Der Retro 7 ist fertig und wir "bauen" eine 6800 Ultra
Der Retro 7 ist vor dem Retro 6 fertig und mehr oder weniger ein Zufallsprodukt im Rahmen des "Baus" einer 6800 Ultra. Mir wurde außerdem klar, dass ich einen Rechner brauche, der das PCI Express Gegenstück des Retro 2 ist. Manche Karten aus der Zeit liegen mir in AGP und andere in PCIe vor. So gibt es jetzt einen zweiten Pentium 4 3.0 HT aber auf einem PCI Express Mainboard.
Gehäuse
Die Wahl ist hier auf ein Antec Gehäuse gefallen. Das hatte jetzt keinen speziellen Grund. Es war halt noch da und mir war klar ich brauche hier Luft für das, was mal eine 6800 Ultra werden soll.
Und deshalb gibt es hier auch einen Lüftermod in der Seitenwand. Und dabei hab ich erstmal so richtig heftig verkackt. Ich hatte einfach nicht das richtige Werkzeug dafür und habe dann mit allen möglichen herumprobiert und diese Untat hier fabriziert:
Und nein, ein Dosenöffner war hier nicht im Spiel. Auch wenn sich das optische Ergebnis kaum von den Versuchen meines Sohnes im Grundschulalter zum Öffnen seiner geliebten Raviolis unterscheidet. Vorteil hier, die Küche ist nicht voller Tomatensauce, Nachteil, ich muss mir was einfallen lassen.
Ich habe dann dieses Teil hier aus Plexiglas gefertigt, was auch mit meinem Werkzeug zu verarbeiten ist:
Nach dem das dann geschliffen und lackiert war, war ich damit dann auch ganz zufrieden. Ich habe dann noch einen PWM Controller nebendran gesetzt, um die Lüfter ordentlich steuern zu können.
Damit war das Gehäuse fertig für seine Innereien.
Mainboard und CPU
Wie zu Beginn bereits erwähnt, kommt genau wie im Retro 2 ein Pentium 4 3.0 HT zum Einsatz. Das Mainboard ist ein Gigabyte GA-GA31M-ES2L. Gekühlt wir die CPU von einem Cooler Master Hyper 212 gekühlt. Hier war einfach insgesamt Resteverwertung angesagt.
RAM
Abgesehen davon, dass das Board sich hier sehr zickig präsentiert hat, habe ich mich hier mit Absicht für das schlechteste entschieden, was ich überhaupt nur finden konnte. Da der Retro 2 ja noch DDR1 RAM verwendet, dieses Board aber DDR2 und ich die beiden Setups so vergleichbar wie möglich halten wollte, ist die Wahl dann auf diese Maxtda RAMs aus der Krabbelkiste gefallen.
Im Superpi konnte ich damit folgendes Ergebnis erreichen. Nachdem der Retro 2 ein Upgrade erhalten hat, was im Thread noch nicht dargestellt ist, sind die Systeme damit ungefähr auf gleichem Level.
Overclocking hat hier nicht stattgefunden und es ging auch wirklich nix. Die geringste Anhebung des FSB war hier nicht stabil. Ich habe auch anderen RAM getestet und diesen weit unter seiner Spezifikation betrieben um den RAM auszuschließen. Das war aber nicht der Grund. Normal würde mich das wahnsinnig machen. Da ich hier aber ja ein Gegenstück zum Retro 2 haben möchte, ist das halb so wild.
