Jesus und seine Wunder
Trümmerliteratur im Nachkriegsdeutschland
für seine Werke
FWU – ®
das Medieninstitut
der Länder
Lernziele
Jesus als Wanderprediger und Wundertäter kennen
lernen; seine Wundertätigkeit als Ausdruck
seiner Gottessohnschaft und seiner unendlichen
Liebe zu den Menschen erkennen; über den Inhalt
des Speisungswunders (Mk 6, 30-44 bzw. Joh 6,
1-15 vgl. auch Mt 14, 13-21; Lk 9, 10-17) und über
Jesu wundersamen Gang auf dem Wasser (Mt 14,
22-33 vgl. auch Mk 6, 45-52; Joh 6, 16-21) Bescheid
wissen; Glaube und Vertrauen als von Gott eingeforderte
Bedingungen für das Erleben von
Wundern wahrnehmen; Wunder als Geschenke
Gottes an die Menschen verstehen
Kurzbeschreibung
Jesu Wundertätigkeit gehört zu denjenigen
Phänomenen im Neuen Testament, die gerade
auch Kinder am meisten faszinieren. Aus der
Fülle von Wundergeschichten, welche die Evangelien
zu bieten haben, greift der vorliegende Zeichentrickfilm
zwei heraus, nämlich die Speisung
der Fünftausend (vgl. vor allem Mk 6, 30-44 bzw.
Joh 6, 1-15) und Jesu Gang auf dem Wasser (siehe
vor allem Mt 14, 22-33), und stellt sie in bildlichanschaulicher
Weise dar: Der Sprecher trägt
dabei die von Jenny und Tim Wood bearbeiteten
Evangeliumstexte in einer recht einfachen, eingängigen
Sprache vor; die einzelnen Filmsequenzen
setzen gewissermaßen den Inhalt des vorgetragenen
Textes nur in Szene, in bewegte Bilder,
um. Auf spezielle Geräuscheffekte oder aufwendige,
detaillierte Zeichnungen verzichtet der Film.
Dadurch treten die Worte des Evangeliums in den
Vordergrund und die bildliche Darstellung dient
also nur der Veranschaulichung des Vorgetragenen.
Den Zusehern wird auf diese Weise die
Konzentration auf den Wortlaut des Evangeliums
erleichtert.
Zum Inhalt
Zu Beginn zeigt der Zeichentrickfilm ein karges
Steppengebiet Palästinas zur Zeit Jesu.
Dazu erklingt eine ruhige, meditative Musik,
die zum Entspannen, gleichzeitig aber auch
zur Konzentration einlädt. Dann setzt die
dominierende Stimme des Sprechers ein. In
kurzen Sätzen wird Jesus als Wanderprediger
vorgestellt, der auch seine Jünger aussandte,
den Menschen allerorts Gottes Willen
kundzutun. Das Vorgetragene wird untermalt
mit Zeichentrickszenen. Im reduzierten Zeichenstil
erscheinen zunächst Jesus und
dann nach und nach seine zwölf Apostel im
Film. Auf bildliche Details wie auch auf eine
differenzierte Geräuschkulisse wird verzichtet.
Bewusst einfach ist auch der Hintergrund
gehalten. Es findet nur ein Minimum an Bewegungen
statt. Von der Konzentration auf
den Vortrag des Sprechers soll möglichst
wenig ablenken. Jesu Jünger, so gibt der
Sprecher zu verstehen, sind von ihrem erfolgreichen
Missionseinsatz zurückgekehrt.
Dem Evangeliumstext Mk 6, 30 ff. folgend,
sind die Jünger nun erschöpft und hungrig.
