ruyven_macaran
Trockeneisprofi (m/w)
Dem Attentäter ging es aber nicht um Glaube. Ganz schlüssig ist das Motiv ja nicht aber soweit ich das verstanden habe wollte er die Regierung an sich angreifen. Wieso und weshalb liegt im Dunkeln und da der Täter hingerichtet wurde kann ihn auch keiner mehr befragen.
Um "Glaube", also den Inhalt und Zweck einer Religion, deren Verbreitung oder ähnlichem, geht es dabei nie. Es geht um Kampf, die Verteidigung der eigenen Ideologie bzw. Vernichtung deren (vermeintlicher) Feinde. Religionen bieten sich dafür als Ideologie an, weil ihre fanatischen Anhänger i.d.R. an ein Leben nach dem Tode glauben und damit die Tatsache des Tötens (ihrer selbst aber auch anderer) unter bestimmten Aspekten kein großer Preis für ihre (~politischen) Ziele ist. Aber es gibt auch genug Beispiele für andere Ideologien, die auf diese Art ""verteidigt"" wurden - Nationalismus, Kommunismus, Ehrgefühl, Rassismus,......
Die Art der Gewalt, der Auslöser für Gewalt und die Motivation für eine Handlung sind halt oft vollkommen unabhängige Dinge.
Du kannst Deutschland nicht als Maßstab für die Welt ansehen.
Einige machen das aber und erlauben es sich, Leute zu verurteilen, wenn die sich nicht exakt entsprechend des deutschen Idealzustandes verhalten. Die Ausschreitungen in Paris wurden eben z.T. auch von Rechten genutzt, um gegen Migranten in Deutschland Stimmung zu machen. (wobei die dortigen Ereignisse natürlich auch für Frankreich alles andere als normal waren)
Das Ziel der Hetzer ist, wie der Name schon sagt, aufzuhetzen. Unabhängig von einem Verbot hat das geklappt, von daher ist es im Grunde Jacke wie Hose, ob jetzt noch ein Verbot verhängt wird oder nicht.
Das Ziel der Hetzer, die den Film produziert haben, wurde weitestgehend erreicht, ja. (Einer weiteren Verstärkung der Wirkung sind die aber sicher auch nicht abgeneigt.) Aber jetzt wollen sich eben weitere Hetzer dieses Materials bedienen, um im eigenen Sinne Stimmung in Deutschland (und im Ausland gegen Deutschland) zu machen. Und das lässt sich durch ein Verbot verhindern.
Sehe ich nicht so, dass das über Meinungsäußerung hinausgeht. Der Film ist dumm, ja, aber Dummheit ist nun mal nicht strafbar. Das klingt auch hier an, dass das keine klare Angelegenheit ist: Interview: Das Islam-Video zeigen oder verbieten? | tagesschau.de
Dummheit ist nicht strafbar, nein. (Sonst wären die Gefängnisse voll und die Straßen leer...)
Aber dieser Film ist nicht aus Dummheit entstanden. Seine Aussagen liegen weit jenseits aller Fakten und sind pure Beleidigungen. Sowas macht man nicht aus Dummheit, sondern mit Absicht. Die den Machern wohl in ihrer Wirkung bekannten Mohammed-Karrikaturen waren da ja z.T. noch subtil und kreativ dagegen. Der Film wurde definitiv produziert, um genau die Wirkung zu entfalten, die er in der Realität hatte - nicht umsonst haben die Produzenten sogar einem Teil der Crew vorenthalten, was dabei am Ende rauskommt und sich anfangs hinter falschen Namen zu verstecken versucht.
Es handelt sich nicht um eine (dumme) Meinungsäußerung, sondern imho um primitives Hetz- und Propagandamaterial. Und dagegen haben wir aus gutem Grund Gesetze (s.o.), deren Anwendbarkeit in diesem Fall ruhig geprüft werden kann.
Anderseits ist es bedenklich wenn von anderer Seite von Kriegserklärungen gesprochen wird.
Natürlich ist das bedenklich. Die Reaktion einiger Gruppierungen und Personen ist brandgefährlich. Wichtig ist eben nur zu unterscheiden, wer und wieviele das sind. Hisbollah und Al Kaida werden Dankesgebete für diese Steilvorgabe gesprochen haben - wie Birdy sagt: Die haben nur auf einen Grund gewartet, auszurasten (und insbesondere andere zum Ausrasten zu bringen, d.h. ihre Anhängerschaft zu vergrößeren). Aber sie sind nicht repräsentativ für eine Milliarde Muslime.
Der Großteil der Personen in der islamischen Welt ist "nur" verdammt wütend. Aber er übertritt deswegen noch lange nicht die Grenzen von Rechtsstaatlichkeit, Zivilisation und -das kann man nur immer wieder betonen- seiner eigenen Religion. (Denn töte-den-Botschafter-einer-Nation-in-der-Kriminelle-deine-Religion-beleidigt-haben ist nun wirklich kein muslimische Gebot. Töte-keine-Unschuldigen dagegen sehr wohl. Zerstöre nichts grundlos afaik auch. Und Gäste -wie es Botschafter im Land eigentlich sind- genießen eigentlich hohes Ansehen und Schutz)
Trotzdem ist es nur in muslimischen Ländern zur Gewalt gekommen. Geplant oder aus purer Lust am Zerstören. Keiner hat
den Film gesehen. Alle sind voller Hass. Da passt etwas nicht.
Nur wenn man alle über einen Kamm schert.
Viele Leute in der muslimischen Welt haben den Trailer gesehen - genug, damit jeder jemanden kenenn dürfte, dessen Aussage über den Inhalt er vertrauen kann. Daher kommt der sehr weit verbreitetet Hass. Und, wenn man bedenkt, was Blasphemie in diesem Ausmaße für einen ernsthaft gläubigen Menschen nun einmal bedeutet, dann passt das auch.
Ein paar Gruppierungen haben zudem "Lust" am Zerstören (respektive sehen das als probates Mittel ihrer anti-westlichen Politik) und das z.T. auch seit längerem geplant. Für diese ist das Video der perfekte Grund, jetzt zuzuschlagen. Z.T. aus dem Schutz der Masse heraus, z.T. um Teile der Masse für ihren Kampf zu begeistern. Passt also auch. Leider.
Was nicht passt, ist die Motivation (politischer Kampf) und insbesondere Methoden (Gewalt) der zweiten Gruppe der ersten (verletzte Religiosität und friedlicher Protest) zu unterstellen.


). Die paar lokale/regionale Besonderheiten decken sich dann mit den Kriterien "durchschnittliches Bildungsniveau", "durchschnittliche Gewaltrate" und "Aufklärungs-/Verurteilungsquote" - für die einen sind Farbeier halt das schlimmste, mit dem sie es gewohnt sind, "relativ ungeschoren" davon zu kommen, für andere Pflastersteine und für wieder andere Handgranaten. Aber über die eigentlichen Konsequenzen (auch ein Farbei kann ein Auge zerstören) scheint man sich nie Gedanken zu machen. Trifft halt "DIE".