Ich sehe das anders. Das überlegene Gameplay von MGSV ist nicht das Ergebnis von Einflussnahme durch Konami, sondern vielmehr die logische Weiterentwicklung dessen, was er über Jahrzehnte aufgebaut hat.
Schon Metal Gear Solid 1 auf der PS1 hatte für die damalige Zeit bemerkenswert komplexe Stealth-Elemente, etwa Sichtfelder, Geräusche, Alarmphasen und Überwachungskameras. In MGS2 kamen neue Mechaniken hinzu, wie Gegnerreaktionen auf Blutspuren, Wachen mit Funkkontakt, Wachwechsel und Wettereinflüsse. MGS3 führte Tarnmuster, Verletzungsmanagement und eine offenere Kartenstruktur ein.
MGSV hat diese Elemente nicht ersetzt, sondern erstmals in eine dynamische, offene Welt übertragen, mit realistischer Gegneranpassung (zum Beispiel Nachtsichtgeräte bei häufigen Nachtangriffen), frei wählbaren Einsatzzeiten, einem Begleitersystem und modularem Ausrüstungsbau.
Diese Weiterentwicklung passt genau zu dem, was Kojima immer wieder in Interviews betont hat, nämlich dass Spieler selbst entscheiden können sollen, wie sie eine Situation lösen. Deshalb spricht vieles dagegen, dass all das gegen seinen Willen entstanden sein soll.
Auch Mother-Base-Management wurde bereits auf PSP in Peace Walker eingeführt, mit Soldatenrekrutierung, Forschung und Ressourcenverwaltung. MGSV baut dieses System deutlich aus, mit begehbarer Basis, Online-Funktionen und größerer strategischer Tiefe.
Dass die Story in MGSV schwächer wirkt, liegt wohl eher an einem abgebrochenen Projekt und nicht an einem Bruch mit Kojimas Stil. Dass Figuren wie Quiet oder Skull Face zunächst aufgebaut, dann aber fallengelassen werden, ist kein erzählerischer Kniff, sondern deutet eher darauf hin, dass Inhalte gestrichen wurden.
Kurz gesagt: MGSV ist ein weiterentwickeltes Produkt mit Mechaniken aus allen vorherigen Teilen.
Zudem ist Death Stranding nicht mehr überladen mit Cutscenes, wie andere Kojimateile, weshalb ich zwar davon ausgehe, dass noch mehr in MGS V geplant war, aber nicht in höherer Frequenz. Das Spiel wäre einfach nur länger gewesen.
Ab MGS 2 war dann auch schon der Punkt erreicht, an dem sich die Reihe im Prinzip kaum noch weiter entwickelt hat und der Fokus immer mehr Richtung Story, Erzählung, Überzeichnung der Charaktere und Cutscenes zu Lasten des Gameplays verlagert wurde.
MGS 3 hatte bereits erheblich mehr Cutscenes als Teil 2, in Teil 4 wurde es nochmal erheblich mehr, was dann derart ausartete, dass man sich nach Abschluss des Spiels erstmal einen über 1 Stunde langen, drittklassigen Actionfilm ansehen musste, bevor man den Abspann zu sehen bekam. Auch mitten im Spiel waren die Cutrscenes teilweise so lange, dass man dadurch regelrecht aus dem Spielfluss gerissen wurde und nach der Szene oft schon garkeine Lust mehr hatte weiter zu spielen, sowas ist einfach kein gutes Gamedesign.
Teil 2 wurde damals zu Release schon für sein leicht angestaubtes Gameplay kritisiert, weil es in Punkto Stealth-Mechaniken und Realismus mit z.B. den ersten Splinter Cell Teilen nicht mithalten konnte.
