Hey bei aller Liebe: insgesamt mehr als 300 Links in meiner vorigen Antwort an das Wuselchen. Direkt über Deinem Post.
Die alle nur nichts zu der Behauptung beitragen, ein Highspeed-Internetausbau würde sich isoliert auf das BIP eines wirtschaftlich konsolidierten Landes auswirken.
In einem Schwellenland macht sich jede zusätzliche Möglichkeit für weitere Produktions- und Serviceleistungen sofort bemerkbar. Dies gesagt: Elektrizität und Wasserversorgung in den Slums von Bangkok und höhere Bildungschancen für die dortigen Einwohner (und vielleicht auch irgend ein Internetzugang, egal wie simpel) hätten sicherlich mehr Auswirkungen auf die steigende Wirtschaftsleistung als Highspeed-Internet für rund 50% der Bevölkerung und würde auch mehr Menschen erreichen. Die Priorisierung ist also zumindest fraglich.
Übrigens steigert sich das BIP Thailands schon seit 2000 ziemlich linear. Der später einsetzende Netzausbau führt zu keiner feststellbaren Steigerung. Sprich, die relative Verfügbarkeit von Highspeed-Internet schadet zwar logischerweise nicht, hat aber auch nicht den von dir behaupteten Schub ausgelöst.
Nein.
- Aktuell verfügen 3% der Teilnehmer in Deutschland über Gigabit-Anschlüsse.
- Gigabit bietet DTAG für weniger als 1% der Haushalte überhaupt an. Alternativ bieten es lokale Betreiber wie Stadtwerke oder Kabelnetzbetreiber an, die gerade aufgekauft werden (bzw. deren Netze), Beispiel Unitymedia/Vodafone.
- Alle anderen können nur gewerbliche Standleitungen oder Funk-/Satellitenanbindung anmieten, die preislich nicht für Haushalte relevant sind.
Das ist doch genau der Punkt. Auch in Thailand sind die verfügbaren Optionen preislich für weite Bevölkerungsteile nicht relevant. Sonst hätten nicht nur rund 50% der Bevölkerung überhaupt
irgend einen Internetanschluss. Und das bestärkt meine bereits getätigte Aussage, dass Ausbau in der Breite und Erschwinglichkeit für möglichst weite Bevölkerungsteile viel wichtiger sind als Geschwindigkeitsrekorde.
Noch einmal:
Wer in Deutschland bereit und in der Lage ist, ebenso viel von seinem Einkommen für einen Highspeed-Internet auszugeben, bekommt es auch.
Wäre es in Deutschland das Ziel, Highspeed-Internet in dieser Preislage und für lediglich Bruchteile der Bevölkerung anzubieten, hätten wir es längst.
Internet per Mobil/Smartphone bekommst Du dort wie hier. Im Nachsatz sobald es um Festnetzanschlüsse geht hast Du Recht, so wie ich es vorher schrieb.
Ich habe aus guten Grund keine Aufteilung der Art des Anschlusses vorgenommen, sondern mit dem Anteil der Internetteilnehmer argumentiert. Egal was man in Thailand über Festnetz und mobil haben kann, es bleibt für weite Bevölkerungsteile unerschwinglich, weil das Preisniveau in keinem Verhältnis zum Lohnniveau steht. Das könnten wir hier auch haben, wollen es aber gar nicht.
Nein. Nennt man Strukturgefälle. Bei uns gibt es auch ein Einkommensgefälle Ländlich <-> Stadt. Sieht man an Lebenshaltungskosten, Mieten, Immobilien uvam. Und wenn Du mit dem Punkt "zahlungskräftige, gut zugängliche Klientel" wohlhabend/vermögend bezeichnest, dann nein. Das stimmt dann auch nicht.
Die Slums liegen nicht auf dem Land, sondern logischerweise in der Stadt. Das hilft aber nichts, weil sie schlicht und ergreifend nicht angeschlossen sind, obwohl das Argument der ländlichen Abgeschiedenheit und weiter Wege entfällt. Angeschlossen sind die Cities, und die können sich auch bei uns nicht beklagen. Aber bei uns gibt es eben auch in Randbereichen, strukturell schwächeren Vierteln und sogar auf dem flachen Land (mit einigen wenigen Totalausfällen) eine für die jeweilige Bevölkerung erschwingliche Versorgung.
Thailand kannst du als Musterbeispiel anführen, sobald es dort - auf das Lohnniveau angepasst - Internetanschlüsse für rund 150 Bhat gibt. Und überall Elektrizität, um nutzbare Endgeräte zu betreiben. Und eine Job- und Einkommensstruktur, um sich diese Endgeräte leisten zu können. Das extreme Zweiklassen-Internet (Alles oder Nichts), das sich Thailand und andere Schwellenländer leisten, wäre auch hierzulande im Schlaf realisierbar, ist jedoch ausdrücklich nicht gewollt.
