Monitore ordentlich zu testen erfordert leider einige mehr oder weniger teure Messgeräte:
-Photometer/Luxmeter -> ab ~40€ für Kontrast, Helligkeit, Schwarzwert, Homogenität
-Digitalkamera mit variabler Belichtungszeit -> Reaktionszeit, Homogenität/"Backlightbleeding" und Inputlag nach der Photomethode
-Kolorimeter -> ab ~100€; kalibrieren des Monitors, Farbraum (Einige Kolorimeter können auch als Photometer genutzt werden)
-2-Kanal Speicheroszilloskop das auf DVI triggern kann + entsprechender Tastkopf + Optischer Tastkopf -> präzise Inputlagmessung; leider geradezu utopisch teuer (>>10000€).
-Oszilloskop mit Optischem Tastkopf zum Messen von Reaktionszeit und Backlightflimmern
Messen:
Helligkeit:
Helligkeit auf 100% aufdrehen und einfach mit dem Photometer die Helligkeit des Bildschirms beim darstellen eines weißen Bildes messen; der Test kann gegebenenfalls mit verschiedenen Bildschirmeinstellungen wiederholt werden; er sollte auf jeden Fall nach dem kalibrieren wiederholt werden; üblich ist es auch bei 50% und 0% (minimaler) Helligkeit zu testen
Schwarzwert:
Das Messen des Schwarzwerts erfolgt analog zur Helligkeit nur das eben ein dunkles Bild angezeigt wird
Kontrast:
Der Kontrast kann prinzipiell auf zwei Arten gemessen werden: statisch und dynamisch.
Dynamischer Kontrast
Kann aus den Ergebnissen des Helligkeits/Schwarzwertstests errechnet werden (Helligkeit:Schwarzwert)
Statischer Kontrast
Der Statische Kontrast wird an einem Schwarz-Weiß Schachbrettmuster gemessen, der Schwarzwert wird in den schwarzen, die Helligkeit in den weißen Kästen gemessen; selbstverständlich sollten die Kästen groß genug gewählt werden um sich nicht zu beeinflussen
Homogenität a:
Zum Messen der Homogenität wird die Helligkeit und der Schwarzwert in verschiedenen (üblicherweise 9) Bildbereichen vergleichen; es kann prinzipiell sowohl an einem Schwarz- und an einem Weiß- Bild als auch an einem Schachbrettmuster gemessen werden (in letzterem Fall sollte man natürlich ein weiteres Mal am Negativ messen)
Homogenität b:
Bei dieser qualitativen Methode wird der Monitor der ein schwarzes Bild bei 100% Hintergrundbeleuchtung darstellt mit langer Belichtungszeit (und Stativ) fotografiert; helle Stellen (insbesondere kleine, die von Methode a nicht oder nicht voll erfasst werden) sind auf dem Foto deutlich zu erkennen- man hat aber keine konkreten Werte und der Test ist bestenfalls sehr begrenzt für einen Vergleich verschiedener Monitore geeignet.
Reaktionszeit:
Hier existieren verschiedene Messverfahren. Eine gängige und durchaus praktikable ist es ein Objekt mit kurzer Belichtungszeit zu fotografieren das sich schnell im Bild bewegt ("Schlierentest"siehe: EIZO Monitortest-19 oder PixPerAn); häufig wird sowohl mit Schwarz-Weiß als auch mit diversen Farbkontrasten gemessen; in letzterem Fall wird das Ergebnis oft gemittelt. Auf dem Foto kann man einen "Schatten" erkennen den ein bewegtes Objekt nachzieht... zumindest sollte das der Fall sein... Die Reaktionszeit kann aus dem Ergebnis so berechnet werden: (Reaktionszeit=Schattenlänge/Geschwindigkeit); Alternativ kann der Helligkeitsverlauf auch am Wechsel zwischen zwei verschiedenen Bildern mit einem Oszilloskop mit optischem Tastkopf gemessen werden. Letztere Methode ist vor allem bei sehr geringen Reaktionszeiten unter 5ms praktikabler. Hat der Monitor
Overdrive sollte mit allen verfügbaren Stufen seperat getestet werden. Die Reaktionszeit kann sich unter Anderem in Abhängigkeit von Overdrive, der Bildwiederholrate und dem Kontrast ändern.
Farbraum:
Der Farbraum kann mit einem geeigneten Kolorimeter auf einfache Art und Weise gemessen werden, gemessen werden sollte nachdem der Bildschirm kalibriert wurde. Alternativ lässt er sich theoretisch auch mit einem Photometer in Kombination mit genormten Farbfiltern messen was aber nicht ganz einfach ist. Kalibriert werden kann ein Bildschirm am einfachsten über die bei handelsüblichen Kolorimetern beiliegende Software.
