Uff, da ist man mal ein wenig anderweitig beschäftigt und schon quillt dieser Thread wieder über mit Schwachsinn vom Feinsten.
Argumentationen an PK-Statistiken (die muss man eben auch lesen können, gell? Und nicht nur das, auch wissen, wie man in ihr erhobene Werte mit früheren vergleichen kann [Spoiler für die ganz Neugierigen: gar nicht]), alles Rechte (
und die dann natürlich automatisch Vollnazis), fehlen darf natürlich auch nicht
die Mär von den Abgehängten, die die AfD wählen und sich damit ins eigene Fleisch schneiden, kurz: eigentlich ist ja alles sowieso in Ordnung,
wären nur diese Rechten nicht.
Ist aber irgendwie Standpunktsache.
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Achtung vor diesen Antifaschisten!
wer in der DDR gegen Erich Honecker aufbegehrte, begehrte gegen den Antifaschismus auf. Er war ein Faschist. Wer am Fünfjahresplan zweifelte, war Faschist, wer ihn bejubelte, war Antifaschist. Wer vom Eiffelturm träumte, der war Faschist, und wer am antifaschistischen Schutzwall Republikflüchtlingen in den Rücken schoss, war Antifaschist. So funktionierte die Logik der Diktatur.
Wenn heute irgendwo Antifaschisten auftauchen, so ist man gut beraten, in Deckung zu gehen.
Die paar Cent für den ganzen Text sollte sich so mancher hier doch mal gönnen. Ein wenig Erdung schadet nicht.
Die "Fans der Komplexität" sind immer relativ schnell dabei, die Hypothesen als Wahrheiten anzunehmen, die ihnen ein angenehmes und "richtiges" Gefühl vermitteln.
Dabei wäre es schon ausreichend, wenn sie ganz am Anfang anfangen, sich nur mal über die Argumentationstrategie informieren würden.
Denn mit "Komplexität" argumentiert man nicht. Natürlich ist man damit bei einem tumben Publikum wirksam, aber eigentlich ist dies nur eine Methode, um eine Debatte so lang wie möglich zu ziehen und so Zeit zu erkaufen.
Erfunden hat es? Die Zuckerindustrie. Diese wehrte sich Jahrzehnte gegen Klagen überfetteter Konsumenten (übrigens überaus erfolgreich), sowie Studien und Gutachter, die die Gefahr von Zucker belegten, mit einem Verweis auf die hohe Komplexität der chemischen Ablläufe in Organismen, die eine Reduzierung auf einfache Sachverhalte nicht zuließen würden.
Es war lange Zeit das Ding (besonders in den US-Debattierclubs): wann immer man an die Wand geredet wurde, die "Komplexitätskarte" ziehen.
Natürlich gilt bis heute
Ockhams Rasiermesser:
1. Von mehreren möglichen Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen.
2. Eine Theorie ist einfach, wenn sie möglichst wenige Variablen und Hypothesen enthält und wenn diese in klaren logischen Beziehungen zueinander stehen, aus denen der zu erklärende Sachverhalt logisch folgt.
nur ist das eben furchtbar unpraktisch, wenn man etwas durchsetzen möchte, das man nicht hinreichend logisch begründen kann.
Aber das nur am Rande. Dazu sollte schon 1000mal alles gesagt worden sein. Aber dem ist wohl immer noch nicht so (oder es will einfach nicht realisiert werden).
So einige schaffen es scheinbar noch immer nicht (entgegen des selbst gepflegten und wahrgenommenen Selbstbildes), Presse und Medien reflektiert zu konsumieren. Und hier ist "konsumieren" tatsächlich das treffende Verb. Denn den roten Faden hat man sich selbst zu suchen. Wer das nicht schafft, wird zwangsweise fressen, was seinem Geschmack entspricht und nicht weiterkommen.
Zur aktuellen Lage:
"Wir haben Videoaufnahmen darüber, dass es Hetzjagden gab, dass es Zusammenrottungen gab, dass es Hass auf der Straße gab, und das hat mit unserem Rechtsstaat nichts zu tun." Sie fügte hinzu: "Es darf auf keinem Platz und keiner Straße zu solchen Ausschreitungen kommen."