Grafikkarte
Der Star, warum dieser Build hier überhaupt enstanden ist, ist definitiv die Grafikkarte. Eine 6800GT oder Ultra wollte ich immer haben. Nachdem meine 9800 Pro damals kaputt ging, hat das Geld für eine 6800 aber nicht gereicht und mit Doom 3 in Reichweite, wurde es dann damals eine 6600GT, die dann bald von einer 7800 GT abgelöst wurde. So habe ich die 6800 Serie übersprungen. Aber ich hab damals sehr viele dieser Karten im Bekanntenkreis gemodded und hatte da einfach wieder richtig Bock drauf. Da ich aber ja sehr ungerne perfekte Sachen kaufe und einfach gerne alte Hardware rette, konnte natürlich nicht einfach eine 6800 gekauft werden. Nein hier musste ein Projekt her. Ich habe dann zufälligerweise eine Quadro FX3400 gesehen. Da ist mir eingefallen, dass ich damals oft 6800er in Quadros geflasht habe, weil die Leute sie für CAD Anwendungen gebraucht haben. Das müsste also doch auch genau umgekehrt funktionieren. Und Retrogaming ist cool aber Retro CAD? Das bracht, glaub ich, wirklich niemand.
Die Karte wurde mir dann von einer anonymen Spenderin, die zwischenzeitlich tief ins Rabbithole des Hardwarewahnsins gestürzt ist, zu Verfügung gestellt. Auch an dieser Stelle wieder vielen Dank.
Grafikkarte - technisches Modding und Benchmarks
Da die FX3400 den gleichen Kühler, wie die GT hat, also den dünnen und nicht den doppelt so hohen, wie den der Ultra, wollte ich aus diesem alles rausholen, was nur irgendwie geht. Die Karte wurde also komplett gereinigt. Die Paste wurde durch Duronaut ersetzt und alle Pads, inklusive der des VRMs wurde durch Halzniye 206 Putty ersetzt. Das Putty ist jetzt zwar nicht das allerbeste aber um Welten besser als die alten Pads und irgendwann muss ich die Tonnen von Wärmeleitmaterial, was ich hier herumliegen hab, ja auch mal verarbeiten:
Der kleine rechteckige Chip unter dem eigentlichn ist übrigens die Bridge zur Wandlung von AGP auf PCIExpress, denn die 6800 Serie wurde noch als AGP Karte entwickelt und dann sowohl für AGP als auch für PCIe auf den Markt gebracht. Das ist bei der 6600 GT übrigens genau umgekehrt, was ich recht spannend finde.
Was auf dem nächsten Bild sichtbar ist, wenn ihr unten rechts schaut ist, dass sich das Board zwar grundsätzlich nicht von einer 6800 Ultra unterscheidet, aber hier fehlt eine komplette Powerstage. Die Karte muss also, wenn der Mod gelingt, mit 4 statt 5 Phasen auskommen. Daher muss die Kühlung umso besser passen.
Nach der Montage war die Karte jetzt mit allem versorgt, was thermisch ohne Wechsel des Kühlers möglich ist und bereit für das weitere Vorhaben. ich musste jetzt herausfinden, was mit der Karte überhaupt möglich ist, denn die 6800er Serie war berühmt für die Möglichkeit der Freischaltung der Pipelines. Hier mal eine Übersicht:
Modell | Pixelpipelines | Vertex Shader
--------------------+----------------+---------------
GeForce 6800 LE | 8 | 4
GeForce 6800 | 12 | 5
GeForce 6800 GT | 16 | 6
GeForce 6800 Ultra | 16 | 6
Und dieser Umstand war hauptsächlich der Grund, für die ganze Modderei dieser Serie damals. Denn, wenn man richtig Glück hatte, konnte man eine günstige 6800 LE kaufen und diese zur Ultra flashen. Das war dann Jackpot. Aber irgendwas ging fast immer. Und da wurde richtig gepokert. Denn eine 6800 LE war eigentlich nicht wirklich interessant. Eine 6600GT, die gut gelaufen ist, war nicht schlechter, sondern meist besser und auch billiger. Der Grund, warum es diese Karten überhaupt gab, war wohl, dass die Chipgüte des NV40 zu Anfang der Produktion wohl viel Ausschuss erzeugt hat. Und so wurden Chips, die nicht voll funktionsfähig waren, eben im Bios kastriert und als LE oder normale 6800 verkauft. Ähnlich wie wir es vor ein paar Jahren bei AMD gesehen haben, als defekte Achtkerner zu Sechskerner wurden. Über die Zeit gab es aber wohl immer weniger Ausschuss und viele Karten ließen sich reaktivieren. Die Quadro FX3400 entspricht hier der normalen 6800 also 12/5.
