AW: Meltdown und Spectre: Intels Sicherheitslücke weitet sich branchenweit aus
@PCGH_Torsten
Wenn keine Schreibzugriffe möglich sind, was hat das dann für einen Privatanwender der weder online Banking betreibt noch irgendwelche andere sensiblen Daten auf seinem PC hat denn für große Gefahren?
Wer keinerlei sensible Daten auf seinem Rechner hat und nur Dinge eingibt, die er auch jedem anderen bereitwillig erzählt, dem kann Spionage naturgemäß egal sein. Allerdings dürfte es nur wenige Rechner im Internet geben, bei dem dies der Fall ist. Vielen Leute ist es ja schon unangenehm, wenn man nur ihr Surfverhalten nachvollziehen kann – von Mail-Inhalten ganz zu schweigen. Meltdown und Crispr haben letztlich die gleichen Möglichkeiten wie ein Beobachter, der rund um die Uhr hinter dem Nutzer steht und alle Eingaben, alle Bildinhalte mitverfolgt. (Und sogar die Inhalte von Hintergrundprozessen.)
Für mich stellt sich gerade die Frage, seid wann gibt es das Problem? Und vor allem, warum ist es vorher nicht aufgefallen und wieso wird es von Intel und den anderen mehr oder weniger Tot geschwiegen bzw abgetan als wäre nichts?
Geben tut es das Problem mutmaßlich seit erscheinen des ersten Pentiums, den Verantwortlichen ist es seit letztem Sommer bekannt. Seitdem arbeitet man Lösungsansätzen und hat versucht, potentiellen Angreifern möglichst wenig Informationen zu liefern. Ein kaum bekannte Schwachstelle ist schlimm. Aber eine Schwachstelle, die jeder Hacker kennt, ist schlimmer.
Der weiße Elefant im Raum: Wie viele Angreifer haben die Lücke schon vorher durch eigene Arbeiten gefunden? Prinzipbedingt hinterlassen die Angreife keinerlei Spuren auf dem komprimierten System. Es könnte sein, dass seit Jahren jemand auf allen Cloud-Servern mithört.
Kann mal jemand nem Laien einfach erklären, was die Patches (OS, Browser) jetzt an der Sprungvorhersage geändert haben.
Wenn ich mich recht erinner, war eine wesentliche Änderung von Haswell auf Skylake die Verbesserung (im Sinne von Performance ^^) eben dieser. Könnten daher die 6/7/8 Gen SKUs "anfälliger" sein?
Details zu den Patch-Strategien vermisse ich auch noch – vermutlich werden diese absichtlich nicht weitergegeben, um keine neuen Schwachstellen zu offenbahren. Was ich bislang herauslesen konnte:
- Chrome reduziert die Präzision des Zeitgebers für Javascript-Anwendungen. Die bislang diskutierten Angriffswege nutzen diesen, um Zugriffsgeschwindigkeiten exakt zu messen und so Cache-Inhalte zu rekonstruieren. Es wurden aber auch schon alternative Auslesewege vorgeschlagen und es gibt alternative Verfahren zur Zeitabschätzung
- Die Meltdown-Patches für Linux und vermutlich auch Windows reduzieren die im Prozess-Adressraum gemappten Speicherinhalte. Bislang waren im Kernel Space Informationen über den ganzen Kernel und physischen Speicher verfügbar, künftig nur noch die für den jeweiligen Prozess wichtigen Informationen. Der Meltdown-Mechanismus müsste demnach 1:1 weiter funktionieren, würde aber nur noch auf Informationen zugreifen können, die dem Angreifer ohnehin bekannt beziehungsweise frei zugänglich sind.
Bitte unterscheiden: RISC-V ist ein Befehlssatz und lässt durchaus OoO zu. Alle bisherigen Implementationen sind aber nicht betroffen – ich vermute weil es sich um vergleichsweise einfache Chips handelt, denen die Fähigkeiten zur spekulativen Ausführung fehlen. Würde man die Leistung heutiger x86-CPUs mit einem RISC-V erreichen wollen, hätte man das gleiche Problem.