Sind Autohersteller übersubventioniert?

ruyven_macaran

Trockeneisprofi (m/w)
Mal ein Thema, dass mir seit längeren auf den Nägeln brennt und wo heute das Fass übergelaufen ist:
Autohersteller kriegen in Deutschland Verkaufszuschüsse zu ihren Batterie- und Hybridautos, sie kriegen ihre Ladenetze bezahlt, große Teile ihrer Forschung laufen an staatlich finanzierten Universitäten, der Bau ihrer Werke wird bezuschusst, deutsche Politiker biegen für sie EU-Regeln hin und von der allgemein Verkehrspolitik wollen wir gar nicht erst anfangen. Nachdem letztes Jahr bereits enorme Summen als Entschädigung dafür geflossen sind, dass die Autohersteller ihre Lager sowie wichtige Zulieferbetriebe in Deutschland abgebaut haben, folgt an dieser Stelle jetzt Runde 2:

Weil Audi keinen Bock hatte, benötigte Teile rechtzeitig zu bestellen bzw. das Risiko zu tragen, dass man sie eben doch nicht benötigt, wird der Steuerzahler in den nächsten Wochen erneut den Lohn von wohl über 10000 Audi-Angestellten bezahlen. Ist, verglichen mit dem was schon gelaufen ist, nur ein Tropfen auf den heißen Stein/ins volle Fass, aber meiner Meinung nach muss mal die Frage geklärt werden:
Wie viel Subvention sind ein paar Arbeitsplätze zusätzlich eigentlich wert? Ähnlich wie bei der Lufthansa oder dem Kohleausstieg, wo pro zu "rettenden" Arbeitsplatz hohe 6-, je nach Betrachtungsweise sogar 7-stellige Summen vom Staat getragen werden, habe ich auch bei den Autoherstellern zunehmend den Eindruck, dass die dem Land tatsächlich nur viele "Arbeitsplätze" bringen. Aber keinen Lohn für selbige. Und Arbeit, für die der Staat (oder irgendwer anders) entlohnen müsste gibt es ehrlich gesagt wie Sand am Meer (oder wie Kippen am Straßenrand), das ist nicht besonders erhaltenswert.
 
In dem ganz konkreten Fall sehe ich keine Subventionen für die Automobilindustrie (von denen es sicher eine Menge unnütze gibt) sondern das Ausnutzen der Corona Regelungen für einfacheres Ansetzen von Kurzarbeit. Ebenfalls verachtenswert, aber nicht Branchenspezifisch.
 
Die Automobilindustrie ist eben das Prestige Objekt der deutschen Regierung(en).
Da wird dann gerne mal was unter den Teppich gekehrt, wie der Abgasbetrug (genau, Betrug, nicht Skandal) oder in Brüssel werden Umweltgesetze blockiert.
Dazu die Sache mit den Leiharbeitern, wo die Unternehmen das unternehmerische Risiko auf die Arbeitnehmer abwälzen kann -- dank der Hilfe der Politik.
Man könnte endlos weiter machen.

Aber die Automobilindustrie ist ja nicht alleine. Die chemische Industrie ist da ebenso gut vertreten.
Wann wurde Glyphosat in Deutschland noch mal verboten? Ach ja, gar nicht.

Was ist mit der Landwirtschaftsindustrie? Denn von Landwirten im klassischen sinne kann man ja nicht mehr sprechen.

Sehr interessant finde ich da den Artikel.
 
Es sollte keine Coronagelder für klimaschädliche Branchen geben. Also weder für Fluggesellschaften noch Autohersteller.
 