Es galt jetzt also herauszufinden, was bei meinem Exemplar hier möglich ist. Das ist am einfachsten mit Riva Tuner möglich. Denn Rivatuner ermöglicht es nicht nur, die Quadro von Windows als eine Geforce erkennen zu lassen, sondern auch die Freischaltung der Pipes aber nur in Windows. Das heißt, würde man die Karte in einen anderen Rechner stecken, wäre sie wieder kastriert. Zum Testen, ist es aber komplett ausreichend.
Was wir hier jetzt sehen:
1. Ich lasse Rivatuner dem System eine normale 6800 vorgaukeln mit 12/5 wie es eben auch der FX3400 entspricht. Dadurch kann ich den Geforce Treiber sauber benutzen. Ich habe die Karte dann auf Stabilität getestet und es war alles OK. Im 3D Mark 03 zeigte sich folgendes Ergebnis:
2. Hier seht ihr die Pixel Pipelines. Jeweils dort, wo bei HW Mask Yes steht, ist das also abgeschaltet. Und das lässt sich mit Rivatuner freischalten. Bei den Pipelines entspricht jede Zeile 4 Pipelines. Ich habe natürlich versucht alles freizuschalten und die Pipelines ließen sich auch erfolgreich freischalten und die Karte blieb stabil. Das wäre also sichergestellt
3. Hier sind die Vertexshader zu sehen. Eine Freischaltung des sechsten Vertexshader ließ die Karte im 3D Mark aber Artefakte zeigen. Das heißt wir haben hier eine 16/5 Karte.
Vorhaben gescheitert? Nein! Wir haben jetzt nur das Problem, dass wir kein normales BIOS einer 6800GT oder 6800 Ultra nutzen können, da diese beiden Karten ja sechs Vertexshader aktivieren würden. Ich gehe gleiche darauf ein, wie man das ändern kann.
Zunächst habe ich jetzt sichergestellt, dass die Karte auch die Taktraten einer Ultra schafft. Diese läuft nämlich mit 400 Mhz Core und 1000 Mhz Speicher anstelle der 350 / 900 oder FX3400. Auch das hat funktioniert und war durch mehrere Benchmarks stabil.
Bioseditierung und Flashen
Es war jetzt klar, mit einem BIOS von der Stange kommen wir hier nicht weiter. Zuerst musste also das bestehende BIOS gesichert werden. Dazu benötigt man nvflash und eine bootbares DOS. Früher hat man das per Diskette gemacht. Heute geht es komfortabler mit RUFUS einen USB Stick zu erstellen. in nvflash kann dann mit folgendem Befehl gesichert werden:
Jetzt gäbe es zwei Wege, wie ich weiter vorgehen könnte. Eine Ultra oder GT Bios um einen Vertexshader kastrieren oder das bestehende BIOS aufbohren und in ein 6800 Ultra 12/5 BIOS verwandeln. Ich habe mich für die zweite Möglichkeit entschieden, da ich hier für alle anderen Parameter weiß, dass diese stimmen. Um das Biosfile zu editieren nutzt man die Software Nibitor.