Latenzzeit:
Den berüchtigten "Inputlag" (Latenzzeit), eine Verzögerung zwischen dem Empfang eines Bildes durch den Monitor und der Darstellung, zu messen ist leider alles andere als trivial. Beachten muss man auch das er nicht unbedingt konstant ist. Diverse Bildschirmeinstellungen, insbesondere Overdrive können ihn verschlechtern, ein analoges Eingangssignal oder ein Eingangssignal mit falscher Auflösung das interpoliert werden muss können sich ebenfalls gravierend auswirken; manche Monitore ändern den Lag mit jedem Einschaltvorgang. Beachtet werden muss auch das es anscheinend häufig eine erhebliche Serienstreuung gibt die in Tests leider fast nie berücksichtigt wird. Auch an DVI/HDMI gegenüber Displayport kann sich die Latenzzeit theoretisch geringfügig verschieben, auch in Abhängigkeit von der Bildwiederholrate kann sie sich verändern. Grundsätzlich sollte jedenfalls mehrfach gemessen werden (Monitor und bei der Fotomethode PC ein-und Ausschalten, diverse Einstellungen ausprobieren, Abweichungen angeben)
"Fotomethode"
Eine einfache Methode den Inputlag zu messen ist die sogenannte Photomethode. Im Prinzip wird dabei auf zwei Monitoren das selbe Bildsignal angezeigt, üblicherweise eine Stoppuhr, die Monitore werden dann mit kurzer Belichtungszerit (<halbe Frametime) Fotografiert; sieht man auf dem Bild auf beiden Monitoren eine unterschiedliche Uhrzeit ist die Ausgabe auf einem Monitor gegenüber dem anderen verzögert. Als "Referenzmonitor" wurden früher häufig CRTs genutzt da diese praktisch keine Reaktionszeit haben- allerdings ist der analoge und der digitale Ausgang gängiger Grafikkarten im Allgemeinen nicht synchron was das Ergebnis erheblich verfälschen kann. Ein Vergleich mit einem Bildschirm bekannter Reaktionszeit am selben digitalen Ausgang (mit y-Adapter) ist daher vorzuziehen; man muss den "Referenzmonitor" jedenfalls mit Bedacht wählen, es sollte sich um ein Modell handeln dessen Latenzzeit "stabil" ist und der entweder anders getestet wurde oder von dem bekannt ist das das Modell nur einer geringen Serienstreuung unterworfen ist. Ein gutes Stoppuhrenprogramm ist das SMTT (5€)
Oszilloskop
Mit einem geeigneten (High-End) Oszilloskop kann man das DVI Signal direkt mit der (über einen optischen Tastkopf gemessenen) Ausgabe vergleichen.
Backlightflimmern:
Die Hintergrundbeleuchtung vieler Monitore wird PWM geregelt; dabei kann ein Flimmern auftreten, welches sich mit einem Oszilloskop und einem optischen Tastkopf einfach messen lässt. Spätestens jenseits von 1~kHz ist das Flimmern nichtmehr erkennbar. Es ist jedoch wichtig das auf allen Helligkeitsstufen kein Flimmern auftritt.
Blickwinkel:
Eine gängige Methode zur Messung des Blickwinkels ist es den Monitor aus verschiedenen Winkeln (am Besten aus relativ großer Entfernung, Mit Teleobjektiv) mit konstanten Kameraeinstellungen und konstantem Bild zu fotografieren und die Bilder zu vergleichen; der Test ist freilich eher quantitativ. Es gibt auch ausgereiftere Verfahren bei denen Kontrast-und Farbveränderungen Winkelabhängig mit einem Photometer und/oder Kolorimeter und einer *geeigneten* Optik präzise vermessen werden können.
Weiters kann man gängige Monitortestprogramme nutzen und Auffälligkeiten dokumentieren; die Farb- und Grauverläufe in kalibriertem wie unkalibriertem Zustand sind hier besonders interressant; Abschließend sollte man das Herstellerdatenblatt nutzen und um eigene Messwerte ergänzen
Allgemeiner Test:
Funktionsumfang, OSD, Schnittstellen, Interpolationsfähigkeiten sowie insbesondere auch die Verarbeitung, Design und Materialwahl können sollten natürlich qualitativ beschrieben und fotografisch dokumentiert werden; Wichtig ist in dem Zusammenhang auch die Ergonomie (also praktisch die Features des Standfußes) und die Möglichkeit eine alterneative VESA-Befestigung zu nutzen, die Bedienbarkeit des OSD (Platzierung und Ausführung der Knöpfe usw.), beigelegte Softwar (und Hardware?), Das Gewicht und der Energieverbrauch in verschiedenen Helligkeitszuständen.
Reverse Engineering:
Weiters kann man die Funktionsweise des Monitors näher untersuchen und diesen auf nicht dokumentierte Konfigurationsmöglichkeiten, Technische Schwachstellen (etwa billige Elkos, fragile Kunststoffteile) sowie auf Warbarkeit (kann der Monitor einfach und ohne Garantieverlust zerlegt werden) hin untersuchen, auch genauere Informationen über die verbauten Bauteile, insbesondere Panel und Hintergrundbeleuchtung können interressant sein. Auch das Netzteil verdient eine nähere Betrachtung: Intern oder Extern? Mit welchen Spannungen kann es umgehen? Welche Spannung gibt es aus? Vor allem bei internen Netzteilen: Gibt es nur eine Spannung aus oder mehrere? Bei externen: was hat es für Stecker? (Wie weit) Kann der Monitor durch höheren Vsync "übertaktet" werden?