Kommt darauf an, wie schlecht.
Ein gewisses Niveau der Eskalation will und darf (sic) er nicht einkaufen. Der Deal muss auch für ihn passen und propagandistisch MAGA bedienen. Die Abhängigkeiten zwischen beiden Parteien (USA vs. EU) liegen zwar zu Lasten der EU, sind aber für beide kritisch. Wie auch sonst würde ich die Situation mit Blick auf den Konflikt USA vs. VR sehen: wenn Trump mit der EU bricht (inkl. NATO-Exit und allen ebenbürtigen Zerwürfnissen), schwächt er seine Position gegenüber China. Dies widerspricht seiner Agenda. Europäische Politiker ständen im Fall ein militärischen Übernahme durch einen Bündnispartner unter erheblichen Druck, weil der Bevölkerung ausbleibende Reaktionen nicht zu erklären sind. Ein weiter-wie-bisher in der NATO mit Trump kann ich mir irgendwie ganz schlecht vorstellen.
Ich habe große Zweifel daran, dass Trump das Konzept "Bündnis" überhaupt kapiert. Sämtliche seiner Aktionen sind ausschließlich auf bilaterales "ich sage"/"jemand anders gehorcht" ausgerichtet. Nicht nur in der internationalen Diplomatie, sondern wirklich absolut alles von Geschäft über Wahlkampf bis hin zu (Nicht-)Unterstützerkreisen und nationale Politik. Ich denke er gehört zu den Menschen, deren soziale Kompetenz auf die Kategorien "Leute, die voll hinter mir stehen" und "Feind" beschränkt ist, würde auch zu seiner Ausdrucksweise passen. Das Maximum an Zwischenzustand, das er kennt, ist eine Preisabwägung im Rahmen von "Deals". Aber "ich will Grönland" ist eine binäre Forderung ohne Raum für Aushandlungen, ganz abgesehen davon, dass schon ein kleinster Schritt in die Richtung inakzeptabel wäre.
Auch kann ich in der aktuellen Lage nicht unterschreiben, dass er ein gewisses Niveau nicht überschreiten "darf": Konsequenzen und damit negative Folge für die USA oder gar für ihn selbst ("USA" interessieren eher leidlich) hängen von den Reaktionen ab und da ihm außenpolitisch niemand Kontra gibt, steht da bis auf weiteres nichts für ihn auf dem Spiel. Solange sich das nicht erheblich ändert, ist die Schadens-Nutzen-Bilanz aus seiner Sicht äußerst positiv und das ist alles, was für ihn zählt. Das es mit Europa bergab gehen würde, ist für Trump kein Nach-, sondern ein Vorteil und um negative Auswirkungen auf die Situation gegenüber China zu berücksichtigen, müsste er (gegenüber sich selbst) überhaupt erst einmal so etwas wie "Schwäche" eingestehen.
Ganz abgesehen davon, dass Europa in Verhandlungen mit China kein Bisschen stärker und bislang auch nicht gerade auf Trump-Linie auftritt.
Da sich aber in den USA die
Stimmen gegen Trumps Grönland-Pläne aufbauen, wird die Sache vermutlich harmloser enden, als man anfangs annehmen musste.
Abwarten. Das wäre dann der innenpolitische Teil von "darf" (über den juristischen oder gar moralischen braucht man nicht zu reden, macht Trump auch nicht

). Hier könnte sich ihm am ehesten Jemand in den Weg stellen, aber das hat man schon bei vielen Eskalationen gesagt und nie kam die erhoffte Rettung aus dem Inneren heraus. Bislang hat das System Trump noch jeden Abweichler schneller kaltgestellt, als der sich zum Handeln hat durchringen können. Kleines Faschismus 1*1: Lass die voll Loyalen ausrücken, um an den wenig Loyalen ein Exempel zu statuieren, dass die recht Loyalen wieder voll auf Linie bringt. Im Gegensatz zu Mussolini und Hitler stellt Trump die Leute nicht an die Wand, sondern nur auf die Straße, aber politisch ist das Ergebnis das gleiche: Von den normal-konservativen Kräften, die ihn zu Beginn seiner ersten Amtszeit noch unterstützt haben und die bei den aktuellen Zuständen die Alarmglocken läuten sollten, ist niemand mehr in Trumps Umfeld. Die rechts-konservativen sind auch fast alle weg. Übrig bleiben die Karriereschleimer ohne jegliches Bewusstsein oder Ideale und die Hardcore-Radikalen. Alle anderen wurden einer nach dem anderen abgesägt, sobald ein Hauch von Abweichung gezeigt wurde und lange bevor sich eine bedenkliche Anzahl von kritisierenden Personen in wichtigen Positionen ansammeln konnte.
Deswegen halte ich auch die Untätigkeit von Merz und Klingbeil für so bedenklich: Sie entspricht herkömmlichen, diplomatischen Gepflogenheiten. Aber Trump ist nicht herrkömmlich. Der definiert gerade das neue "normal", an dem seine Untaten des nächsten Jahr gemessen wird und gegenüber dem die des letzten Jahres in Vergessenheit geraten. Redet noch jemand über den befristeten Einmarsch in Venezuela und die Entführung eines Staatsoberhaupts? Oder über den einseitig erklärten Krieg gegen den Iran? Abschaffung von Menschenrechten und internationale Verschleppung aller, die ohne US-Pass in den USA angetroffen werden? Handelskrieg gegen China und Lateinamerika? Nein. Es geht jetzt nur noch um die militärische Eroberung des Territoriums von EU-Staaten. Alles andere ist längst "ok".
Und ich habe die Befürchtung: Sobald Trump harte Wirtschaftssanktionen gegen Deutschland aufbaut, denkt hier auch niemand mehr an die kaum besiedelte Insel irgend eines EU-Mitglieds. Gibt ja wichtigeres/schlimmeres.