AW: CDU will (doch) kein schnelles Internet bis 2018? Rechtsanspruch zurückgenommen
Vielleicht sollten sie einfach mal mit dem Updaten bei wenigen aufhören und man macht generell 30Mbit für alle
Es wird über kurz oder lang einfach keine hohe Bandbreite
"für alle" geben. Den Ausbau-Erfolg lassen sie sich an %-Zahlen bezogen auf Haushalte und Fläche bescheinigen. Und so wie es aktuell aussieht, werden in keiner Region die 100% abgepeilt.
Bundesweit liegt die Abdeckung über 16 MBit/s bei 84 % Leitungsgebunden (6 % Drahtlos = z.B. LTE) bezogen auf Haushalte. Über 6 MBit/s sind das sogar 92 % (82,5 % Drahtlos). Wenn also der Staat X Mbit/s für vllt. 90 % vorgesehen haben, reicht es theoretisch aus, die Haushalte über 6 MBit/s auf diesen Wert zu bringen. Die ländlichen Gebiete werden also sowieso kaum ausgebaut. Und warum ist es so? Deswegen:
Zukunft Breitband - Bedarfserhebung
So lange sich die Frage nach Bedarf und Wirtschaftlichkeit stellt, ist ein kompletter Ausbau für alle Haushalte vollkommen ausgeschlossen und wird es einfach nicht geben. Pauschalaussagen wie "bis 20XX sollen alle Haushalte mindestens XX MBit/s haben" nehme ich seit Jahren schon nicht mehr ernst. Der Staat müsste also theoretisch die Kosten für den gesamten Ausbau übernehmen, da ein Unternehmen wie die Telekom oder die ganzen regionalen Anbieter sowie Kabel-Provider es aus wirtschaftlicher Sicht nicht einsehen werden, Gebiete mit vllt. max. 30 potenziellen Kunden auszubauen, wenn sich der Ausbau erst in 20 oder 30 Jahren für sie rechnet.
Einerseits kann man das natürlich verstehen. Aber als betroffener kotzt mich das richtig an. Denn gerade einmal 8 Kilometer weiter wurde ein Dorf ausgebaut, das nicht einmal einen einzigen Betriebssitz hat (hier gibt es insgesammt 4 Betriebe). Dort haben aber einige private Leute mit in den Ausbau investiert. Hier in dem Kaff hat keiner das Geld dafür. Da drüben scheinen sich aber ein paar gefunden zu haben. Aber für viele Orte gibt es weder Geld aus der Kommunen-Kasse, noch private Anleger noch sind diese groß genug, um intern Geld für den Ausbau zu sammeln. Diese werden vielleicht einmal ein Upgrade 2025 bekommen, wenn sie Glück haben. Denn wir haben hier auch nur 2 MBit/s (was übrigens vor ein paar Jahren sogar mal staatlich ein Mindestziel darstellte). Hier wird also noch eine ganze Weile nichts mehr passieren.
Deswegen ist ja auch dieser Vectoring-Boom von der Telekom so extrem. Mit Vectoring kann die Telekom sehr viele Anschlüsse mit höheren Bandbreiten erreichen, ohne auf eine andere Trägerleitung zu setzen. Das kommt beim Ausbau kostentechnisch natürlich entgegen, da vom Grundsatz her nur die DSLAM's getauscht werden müssen und vllt. in großen Ballungsgebieten die Zuleitung für höhere Kapazitäten. Aber eine längere Leitungsstecke überbrücken die Teile leider auch nicht so viel besser. Dann sind es vllt. 4 statt 3 km für 6 MBit/s. Durch Vectoring erhöhen sie im Zentrum der Versorgung also die Bandbreite massiv und heben das Niveau am Versorgungsrand eines DSLAM's an. Dann haben wir bei dem Ausbautempo in 2-3 Jahren die 84 % bei 30 MBit/s und die 92 % bei 16 MBit/s. Und? Den Leuten auf dem Land hat es trotzdem nicht geholfen!
Und das ganze Hybridzeug ist auch wieder so ein Statistik-Schmeichler. In einigen ländlichen Gebieten hat die Telekom LTE Verfügbar, wo nur DSL bis 2 MBit/s liegen. Statistisch können sie also dadurch noch zusätzliche Prozente in die Statistik holen. Ich bin mal auf die Zahlen mitte 2016 vom BMVI gespannt. Dort werden dann definitiv die Hybridanschlüsse die Zahlen noch einmal deutlich frisieren. Die Merkel klopft sich für die 95 Prozent auf die Schulter und die Leute, die nichts davon haben, schmeißen Dartpfeile auf Fotos von ihr und kotzen, wenn sie in den Medien mal wieder sagen darf "Wir haben es gemeinsam geschaft!".