ich eine gesetzliche Schieflage und eine gewisse Bigotterie.
Und letztere zieht sich, um mal wieder die Kurve zum eigentlichen Thema zu nehmen, natürlich durch zu Pornographie im Allgemeinen. Ich will nicht wissen, wie viele Leute, die sich jetzt ganz große Sorgen machen, was sich die Jugend im Internet anschaut, ihn ihrer eigenen Jugend ganz genau wussten, wo der Herr Papa seine Herrenmagazine und die "Heimatfilme" aufbewahrt, wie man diese unauffällig an sich nimmt, ordnungsgemäß wieder zurücklegt und natürlich, wie man sie möglichst rückenschonend einhändig konsumiert.
Und ja, von offizieller Seite soll ruhig versucht werden, das Ganze einzuschränken. Damit macht man sich zwar lächerlich und es ist zum Scheitern verurteilt, aber was soll's, Behördenmitarbeiter werden dafür bezahlt, sich bei Bedarf im Dienste der Bevölkerung zum Affen zu machen. Durch solche Aktionen wird kein einziges Kind weniger zu sehen bekommen als vorher, aber vielleicht werden dadurch ein paar Erziehungsberechtigte dafür sensibilisiert, sich damit auseinanderzusetzen, was ihre Sprösslinge treiben und wie man damit umgehen könnte.
Kurz gesagt: Man kann Kinder nicht davon fernhalten. Das ging vor dem Internet nicht und heute erst recht nicht. Aber man konnte sie schon immer schonend darauf vorbereiten, was sie irgendwann zu sehen bekommen werden und man konnte schon immer mit ihnen auswerten, was sie bereits gesehen haben.
Die historische Quellenlage ist eindeutig: Die Jugend ist sitten- und zügellos und verroht immer mehr - zuverlässig seit Beginn der Geschichtsschreibung. Seltsamerweise blieb der Status quo trotzdem erhalten, seit der erste "Jugendschützer" seine Sorgen in eine Tontafel geritzt hat.
@plusminus
Heul doch!