Testbericht zum portablen Gaming-Lautsprecher „LG Ultragear GP9“

arra

Schraubenverwechsler(in)
Lieferumfang und Verarbeitung

Der LG GP9 ist sicher und sauber verpackt. Im Lieferumfang enthalten ist der portable Lautsprecher, das Netzteil, ein USB-A auf USB-C Kabel, eine Kabelschelle und das Handbuch. Schön an dieser Stelle ist, dass es sich hierbei um ein externes Netzteil, und nicht um ein im Gerät integriertes, handelt. Auf der Unterseite sind Gummifüße angebracht, wodurch es auch auf glatten Oberflächen rutschfest steht.

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Während vieles an Elektronik heute eher kurvig und aerodynamisch gebaut wird, ist das Erscheinungsbild dieses Gaming-Lautsprechers eckig und kantig und damit sehr auffällig. Das Gerät selbst besteht äußerlich hauptsächlich aus Kunststoff. Es wirkt äußerst stabil und wertig. Hinten mittig befindet sich eine längere, gummierte Kunststofflippe. Diese lässt sich umklappen, wodurch diverse Anschlüsse zum Vorschein kommen. Dazu später mehr. Der GP9 macht rundum einen hochwertig verarbeiteten Eindruck.

An der Front befindet sich mittig der „UG“-Schriftzug (UltraGear) und links und rechts davon die eigentlichen Lautsprecher, die jeweils geschützt hinter einem feinmaschigen Kunststoffgitter und davorliegenden Kunststoffstreben, die leicht an einen Kühlergrill anmuten, liegen. Hinten links und rechts befinden sich die passiven Bassmembranen.

Die Lautsprechergitter sowie der UG-Schriftzug sind mit anpassbaren RGB-LEDs ausgestattet. Des Weiteren leuchten die Tasten an der Oberseite des GP9, teilweise nur in weiß. Der Ein- und Ausschaltknopf zum Beispiel leuchtet grün, wenn der Lautsprecher aufgeladen ist und rot, wenn er auflädt.

Der Akku ist fest verbaut und lässt sich auch nicht ausbauen. Bei voller Aufladung konnte ich rund 5 Stunden Musik bei Zimmerlautstärke und mittlerer LED-Helligkeit abspielen.

Konnektivität

Der Lautsprecher lässt sich auf vielen Wegen mit Audioquellen verbinden. Unter der oben angesprochenen Kunststoffabdeckung befindet sich der Anschluss für das Netzteil, USB-C, TOSLINK und ein AUX-Ausgang. Zusätzlich kann es auch Audiosignale via Bluetooth entgegennehmen. Die Quelle lässt sich per Knopf an der Oberseite der Reihe nach umschalten. Dadurch kann er mit verschiedenen Geräten verbunden bleiben, während manuell die Audioquelle festgelegt werden kann. Je nach Audioquelle leuchtet die Taste in einer anderen Farbe (weiß für USB, rot für TOSLINK und blau für Bluetooth). Zusätzlich lässt sich per Klinke ein Kopfhörer anschließen, um wahlweise den Ton über den Lautsprecher, oder über den Kopfhörer zu hören.

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Ebenfalls an der Oberseite befindet sich ein Lautstärke-Drehrad um den Mikrofon-Knopf herum (dazu später mehr). Es ist äußerlich leicht gummiert. Beim Drehen merkt man feste, aber nicht störende Rasterpunkte. Die Funktionsweise des Drehrads weckt allerdings gemischte Gefühle. Auf der einen Seite regelt es komfortabel die Lautstärke des Smartphones – man sieht unmittelbar den Lautstärke-Balken, der sich entsprechend anpasst. Auf der anderen Seite fehlt das Feedback des Drehrads unter Windows. Der Soundpegel in Windows verändert sich nicht direkt bei Änderungen am Lautsprecher selbst. Das führt dazu, dass wenn die Windows-Lautstärke per Tastatur-Hotkey oder via Soundmixer-Pegel geändert wird, wird als Ausgangswert der noch in Windows eingestellte Lautstärke-Wert verwendet, wodurch die tatsächliche Lautstärke möglicher Weise einen unangenehm großen Sprung macht, anstatt sich nahezu stufenlos anzupassen.

