@Uziflator: Die Iraner zählen zu den persischen Völkern und damit nicht zu den Arabern.
Und das ist ein Unterschied, den keine von beiden Seiten als vernachlässigbar ansieht
@AlreadyDead: Die Sperrung des Internets im Iran dient dem Zweck, die Bildung einer gemäßigten Einstellung gegenüber dem Westen zu unterbinden, um die eigene Bevölkerung zum heiligen Krieg zu erziehen. Ahmadinedschad ist leider die Speerspitze einer radikalen und bösartigen, aber äußerst machtvollen Gruppe, die nicht nur rhethorisch die Auslöschung aller Nicht-Moslems vorantreibt - Israel soll da nur den Anfang machen. Und all das sollte uns schon interessieren...
Ahmadinedschad hat nicht einmal rhethorisch die Auslöschung von irgendwem vorangetrieben und praktisch gehen vom Iran überhaupt keine offenen Aggressionen aus. Der einzige Krieg, in dem das amtierende Regime je verwickelt war, war ein von den USA initierter Angriff des Iraks. (inoffiziell sieht es anders aus. Aber die iranische Hisbollah Finanzierung gegen Mordanschläge des Mossad im Iran moralisch aufzuwägen wäre sinn- und pietätslos.)
Es mag durchaus sein, dass er selbst diese befürworten würde und im Falle Israels hat er das sogar mehrfach öffentlich gesagt (Israel umgekehrt aber auch über ihn und die Iranische Souveränität als solche), aber praktisch dürfte er wohl eher damit beschäftigt sein, seinen eigenen Hintern zu sichern. Denn nach allem, was nach außen dringt, ist er mitnichten die Speerspitze einer "äußer machtvollen Gruppe", sondern im Gegenteil jemand mit schwindendender Rückendeckung, der sich alzu sehr mit den traditionellen Instanzen angelegt hat.
Soweit hast du ganz recht. Ich frage mich warum sich jetzt viele Politiker über den Wandel im Iran wundern. Seit dem Exil des Shahs hat der Iran eine Richtung eingeschlagen welche absolut nicht begrüßenswert ist. Ich meine es ist ja nicht so, dass Iran sich von heute auf morgen geändert hat, wir reden von Jahrzehnten und alle wundern sich und setzen das Land mit Embargos unter Druck.
"Wundern" tut sich da selbst offiziell kaum jemand - und viele Embargos sind seit der Revolution in Kraft. Einen offenen Krieg wollte man aber lange Zeit nicht riskieren (was der Stellvertreterkrieg über den Irak zur Folge hatte, ist bekannt) und weitere Möglichkeiten hat man schlichtweg nicht, denn der Sturz des Schahs durch die iranische Bevölkerung erfolgte ja bereits
entgegen der gesammelten westlichen Unterstützung und innenpolitischer Einflussnahme.
Das glaube ich nicht. Globalisierung sagt dir hoffentlich was,
Globalisierung stellt aber kaum eine Verknüpfung zwischen dem Iran und uns her. Es gibt zwar Kontakte auf Ebene einzelner Personen (sieh Iraner in Deutschland, die seit der Sanktionsverschärfung im letzten Jahr quasi im Armenhaus sitzen), aber größere wirtschaftliche Zusammenarbeit war nie möglich. Der Iran hat ein paar Kontakte in Richtung China, Nordkorea und Russland, aber einen größeren Teil seiner technischen und wirtschaftlichen Entwicklung bestreitet er eigenständig und so ziemlich alles ohne westliche Kooperationspartner. (was spekulativ einer der Hauptgründe für die eskalierende Debatte ist: Die Fähigkeit, Luftwaffe und Armee aus Eigenproduktion zu versorgen, sagt wesentlich mehr über die Souveränität gegenüber westlichen Einflüssen aus, als etwaige Atomsprengköpfe, deren Einsatz ohnehin niemandem etwas bringen würden)
Das gleiche gibt es in Nord Korea. Die perfekte Grundlage um Propaganda Material an die Bevölkerung zu verteilen ohne dass sie eine Chance hat das auf Richtigkeit zu prüfen.
In Nord Korea stellt sich die Frage eines geschlossenen Internets kaum - das primäre Informationsmedien dort dürften bis auf weiteres nicht interaktive Medien sein. China würde sich eher anbieten, aber wie gut die Abschottung da funktioniert, ist ja bekannt. Und aus dem Iran drangen auch auf dem Höhepunkt der Kontrollmaßnahmen nach den letzten Wahlunruhen fleißig weiter Berichte nach draußen, genauso wie internationale Informationen weiterhin reinkamen. Wogegen die neuen Maßnahmen aber ggf. helfen könnten, und da auch da wäre China Vorbild, ist elektronische Kriegsführung. Der Iran wurde ja nun schon zweimal zum internationalen Musterbeispiel der Bedeutung gezielter Virenattacken - und hat vermutlich keine Lust auf ein drittes Mal.