Ich bin zu jung für Winnetou bzw. es wurde mir nicht generationsmäßig weitergegeben, aber war der betreffende Schauspieler denn nicht braun/rot angemalt, um genau das zu simulieren? Ein Anspruch von dem Amazons Diversitätsrichtlinien nicht weiter enfernt sein könnten.
Pierre Brice war nicht angemalt, lediglich die übliche Abdeckschminke fürs Scheinwerferlicht wie bei allen Schauspielern.
Er hatte eine per se relativ dunkle Hautfarbe.
Da ich selber, neben diversen europäischen Durchmischungen , zu einem 1/16 1st Nations Blut intus habe (Tsilhqotin-Nation) und meine Verwandtschaft in Kanada recht gut + persönlich kenne , kann ich dir versichern, dass wir nicht alle dunkelhäutige Schlitzaugenwilde mit Lendenschurz sind, die jeden Weissen skalpieren, wenn er nicht bis drei auf den Baum geklettert ist.
Die "Woke" Diskussion in Deutschland versteht in meinem Umfeld von 1st Nations Angehörigen kein Einziger, weil die Darstellung in den Filmen aus den 1960gern ein eher positives Bild über den Charakter eines "Wilden" hergibt.
Die Darstellung in den Büchern von Karl May ist wieder was anderes.
Die Vorstellung, dass alle "Indianer" büffeljagende Plains Bewohner mit ein paar Federn auf dem Kopf sind, ist zu 95% falsch.
Die meisten (>50%) waren sesshafte Bauern, der überwiegende Rest Jäger, Fischer und Sammler.
Einige hatten sogar Städte und eine eigene Schrift.
Z. B. jene, die die Weissen "Cherokee" nennen und eigentlich sich Aniyvwia´i (wirkliches Volk) nennen.
Das hat ungefähr die gleiche Qualität, als würden alle Deutschen nur als Michl bezeichnet werden, was dem Michl dann auch nicht gefallen dürfte.
DASS sind die prinzipiellen Themen, die angehörige anderer Völker interessiert, dass sie respektvoll und auf Augenhöhe behandelt werden.
Dass Kinder bei Fasching oder sonstwo als "Indianer" herumrennen, ist vollkommen OK.
Kinder dürfen z. B. bei "meinem" Tribe alles machen, außer Vögel töten.
Denn Vögel sind die Seelen unserer Ahnen.
Oft vorgebrachte Argumentation, deshalb zitiere ich mich an dieser Stelle selbst:
"Mit der Argumentation könnte man genauso gut die Existenz einer rosa Alienrasse auf einer Nebeninsel im Mittelerdeuniversum begründen, die mit fortschrittlichen Technologie an eigenen Ringen schmiedet und entsprechend hervorragend für einen Nebenplot taugen würde. Im Sinne von: wenn es schon Zauberei gibt, warum nicht auch Aliens?
Nein, weil Tolkien seine Protagonisten als Allegorien seiner Zeitumstände geschaffen hat.
Die Figuren sind so, wie sie sind, weil er in seiner Zeit mit Britischem Empire und dem Eindruck des I. Weltkrieges genau diese Eindrücke verarbeitete.
Aliens und Ufos in der Phantasiewelt der Menschen ist eine literarische Parallelentwicklung, primär zuerst in den USA mit den Schriften von H. G. Wells ab ca. 1900 aufgetreten und erst mit dem Hörspiel von 1938 (lange nachdem Tolkien seine Hauptwerke verfasste) im Bewusstsein der Öffentlichkeit aufgetreten.
Ein z. B. Nazgul, ein Balrog oder ein Smaug sind Wesen, die biologisch in der Realität niemals funktionieren würden.
Andererseits wäre rein technisch betrachtet, ein Alien, der hypotethische Psi-Kräfte in Form eines Ringes aktivieren könnte, realistischer, als so was in einer mittelalterlichen Schmiede erstellt werden könnte.
Sprich, das Umfeld hat den Autor geprägt, was ja irgendwie logisch ist.
Das Genre Fantasy (insbesondere High Fantasy) zeichnet sich ja weniger dadurch aus, dass willkürlich mit Regeln der Welt gebrochen wird, sondern viel mehr dadurch, dass ein an das europäische Mittelalter angelehntes Universum den modifizierten Gesetzmäßigkeiten (Magie, Rassen, Kreaturen, ...) streng folgt.
Das ist nicht ganz richtig.
Das europäische Mittelalter hat mit der generellen Fantasy Welt mit "westlicher Prägung" schon mal recht wenig zu tun. Das Hochmittelalter (Ritter in glänzenden Rüstungen usw.) datiert man grob auf 1000-1500 n. Chr.
