Welcher Regimewechsel?
Die UdSSR gibt es nicht mehr, sie war ganz offiziell weg und hat nur einen Rechtsnachfolger, nämlich die russische Förderation.
Ich denke, wir haben sehr unterschiedliche Vorstellungen des Staatsbegriffs. Es geht mir *nicht* um eine Rechtsnachfolge, weil auch eine Rechtsnachfolge keine Nuklearpolitik bestimmt.
Ein Staat besteht aus Staatsgebiet, Staatsvolk und seinen Institutionen. Für einen Richtungswechsel entscheidend sind lediglich die Teile eines Staatsgebildes, die tatsächlich Entscheidungen treffen können, also Menschen und von diesen gebildete Organisationen innerhalb des Staates.
Wenn du nach Rechtsfolge oder gar Territorium gehst, wird es sehr beliebig. Dann ist der ominöse Staatsbegriff ewig, sobald sich irgendwo bei irgendwem ein nationales Zusammengehörigkeitsgefühl einstellt.
Die Aussage war, dass kein Staat bisher freiwillig seine Atomwaffen aufgegeben hat und diese Aussage ist durch Südafrika halt wiederlegt.
Wie gesagt, der südafrikanische Staat der Apartheid, der Kernwaffen wollte, ist nicht identisch mit dem, der diese nicht wollte. Nur weil der Regimewechsel dort ein langsamer und zum Ende vergleichsweise pfleglicher Vorgang war, kann man meines Erachtens nicht einfach behaupten, es wäre der selbe Staat. Dann wäre die Bundesrepublik Deutschland ja auch der selbe Staat wie die DDR oder das Deutsche Reich, was sie trotz bestehender Rechtsnachfolge, weiterhin agierenden Parteien und in den jeweiligen Nachfolgegebilden weiterhin politisch aktiven Einzelpersonen offenkundig *nicht* ist.
Diese unsere Meinungsverschiedenheit einmal außen vor, müsste ohnehin erst einmal geklärt werden, welchen Staatsbegriff Hoffgang im Hinterkopf hatte. Ich lehne mich mal ein Stück weit aus dem Fenster und behaupte, er meinte kontinuierlich fortbestehende Staaten, in denen ohne einschneidende Veränderungen entweder demokratisch oder vom großen Anführer beschlossen wird, mal eben abzurüsten. Also in etwas so, als ob das (egal ob kommunistische oder kapitalistische) Russland oder die (egal ob republikanisch oder demokratisch geführten) USA der gerade auf dem Chefsessel thronende Angehörige der Kim-Sippe in Nordkorea beschließen, die einmal aus erwogenen Gründen und unter beträchtlichen Einsatz entwickelte nukleare Macht ohne inneren oder äußeren Druck aufzugeben.
Und so etwas ist bisher tatsächlich nie vorgekommen.
Gut, man kann darüber streiten, ob die Abrüstung in Südafrika möglicherweise unabhängig von den inneren Umwälzungen erfolgte, immerhin wurde der Ausstieg vor dem offiziellen Ende der Apartheid beschlossen. Du hast damit einen validen Punkt eingebracht, den ich ziemlich stiefmütterlich behandelt habe.
ABER: Selbst dann fand das Ganze unter beträchtlichen Druck durch die und gleichzeitigem Ausschluss Südafrikas aus der internationalen Gemeinschaft statt, war also alles andere als *freiwillig*.
Auch damit wäre die Aussage erfüllt, dass sich kein Staat freiwillig von seinen Kernwaffen getrennt hätte.
Kurz, Südafrika erfüllt weder Hoffgang Parameter der "eigens entwickelten Atomwaffen" noch den von dir ergänzten der "freiwilligen Abrüstung". Was bleibt dann noch, um die ursprüngliche Aussage zu widerlegen?
Nebenbei bemerkt: Die Debatte, die wir hier führen, ist genau so, wie sie sein sollte, wenn man über Geschichte diskutiert. Alle bringen ihr Wissen und ihre Ansichten ein und selbst wenn wir auf keinen gemeinsamen Nenner kommen sollten, ist dabei garantiert niemand dümmer geworden.