Das Gegnerverhalten war in MGS vor allem eins: albern! Das wurde durch den Quatsch mit dem wandernden Umzugskarton nicht gerade besser. In Splinter Cell gab es:
- Indikatoren für Geräuschentwicklung und Licht, was auch wirklich erheblichen Einfluss auf das Risiko entdeckt zu werden hatte. In dem Zusammenhang spielten auch die zerstörbaren Lichtquellen eine entscheidende Rolle.
- Ein realistische Missionsplanung mit Itemmanagement. Die Ausrüstung war begrenzt und konnte in einer Mission auch größtenteils nicht aufgefüllt werden. Man konnte auch nur in einem realistischen Maße Ausrüstung bei sich tragen und musste mit dieser haushalten.
- Ein gut durchdachtes und auf die Stealth-Mechaniken zugeschnittenes Klettersystem, welches das Spiel enorm bereichert hat
- Wurde man entdeckt, haben die Gegner das nicht 1 Minute später einfach "vergessen" wie es in MGS der Fall war. Man musste sämtliche Gegner, die alarmiert wurden, auch ausschalten oder komplett umgehen. Die Konsequenzen einer Entdeckung waren also viel fataler. In MGS ist es hingegen fast schon egal, man sitzt es kurz aus und gut ist es...
- verschiendene Visor-Modi inkl. Nachtsicht
in MGS 3 + 4 hat sich das Gameplay hingegen kaum weiter entwickelt abseits der 2-3 Kleinigkeiten, die Du aufgezählt hast. Ich weis auch nicht von welchen offenen Arealen Du redest. Die Areale in beiden Titeln waren fast schon lächerlich klein, sicher nicht ganz so extrem schlauchig wie in Teil 2, aber als offen kann man das wohl kaum bezeichnen. Alleine das ist schon ein sehr wichtiger Punkt, der für Teil 5 spricht.
PS: Wir werden uns wohl gegenseitig nicht mehr überzeugen... Du hast aber damit recht, dass Death Stranding Gameplaytechnisch schlechter als MGS V ist, aber Kojima musste sich ja auch was ganz neues ausdenken.
Ja, weil Kojima bei Death Stranding machen konnte was er wollte. Und er musste sich nichts Neues ausdenken, er wollte es...
MGS V ist das Ergebnis der Durchsetzung Konamis gegen Kojima und deshalb ist es auch das einzige MGS, dass ein richtiges (gutes) Stealth Game ist und bei dem Story und Charaktere nenebsächlich sind.
PPS: MGS 3 und MGS 4 kenne ich kaum. Ich schaue mir gerade Gameplay an, aber die Teile empfand ich als langweilig bzw. die haben mich nicht mehr abgeholt. MGS V hat mich echt umgehauen....nicht storytechnisch, aber Afghanistan fand ich sehr geil.
Wenn Du sie gespielt hättest, würdest Du wahrscheinlich verstehen was ich meine.
Ich habe beide gespielt und beide nicht komplett abgeschlossen. MGS 3 habe ich auf dem 3DS bis zum letzten Boss gespielt, der Titel lebt absolut von den interessanten Chrakteren, das Spiel an sich ist nur mittelmäßig und lässt viele Dinge vermissen, die man von einem guten Stealth Game einfach erwarten würde.
MGS 4 habe ich auf der PS3 etwa zu 80% durchgespielt und es hat vom Gameplay her 0 Fortschritt gegenüber dem Vorgänger, dafür wird man regelrecht mit Cutscenes zugemüllt. Die Chraktere bzw. Bosse sind hier aber schon deutlich einfallsloser. Das Spiel will viel darstellen, hat aber im Endeffekt kaum etwas zu bieten. Kojima eben...
MGSV war der langweiligste Shit, den ich innerhalb dieses Genres gespielt habe.
Geschmackssache. Ich mag Splinter Cell und es ist sehr viel näher an Splinter Cell dran als alle anderen Teile. Außerdem gefiel mir die Forschung und das Management in der Basis, aber das Spiel hat auch klare Schwächen. Perfekt ist es bei Weitem nicht.