AMD will wachsen: 30-Milliarden-Dollar-Übernahme von Xilinx wird spekuliert

Die 2900XT war nur ein kurzer Reinfall, danach hat ATI beziehungsweise dann eben die AMD-Grafikkartensparte Gewinn macht. Das war keine Belastung für AMD, sondern die Lebensader während Phenom I und später wieder bei Bulldozer. Aber die Belastungen der für die ATI-Übernahme aufgenommenen Schulden haben zu katastrophalen Einschnitten geführt und Synergieeffekte zwischen beiden Firmenteilen haben sich erst sehr viel später herauskristallisiert. Bei Xilinx ist zwar immerhin nicht zu befürchten, dass man sich die eigene Basis entzieht sowie damals im Chipsatz-Markt.* Aber es ist umgekehrt eben auch nicht zu erwarten, dass die Kombination aus AMD von Xilinx kurzfristig irgendwelche Produkte hervorbringen könnte, die über die Summe eines unabhängigen AMD und eines unabhängigen Xilinx hinausgehen oder Kosten einsparen könnten. Der Gesamtkonzern müsste aber irgendwie die Schulden bedienen – 30 Milliarden entsprechen den gemeinsamen Umsätzen von drei Jahren und den gemeinsamen operativen Gewinnen von zwei Jahrzehnten. Das würde AMD auf lange Sicht extrem belasten und keinen finanziellen Spielraum für andere Projekte mehr lassen, ähnlich wie damals nach der ATI-Übernahme.

Wenn man gar keine andere Investitionsidee hat, kann man so etwas natürlich auch machen, aber wo sind AMDs CPU im Low-Cost- und Ultra-Mobile-Markt? Wo sind die GPGPU-Architekturen? HPC-Interconnects? Es gibt so viele Märkte, die direkten Bezug zu den bestehenden Produkten haben und in denen man bestehendes Know-How gewinnbringend einsetzen könnte, wenn man die Möglichkeit zu weiteren Investitionen hat. Stattdessen das fünffache des Eigenkapitals in eine Produktsparte zu investieren, zu der man weniger praktischen Bezug hat als beispielsweise Apple, Google oder Samsung, würde ich als fragwürdig bezeichnen. Wenn man sich in so eine Richtung erweitern möchte und keine riesige Liquiditätsreserve hat, dann schließt man wenn dann eine Partnerschaft. Damit steigen zwar nicht die Erfolgschancen, aber man bleibt bei einem Fehlschlag nicht auf einem Berg Schulden sitzen.


*Für die, die damals noch nicht dabei waren: ATIs Chipsatzsparte hatte am ehesten mit IGP-Modellen für Intel-Plattformen Erfolg. Die Intel eigenen Grafiklösungen waren damals bestenfalls für Office-Betrieb geeignet, wurden aber zum Teil schon für Multimedia zum Problem und Nvidia bot lange Zeit gar nichts auf diesem Markt an. Umgekehrt war Nvidia der absolut dominierende Anbieter über alle AMD-Plattformen hinweg. Von OEM-PCs mit Onboard-Grafik über High-End-Gaming-Systeme bis hin zu Optereon-Servern kam die beste und beliebteste, in letzterem Fall sogar die einzige aktuelle Technik von Nvidia. Nach dem Kauf von ATI durch AMD hat Nvidia aus naheliegenden Gründen sämtliche Weiterentwicklungen eingestellt, den Servermarkt (in dem Langzeitsupport wichtig ist, aber offensichtlich nicht mehr garantiert werden konnte und sollte) praktisch abgewickelt und umgekehrt stoppte AMD die Weiterentwicklung von Lösungen aus jetzt eigenem Hause. Zwar nicht über Nacht, aber binnen weniger Monate war die ex-ATI-Chipsatzsparte 80 Prozent ihres Absatzmarktes los, Opterons standen ohne Unterbau mit aktuellen Schnittstellen dar und Athlon 64/X2, später Phenom, verloren für einige Zeit den Feature-Anschluss zu Intel, bis die Entwicklung unter AMD-Herrschaft neu ausgerichtet und angeschoben war. AMD inklusive ATI hatte also nicht nur die große Schuldenlast der Übernahme zu schultern, sondern verfügte auch über spürbar weniger Einnahmen, als sie AMD und ATI bei andauernder Parallelexistenz erzielt hätten. Das die 2900XT nicht so gut wie erwartet, die GF8 dafür ein umso größerer Glücksgriff wurden und Phenom I genauso schieflief, waren natürlich genauso harte Schläge, aber einen gewichtigen Teil der Krise hatte sich AMD auch selbst eingebrockt. Die Folgen sind Geschichte: Fortschreitender Fertigungsrückstand wegen mangelnder Investition, später zusätzliche Kosten mangels eigener Fabs, Verkauf von Embedded-, Low-Power- und Flash-Sparten kurz vor dem Durchbruch von SSDs und der Netbook-Mania, Schrumpfung der Entwicklungsteams bis es nur noch möglich war, an einem CPU-Design auf Basis einer Architektur zu arbeiten – selbst wenn allen klar war, dass die Architektur nicht sonderlich gut und mit einem Design plus Altlasten kaum ein Geschäft zu machen ist, etc. . Die Belastungen waren so groß, dass die ursprünglich angestrebte und tatsächlich sinnvolle Kombination von CPU- und GPU-Techniken ("the future is fusion") erst fertiggestellt wurde, nachdem bei der Konkurrenz die IGP bereits den Cache mit den Rechenkernen teilte.
 
Grohmann hat als Maschinenbauer und Automobilzulieferer für Tesla einen unmittelbaren Nutzen.
AMD als x86 Chip Hersteller eher weniger. Oder bin ich falsch informiert und es stecken in einem Tesla x86 Chips?
2017 gab es zumindest Gerüchte, dass Tesla auf Intel fürs Infotainmentsystem wechseln wollte. Von Intel sind mir nur x86 Chips bekannt und keine ARM Chips...
 
Google und Amazon haben mittlerweile recht ansehnliche FPGA-Kontingente in ihren Rechenzentren am laufen. Vielleicht lautet der Gedankengang bei AMD also:
"Kunden, die unsere Prozessoren kauften auch A. Wir haben aber keinerlei Ahnung von A. Also sollten wir den zweitgrößten, entsprechen teuren Anbieter für A aufkaufen, auch wenn daraus keinerlei Synergien resultieren, damit wir künftig beides aus einer Hand anbieten können."
Totsicherer Plan. So etwas ist noch nie schief gegangen, erst recht nicht bei AMD.
Sehen die Jungs und Mädels von AMD halt komplett anders!

The acquisition brings together two industry leaders with complementary product portfolios and customers. AMD will offer the industry's strongest portfolio of high performance processor technologies, combining CPUs, GPUs, FPGAs, Adaptive SoCs and deep software expertise to enable leadership computing platforms for cloud, edge and end devices. Together, the combined company will capitalize on opportunities spanning some of the industry's most important growth segments from the data center to gaming, PCs, communications, automotive, industrial, aerospace and defense.
 
Eben. :-)
Der einzige Unterschied zu meiner Einschätzung ist, dass AMD Xilinx nicht gegen (zu leihendes) Geld aufgekauft hat, sondern das beide Unternehmen gegen Abgabe von einem Drittel der eigenen Firma an die Xilinx-Aktionäre miteinander fusionieren. Damit sind zwar für mich weiterhin keine nenneswerten Vorteile ersichtlich, aber es entfallen die bedenklichen Zusatzbelastungen eines Kaufs aufs Pump, wie damals bei ATI.

Für alles weitere verweise ich auf den Thread zur Fusion:
 
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