Das kann aber kein Argument dafür sein, Informationen für die Allgemeinheit nur gefiltert durch "anerkannte" Meinungsmacher(agenturen) zuzulassen. Wie groß da die Gefajhr ist, brauch ich dir ja nicht zu erklären.
Ich spreche mich ja auch nicht für ein Verbot von Informationsverbreitung aus.
Der Allgemeinheit Informationen über Rechtsmittel vorzuenthalten kann imho nur in (durchaus zahlreichen) Einzelfällen aufgrund der Art der Informationen gerechtfertigt sein. (Stichworte: Privatsphäre, Postgeheimniss, nationale Sicherheit, Wettbewerbsvorteile)
Das Konzept Wikileaks hat aber nun einmal eine traurige Geschichte, in der mehrheitlich Informationen veröffentlicht wurden, die unter diese Aspekte fallen und deren Schadens/Nutzensbilanz unterm Strich negativ ausfällt. Deswegen begrüße ich es privat, wenn derartige Plattformen nicht weiter zunehmen, sondern alternative Konzepte gewählt werden.
Die Ergänzung eines weiteren Filterschritts (Informationen werden nicht direkt online gestellt, sondern fähigen Journalisten zur Aufarbeitung vermittelt) zu obiger, ohnehin langer Liste, sehe ich deswegen als positiv, wenn er Missbrauchsfälle verhindert.
Das ist nun einmal der Preis der Freiheit. Wer es nicht aushält, daß neben fundierter Recherche und überzeugenden Rückschlüssen auch falsche Thesen aufgestellt, haarsträubende Rückschlüsse gezogen und märchenhafte Geschichten erzählt werden, darf die Freiheit nicht wollen und muß eben die Diktatur fordern.
Es gibt einen Unterschied zwischen "aushalten" und "aktiv fördern". Und wenn Wahrheit aufhört zu existieren, dann nimmt sie entweder die Freiheit oder die Gesellschaft mit. Man kann nicht in einer großen Gemeinschaft leben, wenn man nur noch den Dingen trauen kann, die man höchstpersönlich um unmittelbaren Umfeld beobachtet.
Ruyven hat doch nichts weiter geschrieben, als dass diese Dokumente dann auch downloadbar sein sollten, damit man Verschwörungstheoretikern gleich den WInd aus den Segeln nehmen kann, wenn sie dann hier oder irgendeinem anderen Forum Halbwahrheiten posten
Genaugenommen habe ich genau das Gegenteil geschrieben. Verschwörungstheoretikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, scheitert quasi nie an fehlender Datengrundlage. Das ist der Vorteil der Wahrheit: Sie liefert für gewöhnlich sehr viele Fakten.
Das Problem ist, dass man diese Fakten erst zusammensuchen muss, wärend der Märchenerzähler sich diesen Schritt spart. Fachwissen braucht er nicht. D.h.: Es ist immer einfacher, eine z.B. Verschwörungstheorie zu erfinden, als sie zu wiederlegen und es gibt mehr Leute, die ersteres machen können, als Leute, die letzteres machen.
Einzige Abkürzung die bleibt: Die Theorie durch aufzeigen kleiner Logikfehler (mit Ausnahme des Kreationismus habe ich bislang überall welche gefunden) ins Straucheln bringen und gleichzeitig darauf hinweisen, dass sie keinerlei verlässliche Quellen bietet. Ein Theorie ohne inneren Zusammenhang und ohne äußere Stütze ist wenig überzeugend.