Dies nimmt Jesus zum Anlass, zusammen mit
seinen Jüngern einen ruhigen Ort zur Erholung
von den Strapazen aufzusuchen. Er
weist sie an, mit ihm in einem Fischerboot
über den See von Galiläa zum anderen Ufer
zu fahren. Doch weil die Menschen von ihrer
Überfahrt erfahren haben, versammelt sich
auch am anderen Ufer des Sees schnell eine
große Menge von Leuten, die Jesus sehen
und hören wollen. Der Aufforderung seitens
seiner Jünger, diese Menschen wieder wegzuschicken,
kommt Jesus nicht nach. Im
Zuge der Bearbeitung des Evangeliumstextes
weicht der Drehbuchtext hier vom Original
ab: Anstelle der unpersönlichen Formulierung
in Mk 6, 34 wird Jesus das Wort von den
Schafen, „die keinen Hirten haben“ als direkte
Aussage – bereits interpretierend auf sich
selbst bezogen – in den Mund gelegt. Weiterhin
tritt Jesus – ebenfalls anders als in der
Perikope Mk 6, 30-44 beschrieben – unmittelbar
vor der Speisung der Fünftausend nicht
nur als Lehrer und Prediger, sondern explizit
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auch als Wunderheiler auf. Entsprechend
Mk 6, 35 ff. ermahnen die Jünger Jesus gegen
Abend, er solle doch jetzt zumindest die
Menschen wegschicken, damit sie sich in den
umliegenden Dörfern etwas zu essen besorgen
können. Doch Jesus erwidert, sie sollten
die versammelten fünftausend Menschen
verköstigen. Nachdem ihm seine Jünger die
Unmöglichkeit dieses Unterfangens darlegen,
beauftragt sie Jesus, zu den Menschen
zu gehen und nachzusehen, wie viel Speise
denn allen zur Verfügung stünde. An dieser
Stelle folgt der Sprecher der Vorlage im
Johannesevangelium (Joh 6, 8 f.), indem er
vom Apostel Andreas berichtet, der einen
kleinen Jungen zu Jesus führt; dieser hält
einen Korb in Händen, in dem sich fünf Brote
und zwei Fische befinden. Im Film bedankt
sich Jesus bei diesem Jungen. Dann orientiert
sich der Film wieder verstärkt an der
Markusvorlage: Die Menschen sollen sich auf
Jesu Wort hin in Gruppen zusammensetzen.
Dann spricht Jesus den Segen. Genauer als
im Evangelium wird nun der Ablauf der Brotund
Fischvermehrung dargestellt. Jesus zerkleinert
die Brote und Fische und gibt sie in
Körben an seine Jünger weiter, die sie wiederum
unter die Menschen verteilen. Als alle
satt geworden sind, fragt Jesus – anders als
im Evangelium – seine Jünger, ob sie denn
auch satt geworden seien. Weil sie verneinen,
veranlasst er sie, die Reste der ausgeteilten
Speisen einzusammeln. Schließlich
erhält jeder der Zwölf einen Korb voller Essen.
Alle sind erstaunt über diese Tat Jesu
und sprechen von einem Wunder. Wiederum
abweichend vom Evangelium stellt Jesus im
Film klar: Bei Gott ist alles möglich, auch die
Speisung einer so großen Menschenmenge.
Ohne große Unterbrechung geht die Handlung
nun auf der Basis des Matthäustextes
(Mt 14, 22-33) weiter: Jesus möchte sich jetzt
zum Beten auf einen Berg zurückziehen und
weist seine Jünger deshalb an, alleine über
den See zurückzufahren. Aus der ruhigen
See wird ein tosendes Gewässer, weil ein heftiger
Sturm aufgekommen ist. So wild tobt
der Sturm, dass ihr Schiff zu kentern droht –
eine Dramatisierung gegenüber der matthäischen
Version. Im Film wird die nun folgende
Szene aus der Perspektive der Jünger an
Bord geschildert, um die Spannung zu steigern:
Die ängstlichen Jünger sehen einen
Menschen, der auf dem Wasser schreitet und
glauben, es handele sich um ein Gespenst.
Erst als der Sprecher auf Jesus verweist,
wird seine Identität offenkundig. Das folgende
kurze Zwiegespräch zwischen Jesus und
Petrus entspricht der matthäischen Textvorlage:
Petrus verlangt von Jesus, dass er ihm
befehle, auf dem Wasser zu ihm zu gehen.
Jesus folgt diesem Wunsch. Daraufhin steigt
Petrus aus dem Boot in bzw. auf das Wasser
und geht einige Schritte auf Jesus zu. Der
Sprecher kommentiert den Mut des Petrus
folgendermaßen: Er sei zu „aufgeregt und
verblüfft“ gewesen, um Angst zu haben.
Doch wie er allmählich das wütende Wasser
unter sich wahrnimmt, beginnt er unterzugehen.
Jesus bewahrt ihn aber vor dem Ertrinken,
da er ihn festhält und stützt. Der bei
Matthäus erfolgte harte Vorwurf („Kleingläubiger“)
wird im Film entschärft und zu einem
Mahnspruch umgewandelt: Petrus hätte
mehr Vertrauen zu Jesus haben sollen. Auch
der darauf folgende Zuspruch ist neu: Wenn
Petrus gelernt habe, Jesus völlig zu vertrauen,
werde er alles können. Nachdem beide an
Bord gekommen sind, legt sich der Sturm
und Petrus bekundet: Jetzt wisse er, dass
Jesus der Sohn Gottes sei. Jesus hingegen
blickt nur ruhig auf das Wasser. Das letzte
Bild wird sanft abgeblendet und die meditative
Musik lässt das Gesehene und Gehörte
besinnlich ausklingen.