Das eingebaute Mikrofon lässt sich entweder per Bluetooth oder per USB am verbundenen Gerät verwenden. Es lässt sich eigenständig durch den Knopf innerhalb des Lautstärke-Drehrads ein- und ausschalten. Wie auf dem Foto zu erkennen ist, leuchtet das Mikrofonsymbol grün auf, wenn es aktiv ist. Das ist schon sehr komfortabel, um sich mal schnell und unkompliziert stumm schalten zu können.

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Des Weiteren lässt sich ein Headset an den GP9 anschließen. Per Tastendruck lässt sich die Ausgabe zwischen dem Lautsprecher und einem per Klinke angeschlossenen Kopfhörern umschalten.

UPDATE 08.03.22

Nach der letzten Firmware-Aktualisierung lässt sich die Lautstärke, sofern der Lautsprecher per USB mit einem PC mit Windows verbunden ist, nicht mehr über den Soundmixer von Windows einstellen . Dieser wird komplett ignoriert. Die Lautstärke kann nur noch über den Drehregler am Gerät selbst angepasst werden (über Bluetooth verhält es sich normal). Ich bin mir nicht sicher, ob das ein Fehler, oder ob dieses Verhalten wirklich beabsichtigt ist. Ich hoffe ersteres, denn wenn ich die Systemlautstärke nicht mehr über die Tastatur oder Maus einstellen kann, bleibt der GP9 nicht mehr lange mein Gaming-Lautsprecher.

Software

LG bewirbt dieses Gerät als (portablen) Gaming-Speaker. Der primäre Einsatzzweck liegt also im Bereich Gaming. Ein Gaming-Gerät schließe ich an meinem PC an und konfiguriere es. So aber nicht beim GP9. Es gibt nur eine App für Android und iOS. Es ist nicht möglich, diesen Gaming-Speaker über den PC einzustellen.

Das wäre so, als würde ich mir Bluetooth-Kopfhörer für Unterwegs zulegen und müsste sie vorher mit meinem Windows-Rechner verbinden, um sie konfigurieren zu können, damit ich sie optimal mit meinem Smartphone verwenden kann.

Die Android-App tut ihren Job dafür tadellos. Sie ist aufgeräumt und übersichtlich. Ein großer Pluspunkt: Es ist keine Anmeldung an irgendeinen Cloud-Dienst erforderlich, wie es bei anderen Herstellern immer öfter zu beobachten ist. Das Smartphone wird per Bluetooth einfach mit dem GP9 verbunden, die App installiert und schon kann das Gerät eingestellt werden.

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Per App lässt sich beispielsweise die Firmware des Lautsprechers aktualisieren, der Equalizer personalisieren oder auch die RGB-Beleuchtung einstellen. Bei der Einstellung der Beleuchtung wurde ich aber etwas unentspannt. Trotz Smartphone mit Stift war es mir nicht möglich, ein reines weiß einzustellen, wie man auf dem Screenshot erkennen kann. Eine manuelle Anpassung der einzelnen R-G-B-Werte wäre hierbei sehr hilfreich. Die LEDs lassen sich nicht direkt ein- oder ausschalten. Möchte man zum Beispiel keine LED-Beleuchtung, kann nur die Helligkeit auf ganz niedrig eingestellt werden. Schön wäre zusätzlich ein musik-abhängiger Effekt, eine Art Audiovisualisierung. Dann wäre er auch ein Hingucker.
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Per App lässt sich der GP9 sogar ausschalten. Aber nicht wieder ein.

Audioqualität

Ich möchte den Gaming-Speaker wirklich mögen, aber er macht es mir unglaublich schwer.

Für einen Vergleich: Rein vom Ton her kann der GP9 mit einem Amazon Echo (nicht Dot, Generation 3+) nicht mithalten. Der Sound per se ist nicht schlecht. Aber man merkt sehr schnell sehr deutlich, dass er keine Tieftoner besitzt. Gerade bei leiser Berieselung mit Musik ist der Bass nahezu nicht vorhanden und der Ton recht flach. Sobald der Gaming-Speaker aber in eine Ecke gestellt und der Raum mit lauter Musik beschallt wird, ist der Bass tatsächlich hörbar und die Musik gewinnt an Volumen. Dann vibriert auch die Oberfläche, auf die der Lautsprecher steht. LG hat hier einen sehr guten Job gemacht, um möglichst viel aus passivem Bass herauszuholen. Dennoch wäre zum Beispiel ein optional anschließbarer Subwoofer eine sinnvolle Erweiterung, um zu Hause den vollen Klang genießen zu können, während der Lautsprecher selbst aber trotzdem portabel bleibt.