Und hier kommen Datenmonster wie Wikileaks ins Spiel: Wenn man nur genug Schriftstücke zu einem Thema hat, dann findet man darin auch zu jeder nur erdenklichen Behauptung einen (Ab)satz, den mal als zustimmend präsentieren kann. -> Auf einmal hat der Verschwörungstheoretiker eine "Quelle" und wer ihn wiederlegen will, hat einges zu tun. Verschärfen tut sich das ganze noch, wenn die Quelle per Definition als glaubwürdiger gilt, als alle anderen (obwohl sie es gar nicht ist). Wenn hunderte Experten ein Gutachten zu 9/11 abgeben, in dem alles haarklein mit wissenschaftlicher Präzision erklärt wird, dann wäre das in einer Argumentation gegen einen Verschwörungstheoretiker komplett wertlos, sobald er in den weiten von Wikileaks einen "Hinweis" darauf findet, dass dieser Bericht von der Regierung beeinflusst wurde und einen weiteren Hinweis darauf, dass der CIA schuld war. Selbst grobe technische Fehler in der Verschwörungstheorie sind dann kein Fallstrick mehr:
Die Leser werden i.d.R. nicht das nötige technische Verständniss haben (und keine Lust, es sich anzulesen) und Experten, die es haben, gelten per se als unglaubwürdig.
Und wer diese Schilderung als Panikmache anschaut, der gucke sich "Climategate" an:
Ein Hacker schickt ein E-Mailarchiv an Wikileaks. Ein Haufen selbst ernannter Klimaexperte/"skeptiker"/Blogger stürzt sich drauf. Nach ein paar Stunden Arbeit ist in weiten Teilen der Internetgemeinde der Gedanke verbreitet, Klimastudien wären in böser Absicht gefälscht worden sind.
Im weiteren Verlauf verbringen mehrere Expertenkommissionen über ein Jahr damit, alles haarklein zu analysieren und am Ende steht fest: Es gab keinerlei Anlass für Aufregung - ein Ergebniss, dass natürlich niemanden interessiert.
Ergebniss:
Der Ruf eines ganzen Wissenschaftszweiges ist weiterhin geschädigt, Tausende (teuer bezahlte) Arbeitsstunden sind nicht in produktive Forschung, sondern in sinnlose Recherchen geflossen. Und das alles, weil Wikileaks den Helfer für einen Typen unbekannter Intention gespielt und ein paar missinterpretierbare, nicht öffentlichkeitstaugliche Informationen ohne den nötigen Kontext veröffentlicht hat.
oder gar die Dokumente auf OpenLeaks direkt sabotieren/fälschen (weiss nicht, inwiefern der gewöhnliche Anwender da Änderungen vornehmen kann).
Editieren sollte da, genauso wie bei Wikileaks, niemand können, außer die (unbekannten, annonymen) Mitglieder (unbekannten Hindergrundes und unbekannter Vertrauenswürdigkeit). Aber die Informanten selbst sind per Definition
- annonym
- unehrlich zumindest ihres z.B. Arbeitgebers gegenüber
- mit einem bestimmten Ziel unterwegs (ggf. nicht "Wahrheit"!)
- Lieferanten von unüberprüfbaren Informationen (=Behauptungen)
Oder anders gesagt:
Wenn ich sage, "AMDFan2005 ist Mitglied der MLPD (und Intel-Nutzer)", lege ich ~genauso gute Referenzen, wie Wiki- oder Openleaks. Der Unterschied ist, dass es mir niemand glauben und im gesamten Internet verbreiten wird - Open-/Wikileaks dagegen schon. Und die machen auch keine Aussagen über virtuelle Kleinigkeiten, sondern mit globalen Auswirkungen.
Wikileaks hat ja in letzter Zeit damit absolut den Vogel abgeschossen. So wollte Assange (oder hat er bereits?) eine Liste von Schweizer Bankkonten veröffentlichen, die zu nicht-Schweizer Privatpersonen und Firmen gehören.
Das geht einfach zu weit und sollte unterbunden werden. Die Regierungen, haben dazu ebenfalls nicht das Recht.
Tjo - nach dem Verstäniss von Wikileaks ist das nur eine logische Fortsetzung. Es gibt auf dieser Welt eine ganze Reihe von Personen, die mehr (finanzielle) Macht haben, als so macher Staat. Von Firmen mal ganz abgesehen. Deren Machenschaften aufzudecken ist also genauso "wichtig", wie die einiger Regierungen.