AW: PCGH Special: Die vermutlich bittersten Momente für PC-Spieler 2010
Also als reiner PC-Spieler konnte man sich dieses Jahr wirklich pausenlos aufregen. Teilweise ging es sogar so weit, dass man sich richtig verarscht und ausgenutzt fühlen durfte. Gut, Ich muss zugeben, dass Ich kein reiner PC-Spieler bin, sondern sehr häufig auch auf Konsolen spiele. Aber was dieses Jahr passiert ist, hat auch mich nicht kalt gelassen.
Man kann es drehen und wenden wie man will, der PC ist das Stiefkind der Spieleindustrie. Die meisten Spiele erscheinen zuerst auf den Konsolen und dann, ein halbes Jahr später nach dem der meist lausige Port fertig ist, auf für den PC, wenn überhaupt. Alan Wake, Red Dead Redeption, L.A. Noir, usw. sind nur einige Kandidaten, die gar nicht erst für den PC erscheinen werden.
Ein Grund mehr die Erwartungen auf andere Titel zu konzentrieren, die in diesem Jahr erscheinen sollten. May Payne 3, Diablo 3, usw, dann aber doch nicht erschienen sind. Und die Spiele die erschienen sind wie etwa Star Craft 2, C&C 4, F1 2010, Gothic 4, enttäuschen auf ganzer Linie. Fehlener LAN-Modus, miserables Gameplay, das Gefühl dass das Spiel zu einer Cash-Cow geworden ist, schlechte Umsetzung, verratene Grundsätze der Vorgänger-Teile, Bugs, Patchs die keine Abhilfe schaffen, die begrenzte Anzahl von Installationen, Online-Zwang beim zocken, und und und.
Die Liste der Mängel bei den erschienenen Spielen ist ellenlang und allein das ist schon ein Grund mehr sich zu ärgern.
Was die Grafik der Spiele angeht, hat sich seit etwa vier bis fünf Jahren auch kaum etwas getan. Einzelne Spiele wie Metro 2033 und Crysis stechen heraus, aber der große Rest stagniert auf dem Stand von 2005 / 2006. Es gab hier und da vereinzelt kleine Verbesserungen, aber im Großen und Ganzen basiert alles auf DX9. 95% der Spielegrafik sind auf Konsolen-Niveau und die restlichen 5% stellen kleine Verbesserungen dar, die nachträglich in die PC-Version mehr schlecht als recht eingefügt werden.
Da man als PC-Spieler sowieso schon ohne eine ganz immense Anzahl von bedeutenden Spielen auskommen muss, drägt sich die Frage auf, wieso man dermaßen gegängelt wird. Man muss bei vielen Spielen online sein, damit man überhaupt spielen kann, man bekommt überteuerte DLCs auftetischt, man kann das teuer erworbene Spiel nur in einer begrenzten Anzahl installieren, .... Und das alles, obwohl der PC eine immer kleinere Rolle bei den Spieleverkäufen spielt.
Einerseits sind Kopierschutzmaßnahmen durchaus berechtigt und angebracht. Es gibt durchaus Möglichkeiten Spiele zu kopieren oder sie sich illegal zu besorgen. Andererseits werden PC-Spieler unangemessen stark gegängelt und unter Generalverdacht gestellt. Lästige Kopierschutzmaßnahmen verderben immer mehr den Spielspaß und sorgen teilweise sogar darfür, dass man das Spiel gar nicht erst genießen kann.
So ist es kein Wunder, dass immer weniger Menschen lust auf PC-Spiele haben. Man hat oftmals nicht mal mehr die Möglichkeit Spiele durch Demos zu testen. Für die meisten Spiele gibt es kaum mehr Demos und wenn dann nur für die Konsolen. Kein Wunder, dass viele Spiele illegal heruntergeladen werden. Da ist es mehr als verständlich, dass man einfach keine Lust mehr auf das ganze Theater hat.
Die Spieleindustrie will auf jeder Plattform möglichst viele Spiele verkaufen. Aber das was Sie mit den PC-Spielern macht, führt nur dazu dass der PC als Spieleplattform für viele Spieler uninterssant wird. Wenn man teilweise das Gefühl hat, dass man nur dann Spielen darf, wenn es dem Publisher gerade passt oder dass man das Spiel nicht mal mehr richtig besitzt, ist das schon sehr extrem.
Die Pubslier setzen immer mehr auf große Cash-Cows, was dazu führt, dass die Spieltiefe und das Spielerlebnis bei vielen großen, renomierten Spielereihen leiden. Oft hat man den Eindruck, man spiele nur eine billige Kopie des Vorgängers. Häufige Skript-Szenen reduzieren die Spieldauer zusätzlich. Dazu kommt, dass Spiele immer teurer werden und DLCs häufig ein mangelhaftes Preis/Leistungs-Verhältnis bieten.
Will man den PC als Spieleplattform erhalten, muss dafür gesorgt werden, dass er gleichberechtigt gegenüber den Konsolen ist. Das heißt, dass zumindest alle großen Blockbuster-Titel für den PC erscheinen müssen. Es kann nicht sein, dass PC-Spieler auf Titel wie Red Dead Redemption verzichten müssen. Ein weiterer, sehr wichtiger Schritt ist, die massive und unangemessene Gängelung komplett einzustellen. Online-Zwang, begrenzte Anzahl von Installationen, usw. und weitere Maßnahmen müssen verschwinden. Der beste Kopierschutz sind immer noch: frühzeitige Demos, ein gutes Preis/Leistungsverhältnis und so wenig Bugs wie möglich.
Kein Mensch kauft sich ein Spiel für 60€, für das es keine Demo gab und das vor Bugs nur so strotzt.
Außerdem müssen die technischen Möglichkeiten des PCs wieder besser genutzt werden. Das heißt, dass DX11 und Multi-Core Support endlich standart sein müssen. Wer noch eine Geforce 8800 im PC hat, hat es derzeit kaum nötig seine Grafikkarte aufzurüsten. Aktuelle Titel kann man immer noch meist flüssig spielen. Selbst AA und AF sind teilweise kein Problem. Das zeigt, wie sehr die Spielegrafik stagniert.
Man kann nur Hoffen, dass das Jahr 2011 besser wird, aber die Aussichten sind nicht gerade rosig. Wenn Ich nur an Diablo 3 denke, könnte Ich mich schon wieder aus mehreren Gründen aufregen.