Ganz schweres Thema, zumal ich selbst aus dem Autobau komm. Die großen Konzerne die sonst Milliarden erwirtschaften und Milliongehälter zahlen, bekommen vom Staat alles in den Ar... geschoben und die vielen kleinen Privatunternehmen ( Gastronomie, Einzelhandel usw.) warten bis heute noch auf die versprochenen Hilfen aus dem letzten Jahr. Da bekomm ich das ganz große :kotz:
 
Also die Mexikaner würde ich jetzt nicht Zwangsarbeiter nennen, der Vater meiner Freundin arbeitet in der Branche und da hab ich etwas Einblick
 
Nicht uninteressant das Thema.
Im Prinzip ist es so, ein Arbeitnehmer kauft sich über die Steuern seinen Arbeitsplatz selbst.
Ebenso, wir haben Marktwirtschaft auf die Unternehmen gerne pochen, ansonsten ist Sozialismus und Planwirtschaft gerne gesehen, wenn es Gewinn bringt.
Auch bedenklich aber nicht größer behindert: Geld vom Steuerzahler wegen Finanzproblemen und diese Geschenke dann an die Aktionäre verteilen bzw als Boni ausbezahlen. Bei der Bankenkrise geschehen und .....ja, kein Aufruhr, keine Konsequenzen seitens der Regierung.
Der Bürger hat das zumeist auch stillschweigend akzeptiert.
 
Also die Mexikaner würde ich jetzt nicht Zwangsarbeiter
Sorry, ich muss mich dann doch korrigieren.
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Es waren Brasilianer und Südafrikaner. Der Beitrag vom ZDF ist passend zum Thema sehr interessant. Zwischen Zwangsarbeitern und Menschenrechtsverletzung ist immer Verlass auf unseren Staat wenn es der Automobilbranche nicht so gut geht.
 
Es ist ja eigentlich nix verwerfliches dran, sich die gezahlten Steuern irgendwie teilweise zurückzuholen, das macht ja jeder mehr oder weniger.
Bevor das Geld für irgendwelche 80cm hohe Plattformen ausgegeben wird, damit man ne Wiese "von Oben" sieht und solchen Schwachsinn, ist das Geld bei den Steuerzahlern besser aufgehoben.
 
In dem ganz konkreten Fall sehe ich keine Subventionen für die Automobilindustrie (von denen es sicher eine Menge unnütze gibt) sondern das Ausnutzen der Corona Regelungen für einfacheres Ansetzen von Kurzarbeit. Ebenfalls verachtenswert, aber nicht Branchenspezifisch.

Hier liegt offensichtlich kein Zusammenhang mit dem Infektionsgeschehen in Deutschland vor, das ist eigentlich nicht durch Corona gedeckt. Beziehungsweise das die Regeln so spezifisch formuliert wurden, dass die Autohersteller ihre Lohnkosten auf die Bevölkerung abwälzen konnten, ist seinerseits eine Stützmaßnahme aka Subvention. Die haben ihre Werke schon im Frühjahr dicht gemacht, weil sie verringerten Absatz befürchtet haben beziehungsweise ihre outgesourcten Lieferketten nicht unter Kontrolle hatten, dabei sind die erleichterten Kurzarbeitergeldregeln eigentlich für Unternehmen gedacht, die von den Pandemie-Bekämpfungsmaßnahmen betroffen sind.

Im Frühjahr habe ich da noch ein Auge zugedrückt, weil nach zwei verpennten Monaten sehr viel in sehr kurzer Zeit und entsprechend lückenhaft umgestellt wurde und tatsächlich ein kleiner Teil der Zulieferprobleme durch die Verlangsamungen im Grenzverkehr verursacht wurde. Aber das ist lange vorbei und diesmal wird nur das nicht geliefert, was Audi auch nicht bestellt hat. Und das ist einfach eine Frechheit. Dürfen Maurer auch für sich selbst Kurzarbeit beantragen und auf Staatskosten nach Hause gehen, wenn sie beim Kunden stehen und das Bier der Mörtel alle ist, wenn sie zu einem 8-Stunden-Tag nur genug für eine Stunde mitbringen? Vielleicht sollten die ganzen auf der Straße stehenden Künstler sich einfach selbst anstellen und die Lohnrechnung dem Staat schicken: "Die Darsteller der Schauspiel GmbH ICH können leider nicht arbeiten, weil uns mitten in der Pandemie überraschenderweise die geöffneten Bühnen ausgegangen sind."
 
Ich sage nur das dieses ganz spezielle Lücke tatsächlich jeder Industriebetrieb nutzen kann, egal ob er Autos, Maschinen, Waschmaschinen, Waffen, Möbel oder was auch immer herstellt.
Natürlich ist das vollkommener Schwachsinn und darf nicht sein, aber es hat halt nichts mit Automobil-Subventionen zu tun.
 