Die Mitten und Höhen klingen dagegen aber sehr gut. Gerade Dialoge kommen prima zur Geltung. Stimmen werden deutlich und klar hervorgehoben.

Vom virtuellen Surround-Sound habe ich aber nichts mitbekommen. Mehr als Stereo war für mich einfach nicht wahrnehmbar. Neben dem Volume-Regler befinden sich Tasten für Equalizer-Voreinstellungen, genauer gesagt eine Einstellung für FPS- und eine für RPG- und RTS-Spiele. Mit diesen Einstellungen wird der Klang etwas „räumlicher“, aber das war’s dann auch. Eine Positionserkennung von Gegnern in First-Person-Titeln war mir mit keiner Einstellung möglich. Es lassen sicher per App auch weitere Equalizer-Konfigurationen vornehmen.


Kommen wir nun zum eingebauten Mikrofon. Ich persönlich bin ein großer Fan solcher Bauweisen, sofern sie gut umgesetzt sind. Der GP9 kann hier leider nur teilweise begeistern. Was er wirklich überzeugend macht, ist das Herausfiltern des Sounds, der aus den Lautsprechern kommt. Da hat LG alles richtig gemacht. Das Mikrofon nimmt ausschließlich den Ton auf, der in der Umgebung stattfindet und nicht den, den er gleichzeitig ausgibt. In meinen Tests hatte der Lautsprecher zu keiner Zeit die „Voice Activation“ von TeamSpeak ausgelöst. Meine Gesprächpartner hörten immer nur meine Stimme, auch in actionreichen Momenten oder bei lauter Musik. Selbst bei Telefonaten per Smartphone oder Skype über PC gab es keine Rückkopplungen zu beanstanden.

Ein großes Problem stellt aber die Gesprächsqualität dar. Die eigene Stimme ist sehr leise und etwas unsauber. Manche bezeichnen sie sogar als „spritzelig“. Stünde der GP9 vor der Tastatur, an der Tischkante zum Stuhl hin, ginge die Lautstärke wahrscheinlich in Ordnung. Aber normal steht der Lautsprecher hinter der Tastatur, vor dem Monitor. Und damit hat das Mikrofon offenbar zu kämpfen. LG hat keine GAIN- bzw. Empfindlichkeitsregler eingebaut, um die Qualität im Zweifel etwas anpassen zu können. Das könnten sie möglicher Weise softwareseitig nachbessern. Es ist mit dem Programm „Voicemeeter“ zwar möglich, die eigene Stimme qualitativ aufzuwerten, um sie klarer wirken zu lassen, aber auch damit konnte das Problem mit der aufgenommenen Lautstärke nur unwesentlich verbessert werden.

Fazit

Der LG UltraGear GP9 ist ein Gerät, das sehr viel können möchte. Und das merkt man auch, im Guten wie im Schlechten. Für eine UVP von fast 500,- EUR kann der portable Gaming-Lautsprecher für keinen Einsatzzweck empfohlen werden. Mit guten PC-Lautsprechern und einem Standmikrofon erreicht man unter‘m Strich stationär eine bessere Leistung, und es ist noch genug Geld für ein Bluetooth-Lautsprecher für den mobilen Einsatz übrig.

Für bis zu 200,- EUR hingegen wäre der GP9 eine Überlegung wert. Dafür ist er universal einsetzbar und sehr einfach zu bedienen. Der Lautsprecher braucht nicht viel Platz und bietet je nach Lautstärke und Einsatzzweck alles in allem eine solide Audioqualität.
 
Zuletzt bearbeitet:

JackA

Volt-Modder(in)
Danke für den Test.
Nicht mal für 200€ würde ich dem Teil eine Empfehlung aussprechen, denn für das Geld bekommt man bereits eine Creative Katana, die in allen Aspekten mehr bietet.
Für den Einsatzzweck des LG stell ich mir einfach eine 30€ Bluetooth Box hin und erhalte einen voluminöseren Klang, ohne von den LEDs im Sichtfeld gestört zu werden.
 
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