So lautete das Statement unserer Kanzlerin zu Chemnitz.
Dem widersprechen nun nicht nur Seehofer und der unbequeme oberster Verfassungsschützer (der gerade von allen Seiten beschossen wird, weil er den Verfassungsschutz und sich selbst nicht kurz vor der Bayern- und Hessenwahl politisch instrumentalisiert sehen möchte [dies so auch gar nicht zulassen DARF], keine unrechtmäßige Beobachtung einleiten will, die ihm dann alsbald wegen einer absehbaren Klage um die Ohren fliegen, die AfD damit völlig legitimieren würde), allen voran (und als erstes) hat die Generalstaatsanwaltschaft Sachsen über ihren Sprecher (Wolfgang Klein) gegenüber dem Online-Magazin „Publico“ in einem Interview erklärt, dass nach Sichtung aller vorliegenden Daten und Vorgängen folgende Beurteilung ergeht:
„Nach allem uns vorliegenden Material hat es in Chemnitz keine Hetzjagd gegeben.“
Darauf angesprochen, entgegnete unser Regierungssprecher (Seibert):
Es bleibt dabei, daß es Äußerungen gab, die bedrohlich waren, nah am Aufruf zur Selbstjustiz – also, da gibt es aus meiner Sicht auch nichts kleinzureden“Er nehme aber natürlich ernst, was die Generalstaatsanwaltschaft Sachsen zu dem Begriff „Hetzjagd“ gesagt habe. Er werde aber „keine semantische Debatte“ über das Wort führen.
Das hat aber in den Medien irgendwie nicht die Erwähnung gefunden, die es verdient gehabt hätte (hatten sich doch die Regierung und so ziemlich alle Medien zuvor in der oft Trump zugewiesenen Art und ohne eine Ermittlung abzuwarten der Verkündung von nunmehr derben Fake-News hingegeben).
Also trat Kretschman an die Mikrofone und dessen Worte konnte man schwerlich ignorieren, denn sie wurden im Livestream und (anders als die Pressekonferenz der Bundesregierung ohne Akkreditierungssystem) mit breitem Interesse verfolgt.
Dann erst schloss sich Seehofer an, nun auch Maaßen und etliche weitere Innenminister.
Stand der Sache ist laut Verfassungsschutz:
„Es liegen keine Belege dafür vor, dass das im Internet kursierende Video zu diesem angeblichen Vorfall authentisch ist.“ Nach seiner vorsichtigen Bewertung „sprechen gute Gründe dafür, dass es sich um eine gezielte Falschinformation handelt, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken“.
Wer es noch immer nicht gemerkt hat: Wir befinden uns in einem ideologischen Konflikt, in dem beinhart um die Deutungshoheit gekämpft wird. Und nicht nur das: es wird nach allen Regeln der Kunst von allen Seiten Propaganda betrieben.
Es ist schwer, da irgendwie die Mitte zu halten oder eine "einzig legitime Wahrheit" zu finden, sich nicht auf eine Seite ziehen zu lassen. Aber wenn man sich nicht mal anstrengt...
Merkel versucht sich gerade damit über Wasser zu halten, dass eine Geschichte um Verrat gestreut und konstruiert wird. Sie wäre ja falsch oder gar gar nicht informiert gewesen. Dafür hat sie aber ganz schön früh ganz schön weit den Mund geöffnet und billigend den Totalschaden für Chemnitz in kauf genommen.
Ich habe echt keine Ahnung, wer da nun die Wahrheit sagt, ob wir uns mitten im zweiten Putschversuch Seehofers befinden oder alles langsam den Bach runtergeht.
Eines ist aber gewiss: wirklich eindeutig ist momentan absolut gar nichts und am Ende wird nicht unbedingt der gewinnen, der die Wahrheit spricht oder
das vermeintlich "Gute" repräsentiert, sondern der, der die Meinung am besten zu seinen Gunsten beeinflusst.
Wie sagte schon Schröder, unser Medienkanzler?
„Zum Regieren brauche ich Bild, Bams und Glotze."
Nie war der Spruch passender.