Teile deiner Rechnung sind korrekt. Die Annahme der konstanten Temperatur nach jedem Radiator unabhängig vom Typ und von der Heizleitung des vorangehenden Chips ist zumindest im angesetzten Vergleich jedoch falsch.
Der richtige Kern der Berechnung ist Folgender:
CL90 schrieb:
Q[SUB]circle[/SUB] = 100l/h (~0,02778 l/s)
C[SUB]w[/SUB] = 4190J/kg*K (Spezifische Wärmekapazität)
Δt[SUB]GPU[/SUB] = Q[SUB]GPU[/SUB] / (Q[SUB]circle[/SUB] * C[SUB]w[/SUB])
Δt[SUB]GPU[/SUB] = 2,577°C
Δt[SUB]CPU[/SUB] = 1,288°C
Die Schlussfolgerungen die darüber hinaus gehen, hauen jedoch wegen der folgender Annahmen nicht hin:
CL90 schrieb:
t[SUB]cold[/SUB] = 30°C (Annahme: Wassertemperatur nach einem Radiator)
CL90 schrieb:
Da t[SUB]in[/SUB] die Wärmezufuhr (von 0 bis 100°) von Q nicht beeinflusst ist:
t[SUB]out[/SUB] = t[SUB]in[/SUB] + Δt[SUB]Chip[/SUB]
Das Wasser hinter jedem 420er Radi hat nicht die gleiche Temperatur wie hinter dem 1260er MoRa. Bei unterschiedlich starken Wärmequellen vor jedem Radi ist es nicht mal auf allen Radis dasselbe höhere Niveau.
t[SUB]
in [/SUB]ist wegen der falschen ersten Annahme nicht gleich t
[SUB]cold[/SUB] für den Fall der Zwischenradis. Da liegt letztlich der Trugschluss bei deinem Ansatz

.
In der Realität ist es so, dass man zwar durch einen Radiator hinter jeder heizenden Komponente die Wassertemperaturen im Kreislauf gleichmäßiger auf die Komponenten verteilen kann, aber bei gleicher Gesamt-Radifläche eben nicht hinter jedem Zwischenradi auf das gleiche tiefe Niveau herunter kommt wie hinter einem großen Radi. Bei einem großen Radi profitiert also die Komponente direkt hinter dem Radi von einer niedrigeren Temperatur als man sie im Setup mit Einzelradis hinter jeder Komponente überhaupt irgendwo im Kreislauf erreiche würde. Dafür bekommt bzw. bekommen die letzte(n) Komponente(n) wärmeres Kühlwasser ab - insbesondere die allerletzte. Die Gesamtbilanz bleibt aber dieselbe denn die insgesamt zur Verfügung stehenden Wärmeabfuhr ist nur von der Gesamtfläche der Radis und deren Belüftung abhängig. Sind diese Parameter identisch, was in deinem Beispiel ja der Fall ist, kann die Wärme in keinem der beiden Fälle besser abgeführt werden.
Von einem Setup mit Zwischen-Radis kann man also von einer gleichmäßigeren Temperaturverteilung auf die Komponeten profitieren, aber das Temperaturniveau ist dann bei einigen Komponenten höher als wenn man nur einen Radi gleicher Gesamtfläche nach allen Chips nutzen würde. In letzterem Fall ist hängt es dagegen von der Reihenfolge ab, welche Komponente in den Genuss einer tieferen Temperatur kommt, als sie das Setup mit den Einzel-Radis überhaupt bieten kann. Das kann man sich zu Nutze machen, da nicht alle Komponenten in gleichem Maße von niedrigen Temperaturen profitieren (z.B. für OC). In der Gesamtbilanz der Wärmeabfuhr gibt´s aber keinen Unterschied zwischen den beiden Setups bei gleicher Radifläche und gleicher Belüftung.
Im Übrigen: Wenn du diese Aussage ansetzt:
CL90 schrieb:
Wir wissen ja das ein Radiator bei größerer Temperatur differenz besser kühlt.
wäre nach deiner vorangehenden Rechnung ja der MoRa besser - was im Sinne der Temperatur am Ausgang des MoRa auch der Fall ist

- nützt allerdings den Komponenten weiter hinten nichts.
Richtig ist hingegen, das bei einer höheren Temperaturdifferenz zwischen Ein- und Auslass eines Radiator mehr Wärme abgeführt wird, aber das hängt natürlich 1:1 mit der eingespeisten Heizleistung zusammen. Der Umkehrschluss dass unterschiedliche Temperaturdifferenzen an den Ein- und Ausgängen unterschiedlich großer Radiatoren ohne Ansehen der jeweils eingespeisten Heizleistung etwas über deren Effektivität aussagen würde, ist dagegen nicht zulässig.
Was man in der Praxis allerdings ins Kalkül ziehen könnte: Ein MoRa ist ein Rohrradiator, der nicht ganz so effizient arbeitet wie viele Netzradiatoren die man z. B. 420er Größe kaufen kann. Für obigen Vergleich müsste man also auch von Rohr-Radis beiden 420ern ausgehen.
Darüber hinaus könnte man sich Gedanken über Zwischenradiatoren machen, wenn z. B. bei wenig Durchfluss im Kreislauf mehrere sehr hitzige Grakas eingesetzt werden sollen, und das Temperaturniveau an dem/den letzten Chip(s) vor einem großen Einzel-Radiator sonst zu hoch würde. Auch wenn man partout allen Grakas die gleichen Ausgangsbedingungen für OC-Experimente zur Verfügung stellen will, wäre das ein Weg. Dafür erreicht man aber bei gleicher Gesamtfläche nirgends so niedrige Temperaturen wie bei Verwendung einen großen Radis, wovon vor allem CPUs hinsichtlich OC profitieren könnten, da diese oft weniger gut mit hohen Temperaturen klar kommen. Auf dem von dir angesetzten Temperaturniveau spielt das freilich noch keine Rolle, aber bei sehr sehr niedrigem Durchfluss könnte das u. U. anders aussehen.
Insgesamt sprechen wir aber bei all diesen Überlegungen, wie auch der korrekte Teil deiner Beispielrechnung zeigt, sogar bei großen Heizleistungen von Temperaturunterschieden im Kreislauf die zumindest bei unkritischen Durchflussraten kaum zu relevanten Unterschieden hinsichtlich OC o. Ä. führen würden. Derartige Optimierungsüberlegen sind daher im Normalfall überflüssig. Andere Einflüsse sind oft viel größer. So lässt sich z.B. ein einzelner MoRa viel leichter extern an einer Stelle platzieren die die kühlste Zuluft und freien Abstrom der erwärmten Luft garantiert, was sogar trotz seiner bauartbedingt etwas schlechteren Effektivität im Vergleich zu vielen Netzradis zu deutlich besseren Temps für die ersten Komponenten führen kann. Bei Zwischenradis ist das viel schwieriger (mehr Schläuche). Zudem werden Zwischenradis häufig intern verbaut, was vorgenannten Nachteile mit sich bringt. Derartige Nachteile können sogar dazu führen, dass ein Setup mit Zwischenradiatoren trotz gleichmäßigerer Temperaturen an den Einzelchips, zu einem insgesamt nicht nur geringfügig, sondern deutlich höherem Temperatur Niveau führt, als bei einem gut platzierten externen Einzelradi. Was OC angeht, dürfte allein schon das persönliche Glück beim Komponentenkauf und die Kühlermontage im Regelfall wesentlich mehr Einfluss auf die Ergebnisse haben als alle derartigen Optimierungen

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