Tagebuch Kostendeckung Fotografie Auftrag - Wertschätzung vs. Selbstausbeutung

ToneR_FS

Kabelverknoter(in)
Hey liebe PCGH Community

Ich muss heute mal etwas Dampf ablassen und über ein Thema sprechen, das wahrscheinlich viele Kreative und Freelancer hier betrifft: Wertschätzung vs. Selbstausbeutung.

Heute wurde ich von einer NGO kontaktiert, für die ich vor knapp 8 Jahren schon zweimal gearbeitet habe. Über die erneute Kontaktaufnahme und das Interesse an einer Zusammenarbeit habe ich mich natürlich zuerst gefreut. Die damaligen Aufträge wurden fair bezahlt und haben den Aufwand gedeckt. Damals wie heute bin ich der NGO beim Preis entgegengekommen und habe weder den vollen Satz noch die üblichen Kosten für die mediale Weiterverwendung (Nutzungsrechte) der Bilder verrechnet.
Die Anfrage heute: Für eine Stunde eine Veranstaltung zu dokumentieren und die Fotos unter extremem Zeitdruck innerhalb einer Stunde vor Ort abliefern.
Meine absolut faire, auf eine NGO angepasste Kalkulation sah so aus:
  • Bahnticket (Vollpreis hin & zurück): CHF 102.-
  • Fotografie (1h vor Ort): CHF 200.- (inkl. Honorar, Materialverschleiss, Versicherungen)
  • Reisezeit (ca. 2h total): CHF 150.- (pauschal & separat reduziert)
  • Expresslieferung: CHF 120.- (Sichtung, Bearbeitung und Übergabe innerhalb 1h vor Ort)
Gesamttotal: CHF 572.-

Zur Einordnung: Ich reise nicht mit dem Smartphone an. Mein Equipment vor Ort umfasst eine Hauptkamera mit Profi-Objektiv, eine Backup-Kamera mit Objektiv, Wechselobjektive, Speicherkarten, Akkus und einen Laptop für die Sofortbearbeitung. Alleine die Hauptkamera mit Objektiv hat einen Wert von knapp CHF 10'000.-. Dieses Equipment muss amortisiert werden, und im Schadensfall hafte ich selbst.

Das Gegenangebot der NGO? Sie wollten tatsächlich nur die Bahnkosten von CHF 102.- übernehmen. Keine Arbeitszeit. Keine Reisezeit. Kein Express-Zuschlag. Nichts.

Ich habe den Auftrag konsequent abgesagt. Ein 1-Stunden-Job in einer anderen Stadt blockiert mich inklusive An- und Abreise fast einen halben Tag. Während die Organisatoren und Projektleiter der NGO für ihre Arbeit ganz normal bezahlt werden, wird von externen Dienstleistern erwartet, dass sie ihre Zeit, ihr Know-how und das Risiko für ein Zugticket verschenken.
Liebe Community: Kennt ihr solche Anfragen? Wo zieht ihr eure roten Linien?


 
Kann Deinen Frust verstehen. Aber es hilft nix, sehr freundlich und offen für andere Projekte dieses absagen.
Das habe ich auch gemacht, mit der Bemerkung dass es vielleicht ein anderes mal klappt und wünschte noch viel Erfolg.
Ich wollte den Frust teilen, da sowas ja häufiger vorkommt und gerade bei einer grösseren Organisation könnte man aber erwarten dass die Mindestanforderung an Kosten gedeckt werden und auch das Verständnis dafür vorhanden ist das man seinen Lebensunterhalt damit deckt.
 
Alles hat seinen angemessen Preis. Gerade wenn man die normale Kalkulation im Angebot unterbreitet und die Abschläge kenntlich macht ist sowas wirklich ärgerlich. Keine Ahnung was das für eine NGO ist aber auch diese sollten fair bleiben bei der Auftragsvergabe.
Gerade bei den Vorgaben hätte ich da ein entgegenkommen erwartet. Dein Preis ist wirklich sehr niedrig insbesondere da ja die Aufnahmen sofort bearbeitet bereit gestellt werden sollen.
Selbst zu dem Preis sollte es für mich in irgendeiner Form ein gewissen Benefit geben, eigene Werbung zum Beispiel.
Dein Preis war mehr als fair. Die Entscheider werden sich umsehen wenn sie weitere Angebote einziehen.

Gerade die Kosten für die Nutzungsrechte gehören auf ein Angebot auch wenn man diese erläßt.

Es war gut und richtig diesen Auftrag nicht anzunehmen.
 
Dein Preis ist wirklich sehr niedrig insbesondere da ja die Aufnahmen sofort bearbeitet bereit gestellt werden sollen.
Ja genau das, ich wusste dass sie ja auf Spenden ansich angewiesen sind um ihre Projekte und Kampagnen zu führen, aber tiefer als mein Angebot konnte und will ich auch nicht gehen.
Für sie ist es halt nur eine Stunde Event, sich treffen und dann wieder auflösen. Während es für mich wie beschrieben einen halben Tag in Anspruch nimmt.
 
Ich halte mich bei derartigen Einschätzungen an die 3G's:

Glanz, Geld, Geil.

1. Glanz: Kann ich mich mit dem Auftrag in ein für mich vorteilhaftes Licht stellen oder profitiere ich im weiteren Verlauf (strategisch gesehen) von der Annahme ?

2. Geld: Ist es so lukrativ, dass sich der Aufwand auch bei unattraktiveren Aufträgen lohnt ?

3. Geil: Mir liegt der Auftrag persönlich am Herzen, weil ich mich damit identifiziere und das Projekt aus Überzeugung unterstützen möchte, ohne auf den Profit zu achten.

Optimal sind 2G's, mindestens 1G sollte aber übrig bleiben.
 
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