Kann man damit auch manch einen Zeitgenossen zum Mond schiessen?
Sagen wir mal so: Einen Nervensäge damit zu befördern hätte die gewünschte Wirkung, auch wenn die geplante Reichweite nicht annähernd erzielt wird. Ich würde aber vorschlagen, für solche Anwendungen von weißer auf dunkelrote Lackierung für die Abschießvorrichtung zu wechseln.
Wenn das klappt kann man den Atom Müll gleich mit weg schießen.
Die Gefahren die beim Raketen Start einher gehen entfallen ja.
Die größte Gefahr lautet "zerlegt sich beim Start" und die bestünde auch weiterhin, wenn es denn funktionieren würde.
Außerdem ist Atommüll in LEO nichts weiter als eine Garantie für globale athmosphärische Verseuchung ein paar Jahre bis Jahrzehnte später. Um das Zeug loszuwerden, müsste es über die Fluchtgeschwindigkeit des Erde-Mond-Systems hinausbeschleunigt werden. Kannst dir ja mal für einen geeigneten Schutzbehälter (ein leichtgewichtiger Castor ist wohl definitiv nicht stabil genug für sowas) ausrechnen, wieviel kinetische Energie am Ende allein in dieser Raumfahrtmission stecken müsste und wieviel umgekehrt die damit transportierten Brennstäbe jemals abgegeben haben.
Mal ohne mich da im Detail mit zu befassen aber die 8000 km/h die da angegeben werden sind wesentlich weniger als die Kreisbahngeschwindigkeit der Erde - das sind rund 8000 m/s oder umgerechnet fast 30.000 km/h.
Also entweder sind die km/h Artikel falsch und es sind m/s gemeint oder der mit 8000 km/h abgeschossene Satellit fällt Minuten später wieder aufn Boden.
Also zumindest die bisherigen Demonstrationen (und es schein keine neuen zu geben) von dem Cash Grab waren tatsächlich 8 Mm/h. Kompletter Start würde, wie du selbst sagst, ein vielfaches an Geschwindigkeit erfordern - und das wohlgemerkt oberhalb der Athmosphäre. (S)HARP kam mit knapp 7 km/s Mündungsgeschwindigkeit auf 170 km Höhe, das ist vergleichbar mit den suborbitalen Mercury-Redstone-Flügen. Die Mercury-Atlas für orbitale Flüge war viermal so leistungsfähig - und hatte im Gegensatz zu einem Space-Shot-Konzept nicht das zusätzliche Problem des mit steigender Startgeschwindigkeit exponentiell ansteigenden Luftwiderstands. Den zusätzlich zu überwinden dürfte also noch einmal deutlich mehr als den vierfachen Schwung eines suborbitalen Hüpfers erfordern. Und selbst der wurde ja bislang nicht geschafft; gegenüber dem gezeigten reden wir eher vom 30-40 fachen.
Und damit sollte auch klar sein, wo das nächste, technisch gar nicht lösbare Problem liegt: Die in den Luftwiderstand investierte Energie ist nichts anderes als nach dem Start frei werdenden Reibungswärme. Man gucke sich mal an, was Raumfahrzeuge an Hitzeschutz benötigen, um 32 Mm/h in den obersten Athmosphärenschichten bei vielleicht 0,1 bar zu verkraften. Selbst wenn Spinlaunch das eigentliche Katapult hinbekommen, bräuchten sie noch eine Kapsel, die unmittelbar nach dem Start die Reibung von 40-50-60 Mm/h bei 1,0 bar verkraftet, anstatt einfach zu zerbröseln/verdampfen.
Die Fluchtgeschwindigkeit der Erde beträgt ca. 11km/s. Auf diese Geschwindigkeit muss man ein Objekt bringen, wenn es die Gravosphäre der Erde dauerhaft verlassen soll. Alles darunter führt nur zu einem mehr oder weniger Stabilen Orbit.
Nö. Das ist noch so eine weitere Sache mit Spinlaunch: Nichts darunter führt zu einem mehr oder auch nur weniger stabilen Orbit.
