AW: Witcher 3 mit M-Rating in den USA: "starke Gewalt, derbe sexuelle Inhalte und Trinken von Alkohol"
Das ESRB Rating ist doch sowieso nichts rechtlich bindendes...von daher kann es den Amis herzlich egal sein, wie das bewertet wird.
Die haben weitaus weniger Hürden zu umschiffen, um an "erwachsener" bewertete Produkte in unzensiertem Zustand zu kommen.
Insbesondere bei Onlinedistribution ist das vollkommen einschränkungslos.
Sicherlich gibt es immernoch Entwickler, die ihre Spiele so gestalten, um ein bestimmtes Rating zu bekommen, weil die sonst aus den Regalen der großen Handesketten verschwinden.
Das sollte aber mittel- bis langfristig auch abebben, sobald der Retailmarkt endgültig in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist.
Selbst die in den USA noch deutlicher dominierenden Konsolen bewegen sich immer mehr in Richtung Onlinedistribution.
Bei denen ist das Bewertungssysstem alles andere als kaputt. Es ist so gemacht wie es sein sollte. Einfach nur eine Empfehlung/Orientierungshilfe für Eltern ohne gesetzliche Bevormundung Erwachsener.
Die Eltern sind die einzigen, die das Recht haben sollten, darüber zu entscheiden, was ihr Nachwuchs konsumieren soll. Dabei ist vollkommen unerheblich wie genau irgendwas bewertet wird, da der Endanwender hier die Wahl hat der Empfehlung zu folgen oder eben nicht.
Unser Bewertungssystem hingegen ist äußerst kaputt, da es auf nicht vorhandener wissenschaftlicher Basis zu wissen glaubt und zu bestimmen meint, ob irgendwem irgendwas vorenthalten werden sollte.
Darüberhinaus ist unser sogenannter Jungedschutz ebenso ein Erwachsenenschutz, was deutlich über das Ziel hinausschiesst, nochmal, ohne wissenschaftliche Belege, ob der Notwendigkeit überhaupt irgendwas einzuschränken. Und das ist dann auch noch rechtlich Bindend. Nur weil die Deutungshoheit bei Leuten liegt, die jedes neue Medium, was sie nicht verstehen, erstmal als den Ursprung allen Bösens sehen. Bücher, Popmusik, Rockmusik, Rollenspiele, Computerspiele...halt das was dem jeweiligen ewig gestrigen Entscheidungsträger gerade als Sündenbock für andere gesellschaftliche Probleme gereicht.
Aggressionen, asoziales Verhalten, Mord und Totschlag gab es schon bevor irgendein Medium das irgendwie festgehalten hat und ist nicht erst beim Aufkommen der ersten Bücher plötzlich Teil der menschlichen Natur geworden.
Aber ist ja einfacher die Erziehung von anderen übernehmen zu lassen...sich mal mit seinem Kind zu unterhalten scheint ein unglaublich großes Opfer zu sein, was viele Eltern nicht bereit sind auf sich zu nehmen. Echter Jugenschutz beginnt an der Wurzel. Eltern zwingen Verantwortung zu übernehmen, wenn sie schon Nachwuchs produzieren wollen. Nicht die Entscheidung abzunehmen.
Dazu kommt dann auch noch die konsequente Weigerung, Spiele als Kunst anzuerkennen, was dann zu solch kuriosen Auswüchsen führt, wie der Notwendigkeit beispielsweise Hakenkreuze aus Spielen entfernen zu müssen, während im TV gefühlt (!) jede 3. Sendung voll davon ist. Ich kann also auf meinem Fernseher einen WW2 Film/eine WW2 Doku gucken, der mit entsprechnder Symbolik zugepflastert ist, aber sobald ich dann am selben Gerät die Konsole den Inhalt liefern lasse, sind Hakenkreuze plötzlich durch irgendwas anderes Ersetzt, weil das Spiel sonst beschlagnahmt wird.
Wer also behauptet, das Bewertungssystem in den USA sei kaputt, sollte erstmal sein eigenes Urteilsvermögen auf den Prüstand stellen und danach seinen gewählten Volksvertretern mal vermittlen, was man von deren Umsetzung des Jugendschutzes und Interpretation von Kultur hält und was das für Auswirkungen auf das Wahlverhalten haben könnte.
Denn die Hersteller sind weder verantwortlich für jedwede Zensur noch dafür universelle Zugänglichkeit, durch Berücksichtigung unterschiedlichster internationaler Gesetzmäßigkeiten, umzusetzen, sondern der Konsument und dessen Akzeptanz dieser. Denn unsere Volksvertreter glauben, dass sie uns tatsächlich verteten, wenn keiner was gegen deren geistigen Auswüchse unternimmt. Zwar sind die Hersteller nicht gezwungen ihre Spiele zu zensieren, aber aufgrund der zugrundeliegenden Marktdynamik wird es es effektiv zum Zwang gemacht.
Es ist streitbar, ob die zugrundeliegende Moral der Bewertungskriterien sinnvoll ist. Aber da haben alle entsprechenden Systeme ihre kulturell geprägten, irrationalen Eigenheiten, die sich gegenseitig "ausgleichen". Aber rein "funktionell" betrachtet ist das US-System dem unseren bei deutlichem Abstand zu bevorzugen. Unser System ist ein Musterbeispiel bürokratischer Verkomplizierung.
Ich dachte eigentlich, dass das alles Wasser auf den Mühlen ist, aber bei so manchem Kommentar muss man sich über die Lage hierzulande nicht wundern...
/Rant