AW: Meltdown und Spectre: Intels Sicherheitslücke weitet sich branchenweit aus
Der Itanium hatte noch ganz andere Probleme als AMD64. Namentlich vernünftige Compiler und katastrophale Kompatibilität zu x86. Während letzteres heute keine größere Rolle mehr spielen dürfte, bleibt die schwierige Aufgabe des Compilers bestehen.
Wenn schon AMD64 den Bach runtergeht, dann hoffentlich zugunsten einer wirklich vernünftigen Architektur wie Power, ARM oder MIPS.
Power, ARM und MIPS haben genau das gleiche prinzipielle Problem. Gerade der Transfer von CPU-Aufgaben an den Compiler ist es, was Itanium immun gegen Spectre und Meltdown macht – es gibt keine Spekulativen Berechnungen, die man missbrauchen könnte, sondern bereits bei der Programmcompilierung müssen alle Möglichkeiten berücksichtigt werden.
Mir ist insgesamt immer noch nicht klar, warum diese Sicherheitslücke so groß aufgebauscht wurde und andere unter den Teppich gekehrt werden, aber es ist wohl jetzt eine sehr willkomene Bühne für Intel-Hater. Ob Fanboy oder nicht, jetzt kann man (zu Recht) Intel wegen ihres aggressiven Cachings verurteilen... aber nicht unbedingt, wie viele das hier machen ansprucken.
Tritt das Problem eigentlich auch auf, wenn ich nicht gerade mit Virtualisierungstechnologie oder Virtuellen Maschinen arbeite? Habe ich bislang noch nicht genau nachgelesen
Das Prinzip ist komplett unabhängig von der laufenden Software. Virtualisierte Umgebungen finden deswegen viel Beachtung, weil sie gegen sehr viele andere Sicherheitslücken immun sind – aber nicht gegen Spectre und Meltdown. Das Funktionsprinzip umgeht alle etablierten Software-Isolierungsmaßnahmen wie Virtualisierung und Sandboxes und insbesondere Meltdown darüber hinaus sogar Hardware-Mechanismen. Genau deswegen finden diese Sicherheitslücken so große Aufmerksamkeit – quasi nichts ist mehr sicher. Und ich wiederhole noch einmal:
Es ist keine Sicherheitslücke. Es ist ein konzeptioneller Fehler. Und deswegen so brisant, denn man kann den eigentlichen Mechanismus vermutlich nicht abschalten – nur versuchen, alle wichtigen Informationen außer Reichweite zu bringen.
Es kann bei VMs zu Ausbruch verwendet werden. Bei normaler Software sind die üblichen Attacken zum Erlangen von Root-Rechten möglich.
Weder Spectre noch Meltdown erlauben Schreibzugriffe. Man könnte zwar Passwörter für einen Root-Zugang ausspähen, aber wenn die VM keine passende Schnittstelle dafür hat, ist ein Ausbruch auf den Host nicht möglich. Allerdings ist die volle Kontrolle über den Host wohl nur ein kleines Trostpflaster, wenn der Angreifer die Zugangsdaten zu allen VMs abgehört hat.
bevor hier wieder ein shitstorm losgeht gegen Intel, sollte vielleicht auch mal (wie bei AMD normalerweise immer) erwähnt werden das der Fehler kein Intel Problem war / ist sondern ein OS Problem!
Die Umgehungsmaßnahmen erfolgen zwar auf OS-Ebene, der Fehler liegt aber beim Prozessor. Software orientiert sich immer nur an dem, was Hardware machen soll – in diesem Fall verhält sich die Hardware aber auf undokumentierte Weise. Man kann sich aber in der Tat fragen, warum Betriebssysteme so viel Risiko eingehen und Zugriffe auf den gesamten Kernel und gesamten physischen Adressraum nur durch eine einzige Sicherheitsmaßnahme verhindern.
Da bist du dir sicher das alleine ne Website ausreicht ?
Ja. Das Problem betrifft alle Rechner, auf denen unbekannter Fremdcode ausgeführt wird. Ganze virtuelle Maschinen in der Cloud sind nur ein Extrembeispiel, es recht beispielsweise einfaches Javascript – von komplexeren Elementen wie beispielsweise Spiele-Mods ganz zu schweigen. Um ein paar beliebte Buzzwords zu kombinieren:
"Spectre-Angriff auf Wallet-Passwörter aus Ethereum Smart-Contract heraus"
Das verstehe ich jetzt irgendwie auch nicht, wenn sie das seit Juni wußten, hätten sie das doch fertig haben können, zumal man das nicht ewig unter der Decke halten kann und das Ausrollen der Sicherheitspatches für Januar dürfte Intel doch bekannt gewesen sein.
Im Moment überschlagen sich die Informationen, aber soweit ich schlussfolgern kann, arbeiten sie seit Juni an dem Problem. Und eigentlich wollten sie nächste Woche erst die Updates in Umlauf bringen und dann alles erklären. Aber da vor allem gegen Spectre eben auch Patches auf Anwendungsebene nötig sind, wurde der Kreis der Wissenden zwischenzeitlich über die Hardware-Hersteller hinaus erweitert und irgendwer hat angefangen zu reden.