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Ergänzende Informationen
Insgesamt berichten die Evangelien von 41
Wundern Jesu. Bezeichnet werden diese
Wunder (griechisch: térata) auch als „Machttaten“
(dynamis) und „Zeichen“ (semeía).
Sowohl die Speisung der Fünftausend als
auch Jesu Gang über den See zählen zu den
Naturwundern, die sich von den Heilungswundern
unterscheiden lassen. Vom Aufbau
her liegt folgende Struktur zugrunde: Exposition
(Beschreibung einer Mangelsituation
oder Bitte um Hilfe in der Not), Aktion (Handlung
Jesu: Wundertätigkeit) und Akklamation
(Staunen, Beifall der Menschen). Wunder
weisen im Neuen Testament Jesus als den
Sohn Gottes aus. Sie drücken zudem Gottes
Liebe zu den Menschen aus. Doch auch der
Glaube der Menschen ist entscheidend: Denn
Wunder bestätigen den Glauben (vgl. die
häufig wiederkehrende Äußerung Jesu:
„Dein Glaube hat dir geholfen“ u. a. Lk 7, 50;
8, 48; 17, 19; 18, 42). Das Jesus entgegengebrachte
Vertrauen wird gewissermaßen belohnt.
Schließlich stehen Wunder im Dienst
der Botschaft Jesu: Sie lassen die Menschen
erleben, dass das Reich Gottes gegenwärtig
ist.
Unter diesen Vorzeichen ist auch die im Film
gezeigte wunderbare Brot- und Fischvermehrung
zu verstehen: Jesus schickt die
vielen Menschen nicht weg, sondern erweist
sich als guter Hirte, der für seine Schafe
sorgt; er liebt alle Menschen und gibt ihnen
Kraft seiner göttlichen Autorität genügend
zu essen. Seine Jünger – am Anfang noch
skeptisch – vertrauen ihm und tun, was er
ihnen aufträgt; auch die Menge glaubt an
Jesus; niemand kümmert sich um die Nahrungsbeschaffung.
Dieser Glaube wird durch
die wundersame Brot- und Fischvermehrung
belohnt. So erleben die Menschen Jesus als
Wundertäter und Sohn Gottes. Sie wissen
sich sicher in seiner Obhut. Eine interessante
Antwort auf die Frage nach der Authentizität
des Speisungswunders liefert der
Exeget Meinrad Limbeck: „Wir können ‚nur’
so viel sagen: Unser Evangelium berichtet,
daß es in der Geschichte Jesu mit den Menschen
seines Volkes einen Abend gab, an
dem Jesus die Menschen, die zu ihm geströmt
waren, zu seinen Gästen machte, sie
dabei auf eine unvorstellbare Weise satt
machte und so zugleich erfahren ließ, daß
sie alle ein Volk, ja das heilige Volk Gottes
sein könnten“ (Limbeck, Markusevangelium,
88).
Auch für Jesu Gang über das Wasser gilt:
Jesus sieht die Not seiner Jünger und geht
auf sie zu. Petrus bekundet im Gegenzug
seinen Glauben, indem er sich aus dem Boot
auf das Wasser wagt und Jesus entgegengeht.
Freilich ist sein Vertrauen nicht vollkommen,
so dass sein allmähliches Einsinken
beschrieben wird. Auch wenn Jesus
Petrus dessen Kleingläubigkeit zum Vorwurf
macht, so darf das Wunder, genauer: die Rettung
des Petrus und der anderen Jünger als
Lohn für ihren Glauben gewertet werden. So
kann Petrus bekennen, dass Jesus wirklich
der Sohn Gottes ist. Anders, als im Film gezeigt,
der sich gegen Ende an der matthäischen
Version orientiert, drückt sich im Johannesevangelium
die göttliche Selbstoffenbarung
Jesu zusätzlich noch darin aus, dass
Jesus gar nicht erst mit an Bord kommt,
sondern das Schiff unverzüglich ans sichere
Ufer geleitet (vgl. Joh 6, 21).