Das, was in den Ländern anders läuft: die fördern keine Kupferleitungen mehr. Seit Jahren nicht mehr. Hier wird Kupferleitung staatlich gefördert und nach wie vor verlegt.
Andere Länder hatten vorher nicht einmal Kupferleitungen bzw. fördern gar nichts. Sie lassen einfach Betreibern freie Hand, ein Produkt nur für zahlungskräftige Kundschaft anzubieten. Jeglicher Versorgungsauftrag für die Allgemeinheit entfällt, und damit kann man ganz anders loslegen.
Wenn beispielsweise die Telekomik auch nur Glasfaser in die Cities, in die Gewerbe- und Industriezentren legen müsste, wäre das ruckzuck erledigt. Aber was glaubst du, was hier los wäre, wenn der Ausbau hier um nicht lohnende Bereiche herumgeführt würde. Das ist eine der Gelegenheiten, bei denn der eigentlich ordnungsliebende Deutsche zum Protest (auch ohne Aluhut) den abgesperrten Rasen betreten würde.
Dito beim Mobilnetzausbau. Kein Ding für eine kleinere Nutzergruppe. Fläche überbrückt man einfach und billig mit Kleinverstärkerstationen, wie man sie in Thailand und Co. problemlos an strategischer Stelle platzieren kann, wenn man Hausbesitzern dafür ein Bakschisch zahlt.
Hierzulande wollen aber alle mitmachen, du brauchst entsprechend leistungsstarke Abdeckung, teure oder gar nicht erst vakante Grundstücke zur Aufstellung von Türmen. Für Sender/Empfänger und Verstärker auf bestehender Infrastruktur gelten elektro-, brandschutz- und gesundheitstechnische Auflagen, von denen in Thailand und Co. noch niemand gehört hat oder zumindest erfolgreich und weitestgehend unbehelligt so tut.
Du hast elektr(omagnet)ische Störungen oder gesundheitliche Probleme durch die Antenne, die ein Mobilfunkanbieter auf dem Dach deines Nachbar betreibt? - Pech gehabt. Anwälte kannst du dir nicht leisten und und offizielle Beschwerden versumpfen allerspätestens auf Bezirksebene. Aber der Tourist und Banker aus der Großstadt freut sich natürlich, selbst im hinterletzten Dorf noch 5G-Emfang zu haben und denkt sich, wie toll doch alles ist.
Ganz offen: kann ich nicht mitreden. In Bangkok sah ich mehrmals den Flughafen, ein Hotel und zwei Restaurants. Das ergibt nicht mal eine sinnvolle erste Einschätzung.
Wir wissen aber wie der Ausbau, die Nutzung und die Verfügbarkeit ist.
Die Nutzerzahlen sind dort geringfügig höher ausgewiesen, was bei nicht abgeglichenen Einzelhebungen nicht unüblich ist. Wir können aber gerne mit den dortigen Zahlen arbeiten und die Nutzungsquote mithin auf 56% festlegen, was allerdings das Gesamtbild nur sehr unwesentlich verändert.
Dennoch bekommst Du überall mindestens 100MBit Internet.
Auch nicht wirklich überall und wo möglich, dann trotzdem nur dann, wenn du es dir leisten kannst. Was rund 50% der Bevölkerung eben nicht können. Also ein Ausbau in Form
potemkinscher Dörfer - es ist alles tatsächlich da, aber man darf nicht zu genau hinsehen.
Und wenn Du weißt, dass das so nicht stimmt, solltest Du die örtlichen Telekommunikationsbetreiber, Statistischen Ämter und auch die Presse kontaktieren und mitteilen, dass sie alle Unrecht haben.
[...]
Den Absatz mit den aus der Luft gegriffenen 50% ignoriere ich einfach mal geflissentlich. Die Zahl hast du meines Erachtens nämlich erfunden.
Das muss dann wohl eine dieser parallelen Erfindung sein, an denen die Menschheitsgeschichte so reich ist:
Diese Statistik zeigt die Anzahl der Internetnutzer in Thailand in den Jahren 2013 und 2014 sowie eine Prognose bis 2019.
de.statista.com
de.wikipedia.org
etc. p.p.
Du wirst mir nachsehen, dass ich diesen Zahlen und meinen eigenen Beobachtungen mehr Glauben schenke als denen tendenziell unorganisierter und korruptionsaffiner Lokalbehörden und unmittelbar beteiligter Unternehmen. Aber gut, was wissen schon anerkannte Institute, Datenaggregatoren oder gar die CIA?
Die Zahlen variieren naturgemäß etwas, je nachdem, welche Angaben verfügbar sind oder gesichert genug gelten, aber am Ende liegt man immer um 50%. Aber lass es meinetwegen 60% zugunsten deiner Lesart sein ... Ändert das irgend etwas am Gesamtbild?