Ein Lastausgleich sollte doch, so verstehe ich es zumindest, dafür sorgen das auf alle Kabel eines 12VHWR-Anschlusses immer gleich viel Strom fliest. Also wenn die Grafikkarte insgesamt 12 Ampere braucht/will dann gibt das Netzteil "einfach" 2A+2A+2A+2A+2A+2A oder 3A+3A+3A+3A aus, je nach dem was die Sense-Pins vorgeben. Und so eine "Ich gebe auf allen Leitungen immer gleich viel Strom raus"-Schaltung müsste in einem Netzteil noch funktionieren?
Alki spricht von Schaltungen, die "seit Jahrzehnten" "für wenige Cent" "technischer Standard" sind – und nicht von Load-Balancing. Für einzelne Überwachungsschaltkreise (die in PC-Netzteilen noch nie adernweise verbaut waren) gilt die Aussage "einfach möglich" und "kann keine Lastausgleich durchführen". Für Load-Balancing, nach dem gefragt wurde, gilt "könnte sicherstellen, dass überall der gleiche Strom fließt" und "gibt es nicht". Der zusätzliche Aufwand wäre auch nicht bezahlbar.
Fixe Amperewerte auszugeben ist meinem Wissen nach so gut wie unmöglich. Was man zum Beispiel in Labornetzteilen stattdessen macht, ist eine "Echtzeit"-Regelung der Spannung, so dass die gewünschte Stromstärke resultiert. Das heißt bei einem Kabel mit hohem Widerstand und somit hohem Spannungsabfall speist man eine höhere Spannung ein, damit am Ende die gleiche Stromstärke bei gleicher Abnehmerspannung raus kommt. Um das bei einer Grafikkarte für Load-Balancing zu nutzen, müsste ein Netzteil aber drei Voraussetzungen erfüllen:
1. Es kann die Spannung für jede Ader getrennt regeln. Für einen einzelnen 12V-2x6 (oder zwei 8+2-Pol) bräuchte man also die Technik von sechs Netzteilen (effizienter) oder alternativ müsste man ein 14-V-Netzteil bauen und sechs 14-auf-~12-V-Step-Down-Wandler hinten dranhängen. (Ineffizienter und vom Aufwand her immer noch mit den 5-V- und 3,3-V-Bereichen aus insgesamt drei modernen DC-DC-Netzeilen vergleichbar.)
2. Das Netzteil muss Spannungen in "Echtzeit" nachregeln, also schneller als sich die Last einer GPU ändert. Gegenüber heutigen Netzteilen, die eine fixe Spannung liefern sollen und diese einfach passiv mittels Kondensatoren stabilisieren können, müsste jeder einzelne der genannten Step-Downs in der weit teureren Qualität der besten Mainboard- oder Grafikkartenspannungswandlern ausgeführt werden.
3. Das Netzteil überwacht die Spannung am anderen Ende des Kabels oder kann vor dem Einschalten messen, ob die Adern am Ende tatsächlich in einem Verbraucher enden. Eine vergleichsweise einfache, aber wichtige Anforderung. Sonst würde auf einer nicht angeschlossenen Ader die Spannung so weit angehoben werden, bis doch Strom fließt. Das nennt man dann "nicht so gut" oder "Lichtbogen".
Selbst wenn man diesen gigantischen Aufwand treiben würde, hätte man mit dem Load-Balancing aber nicht das Problem gelöst, sondern nur eine Symptom-Eskalation verhindert. Aktuell führen hohe Widerstände auf einer Ader zu einem höheren Stromfluss und damit einer deutlich höheren Wärmeentwicklung auf einer Ausweichstrecke. Mit Load-Balancing bliebe der Strom auf der beabsichtigen Ader, deren höher Widerstand würde aber ebenfalls für eine leicht erhöhte Wärmeentwicklung sorgen. Besser, aber nicht gut. Sinnvoller wäre es, etwas mehr in hinreichende Qualität zu investieren, um die Unterschiede auf ein verträgliches Maß zu senken. Dieser Weg wurde jahrelang gegangen, nur verschieben sich bei immer höheren Verbräuchen halt die Grenzen für "verträglich". Zusätzlich könnte man die von Alki angesprochene Last-Überwachung flächendeckend in Netzteilen statt nur auf einzelnen Grafikkarten teilweise einführen. Damit wären die Probleme nicht gelöst, mangelnde Qualität würde aber wenigstens elektronisch statt olfaktorisch erkannt.