Ich finde den Vergleich zu physischen Medien sehr gut. Wenn ich mir ein Buch kaufe und der Herausgeber den Verkauf des Buches einstellt bzw. den Support beendet, dann kann der nicht einfach in meine Wohnung kommen und das Buch aus meinem Regal entfernen bzw. mir die Nutzung des (bezahlten) Buches verwehren.
Bei digitalen Gütern auf physischen Medien verhält es sich ähnlich. Meine N64 Super Mario Kopie bleibt weiterhin in meinem Besitz, auch wenn Nintendo plötzlich Abstand von dem Spiel nimmt. Ich kann weiterhin meinen N64 an die Röhre klemmen und das Spiel spielen, auch wenn das Spiel zwischenzeitlich nicht mehr verkauft/unterstützt wird. Nintendo kann auch nicht in meine Wohnung kommen und meine N64 Sammlung aus meinem Besitz entfernen.
Jetzt haben wir halt das Problem, dass Spiele nicht mehr in physischer Form vertrieben werden, sondern nur mehr als digitaler Download angeboten werden. Und plötzlich kann der Publisher "in meine Wohnung kommen" und das Spiel kaputt machen, also dafür sorgen, dass ich es nicht mehr spielen kann.
Es gibt vielleicht Gründe dafür, den Support einzustellen. Server sind nicht mehr wirtschaftlich, Probleme mit Lizenzgebern, usw.
Aber das ist ja nicht mein Problem, sondern dass des Herausgebers.
Deswegen verlangt die Initiative Stop Killing Games explizit nach einer Verpflichtung der Publisher zu einem "End of Life"-Planes für Spiele, damit sichergestellt ist, dass Konsumenten nicht unerwartet mit digitalem Schrott konfrontiert werden, alsbald der Publisher kein Interesse am Spiel mehr hat.
Das kann folgendermaßen aussehen:
- Das Spiel wird nach EOL von Always-Online Maßnahmen befreit, ein Patch löst die Komponente aus dem Spiel und das Spiel kann anschließend auch ohne aktiver Verbindung zu einem Server gespielt werden - Vor allem bei SinglePlayer Spielen eine gute Option.
- Der Publisher stellt die Server-Side Files zur Verfügung und die Spieler können einen eigenen Server hosten um das Spiel weiter ausführen zu können - Vor allem bei MultiPlayer Spielen interessant.
- Publisher geben ein explizites, verbindliches Haltbarkeitsdatum für Spiele an. Quasi eine Gewährleistung auf digitale Güter, innerhalb derer die bezahlte Ware in einem funktionstüchtigem Zustand gehalten werden muss. Ab Ablauf der Unterstützung kann der Publisher das Produkt terminieren und die Käufer können angesichts der klaren Rahmenbedingungen eine informierte Kaufentscheidung treffen.
"Kaufe ich Spiel XY für 60€, wenn der Support in einem Jahr endet und das Spiel dann nicht mehr gespielt werden kann?"
im Gegensatz zu:
"Kaufe ich Spiel XY für 60€, ohne zu wissen wie lange mein Spiel noch in einem funktionstüchtigem Zustand verbleibt?"
- Zumindest sollen Publisher dazu verpflichtet werden, Sorge zu tragen, dass ein Spiel nach EOL weiterhin dem Käufer zugänglich bleibt. Niemand erwartet bei einem Spiel unendlich langen Support, aber einen fortlaufende Nutzbarkeit. Wie der Publisher dieser Verpflichtung nachzukommen hat, soll besonders breit gefächert sein, es geht ja auch nicht darum, dem Publisher auf die Füße zu treten, nur darum die Rechte der Konsumenten zu wahren.
Ich denke, dass bei MP-Only ein Haltbarkeitsdatum eine besonders gute Lösung wäre, welche beiden Seiten zuträglich ist. Dann überlegt sich der Publisher einfach sehr gut, ob er ein Spiel wie Highguard oder Concord auf den Markt bringen möchte und die Spieler können eine fundierte Kaufentscheidung treffen. Dabei gehen dann zwar weiterhin Spiele im digitalen Nirvana verloren, weil die Spiele mit EOL unspielbar werden (sofern keine Serverfiles veröffentlicht werden) aber es wäre in meinen Augen ein gangbarer Mittelweg.
Bei Spielen, welche aus technischer Sicht grundlos unspielbar werden würden, weil nur ein Aktivierungsserver abgedreht wird, würde ich rigoros darauf bestehen, dass der Always-Online Zwang entfernt wird.
Ich hoffe, dass am Ende des Tages eine Lösung gefunden wird, mit welcher alle Parteien zu einem besserem Verhältnis zueinander finden. Auch Hut ab vor Scott Ross, welcher sich für unser Hobby diesen Aufwand antut.
