Bis zum Schuß auf die getötete Frau ....im übrigen ohne jede Not!
Wenn sich jemand durch ein aufgebrochenes Fenster unerlaubt Zutritt verschafft, ist das Einbruch. Und genau die Klientel, welche diese verwirrte QAnon-Cheerleaderin als Märtyrerin feiert und das Ganze auf Krampf skandalisieren will, ist sonst am schnellsten dabei, Zero-Tolerance für Einbrecher zu fordern und konsequenten Schusswaffeneinsatz zu rechtfertigen.
Teenager abzuknallen, die auf der Suche nach 'ner Dose Bier in unverschlossene Garagen einsteigen, ist bei diesen Leuten in Ordnung, aber jemanden, der sich durch ein aufgebrochenes Fenster unerlaubt Zutritt zu einem Bundesgebäude verschaffen will, ist es nicht? - Aber hallo!
Hinzu kommt, dass es belagerungsartige Zustände gab, in denen das Sicherheitspersonal mit gezogener Waffe hinter improvisionierten Barrikaden saß und abwägen musste, ob und wie die Leute bewaffnet sind und wie ernst sie es meinen. Kurz, die Situation war zum Zerreißen gespannt; und wenn dann jemand durch das falsche Fenster steigt, sieht das schwer nach Flankieren aus.
Dass die Erschossene zudem schon vorher in asozialen Medien vom Sturm aufs Kapitol gefaselt hat, konnte dort zwar niemand wissen, aber ihre Einstellung dürfte sich durchaus in ihrem Auftreten vor Ort geäußert haben.
ALs Trump an die Macht kam... redeten alle , auch hier in DE, von Wahlbetrug...
Das weicht unsere Erinnerung stark voneinander ab. Hierzulande fanden es Viele - in Unkenntnis der Eigenheiten des US-Wahlsystems - etwas merkwürdig (und nach erfolgter Erklärung immer noch unverständlich), wie jemand gewählt werden kann, der insgesamt weniger Stimmen erhalten hat. Von Wahlbetrug jedoch habe zumindest ich nichts gehört, obwohl ich das Ganze interessiert verfolgt habe und die amerikanischen Bürger nicht beneidete, nur die Wahl zwischen Pest und Cholera zu haben.
Vor allem aber ist mir nicht erinnerlich, dass Obama - egal welche dramatischen Fehler er meiner Ansicht nach auch hatte und begangen hat - das Wahlergebnis angezweifelt, die Amtsübergabe behindert, seine Anhänger aufgepeitscht, haarsträubende Behauptungen aufgestellt und zum Scheitern verurteilte Klagen angestrengt zu haben und generell ein schlechter Verlierer gewesen zu sein.
3 Jahre wurde gegen ihn ermittelt... alle Punkte wurden fallen gelassen... auch die Ermittlungen dass er Druck ausgeübt hätte stellten sich als Falschanschuldigung heraus und wurden eingestellt.
Es gab keine Verurteilung, allerdings auch keinen Freispruch - letzterer Umstand wurde sogar explizit betont. Hinzu kam, dass die Ermittlungen aus dem Weißen Haus und vom republikanisch dominierten Senat blockiert sowie von nachgewiesenen Falschaussagen behindert (Dafür gab es übrigens Verurteilungen.) wurde. Von eingeschüchterten und mit Schmutzkampangen überzogenen Zeugen ganz zu schweigen.
Kurz, das Argument ist wertlos, da man dasselbe beispielsweise auch über Al Capone sagen könnte. Auch dieser wurde nie wegen eines seiner Verbrechen verurteilt, weil korrupte Offizielle die Ermittlungen behinderten, Zeugen eingeschüchtert wurden und auch mal verschwanden (Zumindest diesen Punkt kann man Trump nicht vorwerfen ...) und es immer genug Leute gab, die zu seinen Gunsten Falschaussagen tätigten. Ach so, Capone war nach außen hin auch ein erfolgreicher und großspurig auftretender Geschäftsmann, der gerne im Rampenlicht stand.
Zu Fall gebracht wurde er letzten Endes übrigens wegen Steuerhinterziehung, was in Zukunft möglicherweise die Parallele zu Donald Trump zum krönenden Abschluss bringt.
Doch ich schweife ab, zurück zum Kernthema: Irgendwelche kreativen Theorien von obskuren Bekannten in den Staaten, die rein zufällig eigentlich demokratisch wählen, aber seltsamerweise trotzdem das QAnon-Gequose nachplappern, kann man von mir aus gerne stecken lassen. Ich habe lange Zeit in den Staaten gelebt, kenne sowohl die dortige Mentalität als auch genug Eingeborene und weiß daher ziemlich genau, wie breit das dortige Meinungsbild ist. Es hat nachvollziehbarerweise eine andere Färbung als das des deutschen Bürgers, der unter anderen Bedingungen lebt und weiter weg vom Geschehen ist; wesentliche Widersprüche gibt es jedoch nicht. Außer den harten Trumpisten in ihrer von "alternativen Fakten" getragenen Realität zweifelt niemand das grundsätzliche Geschehen an. Und obwohl die Bewertung von Trumps Anteil am Geschehen stark variiert, zweifelt auch niemand daran, dass er sich nicht mit Ruhm bekleckert hat und sein nachgeschobenes Video entweder als heuchlerisch oder doch mindestens als "poor" bewertet wird.
Gleiches bei der Berichterstattung in deutschen Medien. Selbstverständlich werden die komplexen Ereignisse komprimiert, sowohl was den Ablauf der Wahl als auch den Sturm aufs Kapitol angeht. Uns beschäftigen schließlich, im Gegensatz zum direkt betroffenen US-Bürger, auch noch ein paar andere Dinge, die in die Sendezeit passen müssen.
Aber daraus zu schließen, es würden Fakten verdreht, ist absoluter Unfug. Die US-Richter, die Trumps Klagen wegen angeblichen Wahlbetrugs negativ beschieden oder gleich ablehnten, erhalten ihre Informationen nicht aus dem deutschen Fernsehen. Und über das Geschehen vor und im Kapitol herrscht bei allen anerkannten US-Medien, darunter auch stark republikanisch gesinnten, eine bemerkenswerte Übereinstimmung.