Ich sehe das (als jemand der in einer Firma arbeitet die schon zwei Mal innerhalb meiner Anstellung dort in Kurzarbeit war/ist, jetzt wegen Corona und 2009 in der Finanzkrise ein paar Monate) so, dass die Bewertung der Voraussetzungen zur angemeldeten Kurzarbeit je nach Branche entsprechend "wohlwollender" bewertet werden.

Grundsätzlich muss für Kurzarbeit ein "erheblicher Arbeitsausfall" von der Firma nachgewiesen werden. Das Sozialgesetzbuch definiert das folgendermaßen:

SGB III schrieb:
Ein Arbeitsausfall ist erheblich, wenn
1. er auf wirtschaftlichen Gründen oder einem unabwendbaren Ereignis beruht,
2. er vorübergehend ist,
3. er nicht vermeidbar ist und
4. im jeweiligen Kalendermonat (Anspruchszeitraum) mindestens ein Drittel der in dem Betrieb beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von einem Entgeltausfall von jeweils mehr als 10 Prozent ihres monatlichen Bruttoentgelts betroffen ist

Nun gestaltet sich der Nachweis gegenüber dem Staat erfahrungsgemäß als gar nicht so einfach - insbesondere der dritte Punkt hat es uns 2009 sehr schwer gemacht Kurzarbeit zu bekommen da sehr genau geprüft wurde was wo wie vermeidbar gewesen wäre und wie man seine Arbeiter jetzt noch sinnvoll einsetzen könnte (Aufräumen, Putzen, Instandhaltung, Weiterbildungsmaßnahmen, Verschieben,... muss alles nicht mehr nennenswert möglich sein bevor KA genehmigt wird).

Dass die Automobilindustrie hier offenbar aus dem Handgelenk Kurzarbeit genehmigt bekommt obwohl zumindest naheliegend ist, dass ihr Arbeitsausfall vermeidbar gewesen wäre mit etwas vorausschauenderer Planung und etwas größerer Lagerwirtschaft (die man ja nur deswegen nicht hat weil jeder BWLler bei dem Wort schon die Alarmglocken am rasseln hat und sofort "Lager=verlorenes Kapital!!!11eins" schreit) macht auf mich schon den Eindruck, dass man hier wenn überhaupt nur sehr oberflächlich geprüft hat.

Das ist zwar keine Subvention in dem Sinne aber ebenso verwerflich.
 
Genau diese Regeln wurden letztes Jahr aber extrem aufgeweicht. Mein jetzt ehemaliger Arbeitgeber hat auch Entwickler in die Kurzarbeit geschickt weil man im entsprechenden Monat weniger Personalkosten haben wollte ohne dass es weniger zu tun oder gar Verschiebungen wegen Corona gab(eh bemerkenswert: die Hersteller haben zwar viel rumgeheult aber genau 0 SOPs verschoben) .
 
Ist halt nur die Frage wo man wie bei wem aufweicht.
Wenn wir als Stahlerzeuger hingehen und Kurzarbeit anmelden weil wir kein Eisenerz mehr haben weil die Lieferketten zusammengebrochen sind heißts "da hättet ihr halt mehr auf Lager haben müssen" (was wir übrigens getan haben und zu vergleichsweise sehr hohen Preisen das Zeug noch Schiffweise gekauft und auf Halde geschüttet haben so lange es noch ging im Frühjahr 2020). Wenn Audi (und bei uns an der Saar übrigens auch die Fordwerke Saarlouis die ebenfalls schließen) aber hingeht und sagt sie haben keine Chips mehr redet keiner von Eigenverschulden, dann is nur so... "ok".

Ich kenne die ganzen Details natürlich nicht weswegen Wertungen da immer sehr schwierig sind aber es sieht von außen schon viel danach aus dass es deutlich mehr darauf ankommt wie gut deine Lobby ist als wie eigenverschuldet du in die Lage geraten bist ob KA genehmigt wird oder nicht.
 
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