Anpassung der Device ID und Sub System ID auf die Werte einer 6800 Ultra:
Anpassen der Taktraten auf die einer 6800 Ultra:
Setzen der Corevoltage auf 6800 Ultra Werte
Setzen der Bootmessage
Damit zeigt die Karte bei jedem Boot für 6 Sekunden die Meldung an:
Damit sind die Arbeiten in Nibitor abgeschlossen und das editierte BIOS kann gespeichert werden. Allein dadurch haben wir aber immer noch nicht die 16 Pipelines fest im BIOS. Um das umzusetzen hat der Rivatuner eine extrem coole Funktion. Es ist nämliche möglich, die Pipelines, die man im Rivatuner nur per "Software" freischaltet, in ein Biosromfile hineinzupatchen. Es ist dafür lediglich notwendig die Einstellung im Rivatuner gesetzt zu haben und ein Skript aus einem Unterordner des Rivatuners aufzurufen und anzugeben, auf welches Romfile das Skript angewendet werden soll:
Nachdem das Skript durchgelaufen ist, haben wir unser finales BIOS mit 16/5 und den vorher in Nibitor vorgenommen Änderungen. Es geht also zurück in nvflash um dieses mit folgendem Befehl zu flashen. Die Parameter -4 -5 -6 bedeuten hier auf gut deutsch "scheiß auf alles" und mach einfach. Es wird aber explizit auch nochmals gewarnt, welche Änderungen man vornimmt und was hier alles nicht so ist wie normal:
Damit ist unsere FX3400 6800 Ultra 16/5 technich gesehen fertig. Nach einer Neuinstallation der Treiber prüfen wird jetzt, was das ganze gebracht hat. Und ich denke eine Steigerung von über 23% kann sich sehen lassen:
Die Temperaturen des Chip waren hier völlig unproblematisch. Das VRM war aber gefühlt schon recht heiß. Ich habe also einige Benchmarkläufe mit im VRM Kühler eingeklemmten Temperatursensor gemacht und kam hier in der Spitze auf 75 Grad. Das ist für diese Karten jetzt nicht ungewöhnlich aber um auf Nummer sicher zu gehen, habe eben die Zusatzlüfter in der Seitenwand angebracht
Grafikkarte - optisches Modding
Was wäre eine 6800 ohne Nalu? Das geht ja gar nicht! So kann das auf keinen Fall bleiben:
Da ich in Besitz eines Fineartplotters bin, habe ich mir also das Design ausgedruckt und aufgeklebt. Im ersten Versuch war die Ausrichtung noch nicht 100% OK. Trotzdem habe ich das Einlackieren bereits probiert, um zu Testen, wie die Farbe reagiert. Leider ist das Quadro Logo durchgekommen und die Farben waren mir auch noch nicht krass genug:
Ich habe das Quadrologo also abgeschliffen:
Anschließend den ganzen Aufkleber nochmals etwas dicker ausgedruckt, die Ausrichtung korrigiert und das ganze mit 2K Klarlack überzogen und bäääähm. Hier ist sie in voller Pracht:
Damit konnte sie in die neue Heimat einziehen:
Ein passendes Aquarium für Nalu
Zu Nalus Zeiten war 22" 1680 x 1050 noch nicht wirklich aktuell. Ich wollte hier etwas zur Zeit passendes haben. Die Röhre war zu altbacken und der 22" zu neu. Es musste also ein 19" TFT mit 1280 * 1024 her. Und obwohl ich davon mal den halben Speicher voll hatte, waren keine mehr da. Also Forenmitglied 413x konsultiert. Er hatte noch einige aber alle kaputt. Zu einem, war aber noch die originale Verpackung da, also musste dieser repariert werden. Hier waren lediglich einige Kondensatoren auf dem Netzteil zu tauschen:
Und hier schwimmt sie nun in ihrem gewohnten Bildformat
Fazit und Ausblick
Das war einfach nur der pure Spaß. Sowas wollte ich mal ewig wieder machen. Hier war einfach alles dabei, was mir damals Spaß gemacht hat. Schade, dass heute durch Lasercuts und dergleichen Unsinn solche Mods nur noch selten möglich sind. Was interessieren die ein paar hundert oder tausend Verrückte, die sowas machen? Wenn es jemand weiß, würde mich interessieren, ob die AMD 9070 non XT eigentlich auch ein Chip ist, der eigentlich dem der 9070XT entspricht. Ich kenne den Mod mit dem XT Bios aber der hebt ja nur das Powerlimit an. Ich weiß auch, dass mehr nicht möglich ist. Aber liegt es daran, dass es wirklich ein anderer Chip ist oder weil hier "Maßnahmen" ergriffen werden?
Und ja der Retro 6 ist nach wie vor in Enstehung aber das hier hat mir in den Fingern gejuckt. Ging nicht anders