Absolut alles, was mit einem einmaligen Impuls von der Oberfläche eines Planeten losgeschleudert wird und nicht Fluchtgeschwindigkeit erreicht, führt zu einem kurzfristigen Einschlag auf selbigem Planeten. Das geht direkt aus den Bahngesetzen hervor, das Perigäum des Anfangs der ersten halben Runde ist ja das Katapult auf der Erdoberfläche. Ohne einwirkende Kräfte wird somit das Perigäum am Ende der zweiten halben Runde wieder auf Höhe der Erdoberfläche liegen (respektive durch athmosphärische Bremsung einen Tick tiefer - vom Mount Everest könnte man vielleicht mehrere Umrundungen schaffen.) Es braucht zwischendurch zwingend eine Beschleunigung, um in einen Orbit einzuschwenken und somit stehen alle Massdriver inkl. dieser Schleuder vor dem Problem, dass sie eine Raketenstufe hochschleudern müssen. Zwar keine sehr starke. Wäre keine Athmosphäre im Weg, könnte man einen Großteil der Arbeit initial leisten und für den Sprung vom Mond zu interplanetaren Kolonien könnte diese Technik wirklich interessant werden. Aber eine Rakete, die nach den Belastungen des Abschusses noch funktioniert.
Das eigentliche Problem seh ich aber beim "Abwurf".
Das Timing, an dem das Objekt, der Satellit den Arm verläßt/vom Arm getrennt wird, muss genau stimmen, sonst verläßt es die Vakuumkammer nicht durch die dafür vorgesehen Öffnung -selbstredend wird dann natürlich auch der gewünschte Orbit verfehlt.
Das Timing an sich ist dabei garnicht so das Problem, aber die Klammer, die die 200kg bei 5300 U/min halten soll...naja, entweder ist so ein Mechanismus kräftig (zb hydraulisch) oder schnell.
Beides geht nicht, würde hier aber benötigt.
Dann ist da die Öffnung, durch die der Satellit aus der Kammer geschleudert wrd.
In der Kammer herrscht ein Vakuum, außerhalb normaler atmosphärischer Druck.
Das heißt, da muss irgendeine Folie drauf, die 1 Atmosphäre Druckunterschied aushält, die aber vom Satelliten leicht durchstoßen werden kann.
Welchen Durchmesser hat diese Öffnung?
Viel dicker als Alufolie wird das nicht sein würden, aber reißt die nicht schon auf Grund des Druckunterschied?
Die Kammer und die Öffnung sind der einzige Teil, der schon erfolgreich demonstriert wurde. 1 bar ist eine relativ überschaubare Last und du kannst die Folie ja mit optimaler Kurve spannen, bis kurz vor dem Ausklinken noch durch einen Deckel schützen, etc.. Umgekehrt muss das Projektil ohnehin recht stabil sein. Im Hyperschallbereich sind die Belastungen durch die Luft hinter der Plane vermutlich bedrohlicher als das Häutchen davor. Beim Winkel hätte man, da man später eh korrigieren können muss (s.o.) auch noch hinreichen Spielraum und punktgenaue Zündungen bei diesen Drehzahlen zwar nicht von z.B. Sprengbolzen, aber bei Luft-Treibstoffgemischen kriegt jeder PKW-Motor hin.
Aber ein inneres technisches Problem, dass sie zumindest bei der letzten mir bekannten Demonstration noch nicht gelöst hatten: Die Haltevorrichtung muss nicht nur die enormen Lasten tragen und lösbar sein. Sondern sie muss auch zwingend eine Mehrpunkthalterung sein, um Schwingungen zu vermeiden, und diese Punkte müssen EXAKT gleichzeitig auslösen. Selbst Mikrosekunden Unterschiede würde bei den enormen Beschleunigungen ein ordentliches Kippmoment induzieren und beim den letzten Versuchsaufnahmen, die ich gesehen habe, kam der Testkörper dann auch schräg zur Flugbahn durch die Luke und hat sich danach mutmaßlich noch überschlagen, bevor aerodynamische Stabilisation einsetzte. Mit so einem System kann man Bowling-Kugeln auf seine Nachbarn schleudern, aber keine Raketen starten.
Und sollte der Verein jemals ein Auslösesystem mit derartiger Präzision hinbekommen, dann stellt sich die Frage, wer als erster vor der Tür steht:
a) Harmlose Touristen mit verdächtig persischem Akzent, die Hochpräzisionsauslösesysteme z.B. für so ein paar kleine Ladungen rund um eine Plutoniumhohlkugel suchen
b) Gewisse US-Institutionen, die ein Monopol auf vergleichbare Technik behalten wollen und denen man besser nicht widerspricht.