In Deutschland ist man ab dem Moment "schuldig" in dem man rechtskräftig verurteilt wurde und vorher hast weder du noch sonst jemand das Recht aufgrund von zwei Videos deren Kontext nicht zur Gänze geklärt ist das Recht irgendjemanden Nazi oder Rassist zu nennen.
"Nazi" und "Rassist" sind keine Straftatsbestände. Es wird rechtlich niemand schuldig gesprochen, Nazi oder Rassist zu sein.
Daher braucht es auch keine rechtskräftige Verurteilung, um jemanden als Nazi und/oder Rassist (bzw. als Gutmensch, Linksgrünsversiffter etc.) zu titulieren, sofern man den Eindruck hat, der- oder diejenige gehöre zu besagter Gruppe. Man sollte allerdings mit dem persönlichen und ggf. juristischen Gegenfeuer klarkommen, wenn der/die solcherart Bezeichnete das grundsätzlich anders sieht.
Tendenziell dürften überzeugte Nazis kein Problem damit haben, als solche bezeichnet zu werden. Vehementer Widerspruch könnte also durchaus ein Zeichen dafür sein, dass es sich nicht um überzeugte Nazis handelt. Muss aber nicht, da es auch immer wieder Menschen gibt, die das mangels Kenntnis des Bedeutungsumfangs selbst gar nicht merken und denken, sie wären keine, nur weil sie nicht "***!" brüllen. Ebenso glauben viel Rassisten, sie wären keine, nur weil sie das N-Wort nicht in den Mund nehmen.
Und dann sollte man sich gelegentlich vergegenwärtigen, dass "Nazi" mittlerweile synonym für eine ganze Reihe ideologischer Felder verwendet wird, die dem Nationalsozialismus zwar nahe stehen bzw. Schnittmengen mit selbigem aufweisen, jedoch nicht mit diesem identisch sind. Beispielsweise wird häufig von "Nazis" gesprochen, wenn man eigentlich Faschisten oder auch einfach nur generische Vollpfosten meint. Und selbstverständlich werden solche Prädikate heutzutage auch sehr leichtfertig und daher nicht immer zutreffend bzw. angemessen vergeben.
Darüber, ob es mehr positive oder mehr negative Fehlerkennungen von Nazis oder Rassisten etc. gibt, möchte ich allerdings lieber nicht spekulieren, weil mir jeder mögliche Ausgang den Glauben an die Menschheit raubt.