Das frühe Mittelalter schließt an die Völkerwanderungszeit an und beginnt ab ca. 500 n. Chr..
Im Wesentlichen (und auch schon in mind. drölfdutzend Dokorarbeiten analysiert) hat es nachfolgende Einflüsse:
1. Bzgl. Schamanen/Zauberer usw. keltischer Einfluss, im Wesentlichen aus den Gebieten des heutigen Frankreich und Wales (bei den Germanen wären das dann die heutzutage Hexen genannten Schamanen)
Hier aus einer Zeit von ca. 500 v. Chr.
2. Bgzl. Götterhimmel und aber auch Elfen (
nicht Elben, die gibt es erst seit 1920 bei Tolkien) nordischer Einfluss.
Aber auch hier differenziert auf die Zeit des 8. Jahrhunderts (für Tolkien), weil da die Jüten, Angeln und Sachsen (kurz Wikinger) nach England einwanderten und dabei Anteile ihrer Kultur einbrachten.
Interessant ist, dass die ab ca. 1200 verfassten Schriften in der Edda erhebliche Abweichungen zum Volksglauben der ansässigen Bevölkerung in "England" hatten.
Und jetzt wird es interessant, der Einfachheit halber aus Wicki als populärwissenschftlichen Text kopiert (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Elfen#Elfen_in_der_Mythologie)
„Sá er einn staðr þar, er kallaðr er Álfheimr. Þar byggvir fólk þat, er Ljósálfar heita, en Dökkálfar búa niðri í jörðu, ok eru þeir ólíkir þeim sýnum ok miklu ólíkari reyndum. Ljósálfar eru fegri en sól sýnum, en Dökkálfar eru svartari en bik.“
„Da ist ein Ort, der Álfheim heißt. Da haust das Volk, das man Lichtalben nennt. Aber die Schwarzalben wohnen unten in der Erde und sind ungleich von Angesicht und noch viel ungleicher in ihren Verrichtungen. Die Lichtalben sind schöner als die Sonne von Angesicht; aber die Schwarzalben schwärzer als Pech.
[8]“
–
Gylfaginning Kap. 17.
Also, beruft sich irgendwer auf "nordische Mythologie", so steht schwarz auf weiss in der Edda, dass es weisse und schwarze Alben/Elfen gibt...
Alle, die daraus ein "woke" Thema machen, sollten sich zunächst mal bitte mit Aneignung von Wissen über die eigene Kultur machen.
3. Bgzl. menschliche Völker:
Im wesentlichen die Völkerwanderungszeit bis ca. 500 n. Chr., Aufbau von Nchfolgereichen der Römer usw..
4. Bgzl. Hobbits:
Die Idealisierung bäuerlichen Lebens in Schottland in einem fruchtbaren Tals (das es so nie in Schottland gab und eher dem Wunsch der dortigen Bevölkerung entsprach).
Hier vermengen sich wieder die Skoten (das sind Kelten aus Irland) mit den Pikten (da kommt primär die europäische Tradition des Tätowierens her) zu den Alba. (ab ca. 500-600 n. Chr.)
Tolkien gilt geradezu als Meister dieses aufwendigen, konsistenten und detailverliebten Prozesses des World Buildings. Zum Beispiel liefert Tolkien für Mittelerde lore-bedingte Erklärungen für die Existenz von Schaltjahren (die sind nicht plötzlich egal, nur weil es Zauberer und Drachen gibt).
Er war schlichtweg der Erste, der diese "Popkultur" erfand.
Zudem hat sich Tolkien bereits zu Lebzeiten gegen die unauthentische/missbräuchliche Darstellung seines Werkes ausgesprochen (man denke nur an den expliziten Ausschluß von Disney an einer HdR-Verfilmung).
Sofern du HdR gelesen hast, weist du auch sicherlich, dass ca. nur 15-20% in der Jackson Verfilmung umgesetzt wurde.
Ich will nicht bestreiten, dass eine evtl. Disney Verfilmung evtl. schlechter geworden ist.
Aber für jemanden wie mich, der HdR fast auswendig kennt, war die filmische Umsetzung eine Art schlechter Scherz, an den ich mich erst gewöhnen musste.
Gerade deshalb sind solche Änderungen im Falle Tolkiens nochmals ein besonders sensibles Thema. Für mich durchaus nachvollziehbar, dass Fans bei Ethno-Charakteren durch Woke Capitalism steil gehen."
Siehe oben, erst Edda lesen, dann kritisieren.