Die neue Staffelung bringt etwas mehr Test-Zeit, was immer gut ist. Den wahren Grund für die Verzögerung wüsste ich aber schon gern ...
MfG
Raff
Test-Zeit beginnt erst, wenn Muster im Haus sind. Bislang hat AMD nur die Wartezeit verlängert und um auch nur den ursprünglich erwarteten Zeitraum für solide Tests zu bieten, müssten sie
jetzt liefern. Können sie aber nicht und die Presse so schnell wie möglich zu versorgen, wird mit minimaler Vorlaufzeit enden, wenn parallel der Endkundemarkt ebenfalls ASAP bedient werden soll. Zum Verkaufsstart ist also allenfalls mit Kurztests zu rechnen. (Also genau die Situation, die sie sich jeder Hersteller wünscht und die immer häufiger provoziert wird. Schwachpunkte finden braucht schließlich Zeit.)
Von der humanen Seite mal ganz abgesehen – breaking news: Es ist Sommer und auch Redakteure wollen Urlaub. Nach AMD sich den Juli mit "gleich kommt Ryzen 9000! Steht bereit für die sehnlichst erwarteste CPU des Jahres!" geblockt hat, wird Dave sich jetzt entscheiden müssen, ob er die inklusive Tuning 5-6 dauernde Testphase jetzt trotzdem zu eigenen Lasten am Stück durchzieht oder AMD den Mittelfinger zeigt.
Wofür ich echt Verständnis hätte: Wie assig ist das, einen mehrere Wochen Vorbereitung erfordernde Verschiebung so lange geheim und die auf Samples Wartenden immer wieder hin zu halten?
Mal die ernsthafte Frage, wie lange beschäftigst du dich mit Hardware? Wenn du die Frage mit "lange" beantworten möchtest, gehe mal die Geschichte durch. Wie oft gab es diesen Paukenschlag in der Geschichte seit 2000? Ich nehme vor 2000 einfach mal raus, weil die Entwicklungssprünge damals sicherlich gigantisch waren. Ich kann mich an AMDs Sledgehammer (K8) erinnern, ich kann mich an Conroe (Core2Duo) und eben an Zen erinnern. Das war es in 24 Jahren! Alles was sonst so kam, waren Evolutionen, die vieleicht teilweise als Revolution verkauft wurden, aber selbst Alder Lake (Intels größter Sprung seit vielen vielen Jahren) waren es am Ende 21% in Spielen gg einem 11900K.
Core 2 Duo war technisch betrachtet auch eine überschaubare Evolution von Core (1) Duo und letzterer seinerseits eine große Evolution vom Pentium M. Da hat sich in ersterem Fall nicht mehr getan als von Ivy Bridge zu Haswell und definitiv weniger als von Tiger Lake zu Alder Lake oder von Zen+ zu Zen 2. Der einzige Sprung fand in der Vermarktung statt, weil es Core 2 endlich auch für Desktop gab und Core (1) halt nicht. Was man noch nennen könnte wäre Bulldozer, nur war das halt ein Sprung zur Seite bis hinten, so wie die erste und dritte Atom-Generation. Die wurden quasi komplett neu entwickelt und waren innerhalb ihres Low-End-Zielmarktes auch ein großer Schritt nach vorn.
Meinst du den P4 der in 65nm kam, vom Athlon 64 geklatscht wurde der in 90nm war, dabei Kühler, schneller und sparsamer war? Also wenn etwas ein Fail war, dann der P4. Ich habe meinen damals bereut bis zum geht nicht mehr!
Die K8-Klatsche war in 130 nm gegen 130 nm und kam erst drei Jahre sowie mehr als eine Leistungsverdoppelung statt, nach dem dem ersten P4... . Der war in erster Linie Konkurrent zum Athlon XP und wie Raff schon schrieb: Nach einiger Reifezeit hat er den Job gut gemacht (wenn auch zu typischen Intel-Preisen). Die 65-nm-Netburst-Generation war ein kurzfristig auf Links gedrehter Notnagel-Abgesang auf diese Ära, das Duell war längst Pentium D gegen X2 und eigentlich hat Intel da nach zwei Jahren totalem Durchhänger tatsächlich weitestgehend zu AMD (bis dahin tatsächlich in 90 nm) aufschließen können.
PCGH Plus: Mitte der 2000er wird Intel zum Boxsack: Jede Neuvorstellung AMDs ist ein Schlag in die Magengrube des Marktführers. PCGH blickt zurück.
www.pcgameshardware.de
AMD gewinnt mit Sockel A – aber alle reden über den Pentium 4: Wir blicken auf die Jugendjahre der PCGH zurück.
www.pcgameshardware.de
Was kostet AMD die Verschiebung um 2 Wochen nach hinten? (Ernst gemeinte Frage, isch hab da keine Vorstellungen.) Und dem gegenüber gestellt wäre eine gute PR nach dem Motto "Wir passen auf und rufen Produkte zurück, bevor der Kunde den Schaden hat...". Und weiter müssten dann ja bald die BIOS oder sonstige Korrekturen für Intel rauskommen, die die 13. und 14 Gen in der Leistung ein bisserl einbremsen, was dann den Balken für Ryzen länger machte.
Die Verschiebung selbst ist schwer zu beziffern. Wenn die Generation sich gut schlägt, und das wird derzeit erwartet, machen zwei fehlende Verkaufswochen ganz zu Anfang quasi gar nichts aus – die Leute müssen halt warten, werden das mangels Alternativen aber auch tun und dann trotzdem kaufen. Anders sähe das aus, wenn Arrow Lake wider erwarten voll reinschlägt und der (normale) 9000 somit insgesamt nur 2 bis 4 Monate Marktdominanz hat. Dann wären 2 Wochen weniger ein messbarer, wenn auch nicht kritischer Unterschied. Was für AMD und -Partner aber sicherlich alles andere als günstig wird, ist die physische Umsetzung des Rückrufs:
Während die Presse mit Sample-Versprechen hingehalten wurde, sind die Groß-, Zwischen- und mittlerweile sogar Endkundenhändler längst beliefert worden. Ich kenne keine Stückzahlen, aber allein die Zahl der Händler muss in die Tausende gehen und wenn AMD keinen Quasi-Paperlaunch vor hatte, dann werden somit hunderttausende, vermutlich Millionen, von CPUs nicht nur wieder eingesammelt und zurückgekarrt werden. Sondern dann muss auch überprüft werden, dass sie alle zurück sind, es muss eine komplett getrennte Logistik hochgezogen werden, um Vermischungen zu vermeiden, es muss eine RMA-Abteilung hingestellt werden, die unweigerlich auftretende Fälle von Händler-hat-den-Schrott-doch-meistbietend-verkauft betreuen und vor allem steht AMD am Ende mit mutmaßlich 1-2 Wochen TSMC-Output da, die (teilweise? ganz?) untauglich für den Verkauf sind, aber bezahlt werden wollen.