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Zur Verwendung
Der vorliegende zehnminütige Zeichentrickfilm
eignet sich für den Einsatz zu Beginn
einer Unterrichtsstunde über Jesus oder am
Anfang einer Unterrichtssequenz etwa zum
Thema „Jesus auf seinem Lebensweg begleiten“
(etwa Themenbereich 1.2 des Lehrplanes
für Katholische Religionslehre an den
bayerischen Grundschulen – vgl. hier vor
allem den Schwerpunkt 2.4.1 „Mit Jesus
kommt Gottes Reich“). Denn der Film führt
auf leicht nachvollziehbare Weise zum Thema
hin. Kinder mit wenig oder keinem Hintergrundwissen
erfahren zunächst etwas
über die Lebensweise und das Anliegen von
Jesus und seinen Jüngern. Dann erst geht
der Sprecher zur Rahmenerzählung über, um
schließlich die beiden Wundergeschichten
selbst vorzustellen.
Sinnvoll ist es, die Aufmerksamkeit der
Schülerinnen und Schüler nicht allein auf die
übernatürlichen Wunderereignisse selbst zu
lenken. Ansonsten könnte der Einruck vermittelt
werden, es handele sich bei Jesus
um eine Art Zauberkünstler nach der Façon
eines David Copperfield. Daher ist eine Nachbesprechung
des Films notwendig. Die Schülerinnen
und Schüler sollen einsehen, dass
die Wunder etwas aussagen: Sie sind Ausdruck
und Zeichen der Liebe Gottes zu den
Menschen.
Um die Aspekte des Glaubens und Vertrauens
nachhaltig zu verdeutlichen, könnte
man im Anschluss an die Vorführung des
Films die Schülerinnen und Schüler etwa die
Seefahrt der Jünger sowie ihre Begegnung
mit Jesus, den Gang des Petrus über das
Wasser und schließlich die Rettung aller
Jünger nachspielen lassen. Möglich wäre
hier die Inszenierung eines Bibliodramas.
Besonders geeignet ist jedoch ein Vertrauensspiel,
das die jungen Menschen in die
Lage versetzen kann, Gefühle, wie sie Petrus
bei seinem Gang über das Wasser haben
mochte (Hoffnung, Vertrauen, Zweifel, Gefühl
des Ausgeliefertseins, Angenommenseins
und der Geborgenheit), besser nachzuempfinden;
beispielsweise kann sich ein
Kind, das sich freiwillig die Augen verbinden
lässt, von einer Mitschülerin oder einem Mitschüler
durch das Klassenzimmer führen
lassen und anschließend über seine Eindrücke
und Gefühle berichten. Dieser Vorgang
kann durchaus einige Male mit anderen
Schülerinnen und Schülern wiederholt
werden. Anstelle eines Spiels oder einer
Aktion bzw. zusätzlich dazu kommt auch die
Schilderung persönlicher Erlebnisse in Frage:
Schülerinnen und Schüler erzählen,
wann sie einmal Angst hatten oder aus einer
Notlage nicht mehr aus eigener Kraft herauskamen
und sich auf jemanden verlassen
konnten, der sie aus dieser unangenehmen
Situation befreite.
Zudem kann der Film auch zum Anlass genommen
werden, den Begriff „Wunder“ zu
thematisieren. Gab es die in den Evangelien
beschriebenen Wunder wirklich? Und selbst
wenn ja: Gibt es denn heute überhaupt noch
Wunder? Diese oder ähnliche Fragen ergeben
sich dann sehr schnell. Ziel hierbei ist
es, von dem neuzeitlich eingeschränkten
Wunderbegriff wegzukommen, wonach nur
alle übernatürlichen, physikalisch nicht erklärbaren
Phänomene als Wunder bezeichnet
werden. Vielmehr geht es um eine Sensibilisierung
für „alltägliche“ Wunder: das
Wunder der Geburt eines Kindes, das Wunder
der selbstlosen Liebe und Freundschaft, die
Wunder der Natur usf. In diesem Rahmen
sollte den Schülerinnen und Schülern Gelegenheit
gegeben werden, etwas über ihre
persönlichen „wunderbaren“ Erlebnisse zu
erzählen. Gegebenenfalls ließe sich auch
eine Collage aus Zeitungsausschnitten zu-
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sammenstellen, in denen über etwas Wundersames
oder Wunderschönes berichtet
wird. In diesem Zusammenhang bietet sich
die Vorführung des ebenfalls zehnminütigen
Zeichentrickfilms aus derselben Reihe zum
Thema „Wunderheilungen“ an.
Schließlich kann der Film auch einer Meditation
vorausgehen oder eventuell sogar
direkt als Anknüpfungspunkt etwa für eine
Phantasiereise dienen.